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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 7 (1879)

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Erneutes Antreffen von Eis in der Nähe des Kap Horn. 
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.) 
Im Anschluss an die im August-Hefte dieser Annalen (pag. 388) enthaltene 
Mittheilung über die ungewöhnliche Häufigkeit des Eises in der Umgebung des 
Kap Horn und der Falkland-Inseln, welche in den letztvergangenen Frühlings- 
and Sommermonaten der südlichen Halbkugel (September 1878 bis Februar 1879) 
eintrat, geben wir im Nachstehenden einen uns vom Kapt. J. Hendorff gütigst 
nitgetheilten Auszug aus dem Tagebuche seines Schiffes „/da“, woraus sich 
srgiebt, dass in der, für solche Vorgänge ungewöhnlichen Jahreszeit des Winter- 
anfangs auf Südbreite ein erneutes Auftreten des Eises in dem erwähnten Meeres- 
striche stattgefunden hat. 
Kapt. Hendorff berichtet über seine Reise von Guayaquil via Queenstown 
nach Hamburg wie folgt: 
„Am 10. April 1879 gingen wir von Pund in See, erreichten am 13, den 
Südost-Passat in 3° S-Br und 84° W-Lg, hatten frische Brise bis zum 23. in 
23° 30‘ S-Br und 96° W-Lg, dann Windstille und leisen veränderlichen Zug 
bis zum 27. April. 
Am 22, Mai Vormittags in 56° 54’ S-Br und 66° 50’ W-Lg (rw Sz01/40 
57 Sm vom Kap Horn) passirten wir einen grossen Eisberg und sahen von der 
Marsraa aus weiter südwärts mehrere grosse Eisberge und anscheinend zusammen- 
hängende Eisfelder. Wir hatten an diesem Tage wunderschönes Wetter, klare 
Luft, ruhige Sce, flaue wostliche Brise, so dass man wohl hätte vergessen können, 
bei Kap Horn zu sein, wäre man nicht durch die Kürze der Tage daran erinnert 
worden; der Thermometerstand war + 8,7° C. Es war ein imposanter Anblick, 
v6i Tagesanbruch diesen Eiskoloss aus dem Meere aufsteigen zu sehen, Er hatte 
stwas Aehnlichkeit mit einem Dome, ein grosser viereckiger Block mit steilen 
Wänden und scharfen Kanten, mit einem flachen Dache und an dem einen Ende 
nit einem Thurm versehen, Die Höhe des letzteren war ungefähr 30m, während 
lie Höhe des Daches etwa 21m, die Breite etwa 36m betrug. Wenn die Sonne 
durch eine Wolke verdunkelt wurde, so schien er aus weissem Marmor gemeisselt 
zu sein; schien die Sonne aber hell, so blitzte und glänzte Alles, als wäre os 
ein mit Diamanten besäter Krystallpalast. ; 
Wir passirten den Eisberg in ungefähr 3 Sm Entfernung, kleineres Eis 
konnten wir in seiner Nähe nicht entdecken. In seiner damaligen Position war 
er für die Schifffahrt recht gefährlich — wir sahen an diesem Tage drei südwest- 
lich steuernde und zwei ostwärts steuernde Schiffe — da wir aber um diese Zeit 
ainen nach rw ENE 18 bis 24 Sm im Etmal setzenden Strom hatten, so wird 
die gefährliche Eismasse bald aus dem Bereiche der Schifffahrt getrieben sein. 
Am 16. Juni in 20° S-Br und 25° W-Lg erreichten wir den Südost-Passat, 
passirten die Linie äm 23. Juni in 25° 30‘ W-Lg, und verloren den Passat am 
25. Juni in 5° N-Br. Wir hatten dann bis zum 8, Juli mit Windstillen und 
jeichten veränderlichen Winden zu kämpfen und gelangten erst in 13° N-Br und 
27° W-Lg in das Gebiet des Nordost-Passats, der auch nur bis zum 17. Juli 
in 31° N-Br und 39° 30‘ W-Lg Stand hielt. Von dort an hatten wir immer 
Windstille und leichte veränderliche Winde, so dass wir erst am 9. August vor 
Queenstown ankern konnten. Die Reisedauer war 122 Tage, 
In Queenstown sprach ich unter Anderen den Führer der Deutschen Bark 
„T.C. Berg“, der, von Chile kommend, einen Tag vor mir das Kap Horn passirt 
war. Dieser hatte ebenfalls viel Eis gesehen, seiner Beschreibung nach wahr- 
scheinlich auch denselben Berg, den er anfänglich für die Insel Diego Ramirez 
gehalten hatte.“ 
Wir haben diesem Berichte noch hinzuzufügen, dass die Schiffe „Aeolus“, 
welches am 26. April in 57,3° S-Br., und „Armin“, welches am 1l. Mai in 
57,2° S-Br den Meridian des Kap Horn passirte, ihren bei der Seewarte ein- 
gegangenen Journalen zufolge, kein Eis angetroffen haben. Doch fand das 
letztgenannte Schiff bei südlichen Winden ungewöhnlich kaltes Wetter, indem 
die Lufttemperatur meistens unter 2,5° blieb und zeitweilig bis —1,3° sank. 
Die Wassertemperatur fiel am 13. Mai in 55,6° S-Br und 60° W-Lg in 4 Stunden, 
während das Schiff NOzO 22 Sm machte, von 3,4° auf 1,9° und stieg dann 
wieder auf 3.4°,
	        
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