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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 7 (1879)

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Sommer (1879) standen am Zeiger 14 Fuss (4,27m), und wir passirten die Barre 
mit 14 Fuss 4 Zoll (4,37m), ohne Grundsaugung. Der Lootse meinte auch, wenn 
14 Fuss (4,27m) Wassertiefe angezeigt sei, könne man recht gut mit 14!/s Fuss 
(4,37m) Tiefgang passiren. Im Jahre 1874 stand aber weniger Wasser auf 
dieser Barre und mussten wir damals, genau zur Hochwasserzeit, das 14 Fuss 
2 Zoll tief gehende Schiff, welches vom Dampfer geschleppt wurde, über den 
Grund rollen. Auch auf der Seebarre stand damals weniger Wasser; ein 4,4m 
(14 Fuss 4 Zoll) tief gehender Dampfer kam an Grund, während wir dicht bei 
ihm anstandslos passirten. Ohne Zweifel kommen auf der Barre Unebenheiten 
vor, und thut man daher immer gut, wenn die Gelegenheit dazu sich darbietet, 
bei ausgehenden Schiffen Erkundigungen über die Verhältnisse auf der Barre 
einzuziehen. 
Bevor man die Stelle erreicht, wo die Vereinigung des Maimaksa-Kanals 
mit dem direkten Fahrwasser erfolgt, passirt man vier verschiedene Sägemühlen 
und Ladeplätze für gesägtes Holz. Schiffe, die dort Ladung einzunehmen haben, 
müssen der Klarirung wegen indessen erst Solombala anlaufen. Ist die Zoll- 
visite vor sich gegangen, so begiebt man sich mit einem von dem Beamten 
ausgestellten Scheine zum Nebenzollamte in Solombala, wo der obige Schein zur 
Abgabe beim Oberlootsen visirt wird. Dann erhält man’ schliesslich einen 
Lootsen, welcher das Schiff zum Ballastplatz bringt, der für die holzladenden 
Schiffe gewöhnlich der Kai derjenigen Sägemühle ist, welche das zur Ladung 
bestimmte Holz liefert.. 
Anmerkung. Zur Zeit des Krimkrieges, als die Blockade des Hafens 
durch die englische Flotte in Aussicht stand, waren alle Seezeichen und Land- 
marken eingezogen; doch war das ganze Fahrwasser durch kleine Stückchen 
Baumrinde, die vermittelst dünner Bindfäden an Steinen verankert waren, be- 
zeichnet. Wir glaubten damals schon, als wir unseren Lootsen so stille Be- 
trachtungen der Tiefe machen sahen, derselbe sei seekrank, bis wir schliesslich 
die russische Schlauheit merkten. 
Archangel, der Verschifungshafen der mannigfachen Handelsprodukte des 
nördlichen Russlands, ist eine ausgedehnte Stadt mit, viele Kilometer langen, 
wohlgepflasterten Strassen, Das Flussufer bildet einen hervorspringenden Winkel, 
und hat die Stadt eine Flussfront von: etwa 6 Kilometer Länge. Kin -gross- 
artiges Zollgebäude und verschiedene ausgedehnte kasernenartige Steinbauten 
erinnern noch an die frühere Glanzperiode des Platzes als Kriegshafen der 
russischen Weissenmeer-Flotte. Diese Bauten befinden sich zum Theil auf der Insel 
Solombala, weiche durch eine Schifbrücke, die über denjenigen Flussarm führt, 
welcher sich nördlich von der Povrakulskoi-Insel in den Maimaksa-Kanal ergiesst, 
mit Archangel verbunden ist. Solombala ist der Hafenplatz der Stadt Archangel; 
zu letzterer selbst können nur Küstenfahrer gehen. 
Die Hauptexportartikel sind: Gesägtes Holz, Flachs, Hanf, Kodilla, Tau- 
werk, Hafer, Leinsamen, Pech und Theer, wovon zusammen jährlich 500 bis 
600 Ladungen von durchschnittlich 300 Tonnen, grösstentheils nach England, 
verschifft werden. Es herrscht hier im Sommer ein schr reges Leben, da 
Mancher während der kurzen Dauer desselben seinen ganzen Jahresverdienst 
zu erringen suchen muss, Die Arbeiter auf den Sägemühlen, dio Stauer, 
Lootsen u. s. w. sind theilweise Kronbauern und mit ihrem Sommerverdienst 
schr gut gestellt. Wirkliche Armuth sicht man hier kaum, wenigstens‘ nicht im 
Sommer; alle einfachen Leute sind gut gekleidet und sehen wohlgenährt aus. 
Die Kaufleute und der grösste Theil ihrer Angestellten sind Deutsche, 
oder deren Nachkommen, die als eigene Gemeinde eine lutherische Kirche und 
eine, unter tüchtiger Leitung stehende, höhere deutsche Bürgerschule unter- 
halten und in jeder Hinsicht deutsche Gesinnung und Sitte zu erhalten bemüht 
sind. Der deutsche Klub in Archangel besitzt cin grosses Gebäude mit präch- 
tigen Sälen, Konversations-, Lese- und Billard-Zimmern. Zweimal wöchentlich 
kommen die Mitglieder hier zusammen; es wird eine eigene deutsche Musik- 
bande unterhalten und nach der Arbeit das Vergnügen nicht verschmäht, 
Fremde, sowie die Kapitäne der Schiffe aller Nationen finden im Klub freund- 
liche Aufnahme und billige Bewirthung. Kapitäne haben indessen nur nöthig 
Archangel zu besuchen zur Ausklarirung im Zollhause, zur Erledigung der 
Konsulatsgeschäfte und wegen der Abrechnung‘ mit dem Ablader. Alles Uebrige 
Ann. d. Hyär., 1879, Heft XI (November).
	        
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