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Bis nach 5,6° N-Br in 25,3° W-Lg wurde „Goethe“ vom SE-Passat be-
gleitet. Hier sank der Wind fast zur Stille herab, so anhaltend, bis in
6,5° N-Br und 25,5° W-Lg frischer NE-Passat einsetzte. Man gelangte dann
nach 10° N-Br in 30° W-Lg am 1. Juni, nach 20° N-Br in 35,5° W-Lg am
6. Juni und nach 30° N-Br in 38,3° W-Lg am 12. Juni. Die Passatgrenze war
in 27,1° N-Br und 38,5° W-Lg überschritten worden und traf „Goethe“ später
dieselben Winde, wie sie schon im Berichte des Mitseglers „F. Brumm“ be-
schrieben sind, Am 19. Juni kreuzte jene Bark 40° N-Br in 33,7° W-Lg und
am 27. Juni wurde Lizard erblickt. Die Reise vom Aequator bis zu letzterem
Punkte betrug 34 und die Dauer der Gesammtreise 127 Tage.
Es zeigt sich in dem Vergleiche der zuletzt geschilderten beiden Reisen,
dass die bedeutende Ueberlegenheit im Segeln, welche das eiserne Schiff „Goethe“
seinem hölzernen Mitsegler gegenüber auf der Ausreise entwickelte, auf der Rück-
reise nicht mehr vorhanden war, ein Umstand, auf welchen an dieser Stelle des
öfteren aufmerksam gemacht worden ist.
6. Reise der Mecklenburger Bark „Anna Thormann“, Kapt. P. A. Voss.
Auf einer Reise von Sunderland nach Porto Grande begriffen, passirte
am 3. Februar 1879 die Bark „Anna Thormann“ den Meridian von Lizard.
Der Ostwind, der am 4. Februar wehte, endete schon am 5. und es folgte
dann eine längere Zeit, in welcher, der oft stürmischen Gegenwinde halber,
nur ein langsamer Fortgang zu erzielen war. Erst am 15. Februar konnte in
14° W-Lgy der Parallel von 40° Nord gekreust werden, doch ging dann die
Fahrt bei nördlicheren Winden rascher vor sich. Schon in 33° N-Br und
16° W-Lg erhielt man den Passat, der kräftig wehend die Bark, nachdem
30° N-Br in 17,8° W-Lg am 20. Februar und 20° N-Br in 22,5° W-Lg am
24. Februar überschritten worden war, bis zum 26. Februar zur Rhede von
Porto Grande führte. Die Reisedauer vom Kanal her betrug 23 Tage.
Am 8. April wurde der Anker wieder gelichtet und eine Reise nach Doboy
angetreten. Sehr beständiger kräftiger Passat begünstigte dieselbe, es wurde
30° W-Lg in 16,9° N-Br am 10. April und 60° W-Lg in 19,5° N-Br schon am
21. April überschritten. In 27,2° N-Br und 74° W-Lg etwa lag die polare
Passatgrenze, doch wehte nördlich derselben noch für längere Zeit frischer süd-
östlicher Wind. Am 29. April wurde in 79,5° W-Lg 30° N-Br gekreuzt und
am 2, Mai auf dem Doboy-Flusse geankert., Es waren 24 Tage seit dem Ab-
gange von Porto Grande verflossen.
Am 26. Mai segelte „Anna Thormann“ wieder nach See, um nach Eng-
land zurückzukehren. Bei ganz leichten südlichen Winden wurde’der erste Theil
dieser Reise zurückgelegt; erst in 68° W-Lg fand man frischeren Wind, der
eine raschere Fahrt ermöglichte, Man überschritt 60° W-Lg in 38,4° N-Br am
8. Juni, 50° W-Lg in 39,3° N-Br am 11. Juni und 30° W-Lg in 43,8° N-Br am
18. Juni, Der Wind war-auf der ganzen Reise der Richtung nach günstig, und
am 25. yes nach 30tägiger Reise konnte „Anna Thormann“ in den Kanal
einsegeln.
7. Reise der Elsflether Schonerbrigg „Inca‘“, Kapt. H. Spieske.
Die Schonerbrigg „Inca“ war im Jahre 1878 auf einer Reise von der
Elbe nach St. Thomas begriffen und passirte am 1. Februar den Meridian von
Lizard. Sie schnitt auf dem Wege zur Passatregion 40° N-Br in 18,8° W-Lg
am 8. Februar, 30° N-Br in 19,5° W-Lg am 20. Februar und fand in 30,5° N-Br
und 19,2° W-Lg den gesuchten Passat. Vor mässig starkem, beständigem Winde
wurde dann westwärts gesegelt, 30° W-Lg in 18,8° N-Br am 25. Februar,
60° W-Lg in 16,3° N-Br am 10. März überschritten und am 12. März auf der
Rhede von St, Thomas geankert. Die Reisedauer vom Kanal ab betrug 39 Tage.
Von St. Thomas versegelte :„Inca“ nach Portorico, nahm dort an ver-
schiedenen Plätzen Ladung ein und ging am 20. April, nach dem Kanal be-
stimmt, in See. Während der ersten Hälfte dieser Reise traf man fast nur
östliche Winde, erst östlich von 50° W-Lg setzten westliche Winde ein, die den
Schoner dann bald zum Ziele führten. Es wurde 30° N-Br, wo man auch den