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keinen Anhalt, worauf doch besonders hingewiesen wird. Die Durchschmuitts-
Oberflächentemperatur zwischen Madagascar und der Küste betrug 20° bis 21°;
als daher auf der Höhe von Natal, ca 100 Sm .vom Lande, plötzlich 23,5° ge-
messen wurden, nahm ich den Eintritt in die Agulhas-Strömung an.
Das nächste Mittagsbesteck, 20 Stunden später, zeigte jedoch gar keine
Stromversetzung, und als dann die Temperatur Nachmittags auf 18° gefallen
war, am nächsten Mittag, den 22. Juli, eine Versetzung von 71 Sm SWzW,
Es ergab sich ausser den auffallenden Temperaturerscheinungen, dass
die Agulhas-Strömung sich in einem sehr schmalen Bett und mit ziemlicher Kraft
fortbewegte. Dieses Bett hatte auch nach der Küste zu eine enge Begrenzung,
das heisst ca 15 Sm von derselben war schon ein kräftiger Gegenstrom vor-
handen.
Am Mittag des 22. Juli beobachtete ich eine ziemlich starke Strom-
versetzung; das auffallend braune Wasser wurde durch eizen etwa 3 bis 400m
breiten grünen Streifen unterbrochen, der sich in der Richtung .WNW—0S0
hindurch schob. Die gemessene Temperatur ergab 16° im grünen, 17,5° auf
beiden Seiten im braunen Wasser. Dennoch schenkte ich dieser Erscheinung
keine weitere Beachtung, sondern fuhr fort, 3 Sm Strom in Rechnung zu ziehen.
Eine Strombeobachtung um 6* Abends legte den Irrthum klar und ergab öst-
liche Stromversetzung, die in dem Maasse stärker wurde, als das Schiff sich auf
seinem Kurse dem Lande näherte, Ich liess zwar wieder vom Lande abhalten,
hatte jedoch zwischen der Spitze Kowie und der Insel Bird in der Stunde
2 Ku konträren Strom gehabt. Dieser Gegenstrom ist allerdings verzeichnet,
aber nur dicht am Lande und nördlich zwischen der Insel Bird und dem Fest-
lande hindurch setzend, während ich erstere in der Entfernung von 10 Sm
südlich passirte.
Besondere Witterungsverhältnisse waren nicht vorhanden; der Wind war
am Tage westlich, Stärke 4 bis 5, gewesen, ging um 6® p. m. unter Böen in
Stärke 6 bis 7 auf NW und kehrte um 2" a, m. nach WSW zurück, schnell
abflauend. Da keine besonders hohe See auflief, so kann der NW-Wind wohl
nur lokal oder, wenn an der ganzen Südküste, von kurzer Dauer gewesen sein.
Der Strom auf der Agulhas-Bank war schr unbedeutend.“
4. Reise von Simonstown bis Plymonth im August und September 1879,
„Am 1, August 1879 um 10" a. m. verliess ich Simonsbai unter Dampf
mit mässigem westlichem Winde. Um 2*p.m. war das Kap der guten Hoffnung
querab in Nord. Im Atlantischen Ocean wurde leichter NN W-Wind angetroffen,
so dass ich bis zum nächsten Morgen 6" langsam weiterdampfte. Nach kurzer
Stille ging der Wind zu dieser Zeit auf Ost,- die Feuer wurden gelöscht und
die Schraube gelichtet, Obwohl der Wind zeitweise auf SE ging, erwies sich
derselbe doch nicht als Passat; es wurde Nachmittags wieder still, und kam
Abends dann westlicher Wind durch, der auffrischend raumte und vorzügliche
Fahrt gestattete. Am Morgen des 3. August war der Wind Süd, und wurden
mit allen Segeln und Leesegeln 10 bis 12 Knoten gemacht. Mit einbrechender
Nacht war der 30ste Breitengrad überschritten und der Passat als reiner SE
erreicht, womit jedoch die Fahrt als platt vor dem Winde beträchtlich reduecirt
wurde. Nichtsdestoweniger betrug das Etmal am Mittag des 4. August 260 Sm.
In den nächsten Tagen wurde noch gute Fahrt gemacht, jedoch zwischen
23° und 30° S-Br eine Zone passirt, in welcher der Wind sehr flau, zuweilen
ganz still war. Erst zwischen 20° und 19° S-Br setzte der Passat allmählich
wieder kräftiger ein. Am 12. August Mittags wurde St. Helena und am 17. August
Ascension passirt.
Der Passat war auf dieser Strecke nur schwach und, was die Fahrt noch
mehr beeinträchtigte, immer recht von achter. Um diesem Uebelstande etwas
abzuhelfen, habe -ich mit einem ungefähren Vortheil von 20 Sm den Tag vor
dem Winde, denselben in 3 bis 4 Strich von B. B. oder St. B. nehmend, gekreuzt.
Nördlich von Ascension war der Wind wieder frischer und östlicher, so
dass der Aequator in 20'/2° W-Lg schon am 20. August Abends geschnitten wurde,
Der Aequatorialstrom wurde auf 6° S-Br wahrgenommen, und zwar in
ziemlich gleichmässiger Stärke von 33 Sm den Tag. Nach dem Passiren der