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Bank benutzen zu wollen.!) Die einzelnen Hügel auf der Insel Ztaparica unter-
scheiden sich so wenig von einander, dass für einen nicht Ortskundigen die
angegebene Richtungslinie werthlos ist. Nach meiner Ansicht thut man, von
Norden kommend, beim Ansteuern am besten, so weit südlich des Landes ent-
lang zu steuern, dass man ganz sicher ist, sich südlich der San Antonio-Bank
zu befinden, bis man das Kap und Feuer von San Antonio in eine Peilung
zwischen NNO und NO gebracht hat, dann auf dieses Kap loszusteuern, es
ziemlich dicht zu passiren und dann den Ankerplatz anzusteuern. Der auf der
britischen Admiralitäts-Karte als Ankerplatz für Kriegsschiffe angegebene Ort
liegt zu weit vom Lande ab. Man thut daher, besonders im Winter, wegen der
auch durch SE-Wind bis in den Hafen fortgepflanzten Dünung, besser, etwas
näher nach der Gamboa-Bank hin zu ankern. Man liegt dort geschützter und
näher nach der Stadt. -
Bahia hat ein Kaiserliches Marine-Arsenal, welches jedoch nur dazu be-
stimmt zu sein scheint, kleine Reparaturen an den Schiffen, deren Maschinen
und Takelagen auszuführen, sowie als Materialien-Depot für in Dienst gestellte
Schiffe zu dienen.
Zur Ausrüstung ist Bahia wenig geeignet, da zum Theil hohe Preise zu
zahlen sind, von einzelnen Artikeln wenig Vorrath ist und auch die Zuverlässig-
keit in Bezug auf Lieferungszeit und Qualität zu wünschen übrig lässt. Hart-
brod ist wenig vorhanden, weil es bei längerer Aufbewahrung leicht verdirbt; es
musste auf Bestellung gebacken werden, und wurde fast die Hälfte nicht ab-
genommen, weil es nicht ausgebacken war. Salzfleisch und Erbsen sind eben-
falls nicht immer vorhanden. Ferner war es schwierig 6000 kg Mehl aufzu-
treiben. Bohnen, Reis, Kaffee und Zucker war reichlich vorhanden, Frisches
Fleisch war billiger, als Salzfleisch, und konnte täglich verausgabt werden.
Sämmtliche Proviant-Artikel, mit Ausnahme von frischem Fleisch, Hartbrod,
Kaffee, Salz und Rum, waren erheblich theurer, als in St. 7’homas.: Das Trink-
wasser ist gut und kostet frei längsseit geliefert 8,71 A pro 10001. Kohlen
sind: reichlich vorhanden.
Grössere Maschinen-Reparaturen sollen schwierig auszuführen sein, da
nur kleine Fabriken bestehen; es soll am besten sein, sich wogen derartiger
Reparaturen an das Kaiserliche Arsenal zu wenden. Docks existiren nicht und
der Arbeitslohn ist sehr hoch,
Der Wechselkurs auf London, 90 Tage Sicht, schwankt von 19'/4 bis
197/s d. für ein Milreis. Wechselstempel beträgt !/ıo und Courtage 1/3 °%%0. Das
gesetzliche Zahlungsmittel ist der Real und besteht bis zu 500 Reis herab
ausschliesslich in Papiergeld, dann in Nickel- und Kupfer-Münzen.. Ausländische
Münzen kursiren gar nicht. Es bestehen mehrere Banken, welche sich indess
fast ganz auf den inländischen Verkehr beschränken.“
2, Reise von Montevideo durch die Magellan-Strasse nach Valparaiso
im Juli und August 1879,
„Die Rhede von Montevideo verliess ich am 13. Juli bei nordwestlichem
Winde unter Segel; gegen Mittag wurde es jedoch schon ganz still, so dass ich
in zwei Kesseln Dampf machte. Abends setzte ein leichter Nordwind ein, der
bis zum nächsten Morgen so aufgefrischt hatte, dass ich die Feuer wieder aus-
machen und die Reise unter Segel fortsetzen konnte. Es war meine Absicht,
da ich auf starke westliche und südwestliche Winde rechnen musste, mich
möglichst nahe an der Küste zu halten, wie dies auch in den Segeldirektionen
anempfohlen wird, Schon am Mittag drehte der Wind westlich und blieb
„wischen WNW und SW, so dass ich allmählich. von der Küste abgedrängt
wurde, und dies umsomehr, als auch der Strom stark östlich setzte, in dem Etmal
vom 14. zum 15. Juli 33 Sm. Hierdurch befand ich mich am 15, Juli Mittags
schon 95 Sm östlich von Kap Corrientes; der Wind war an diesem Tage südwest-.
lich, bei steigendem Barometer, ein Zeichen, dass er noch südlicher zu erwarten
war. Um unter diesen Umständen nicht ganz von der Küste abgedrängt zu
werden, less ich am 15. Juli Nachmittags Dampf in zwei Kesseln machen und
) Vgl. die kurze Notiz pag. 430 in diesen Annalen,