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worden war, erst am 20. April in 21,8° W-Lg die Linie. Um von 30° S-Br her
so weit zu kommen, waren 24 Tage erforderlich gewesen.
War die Reise durch den Südatlantischen Ocean nur wenig befriedigend
gewesen, so wurde auf nördlicher Breite eine noch schlechtere Gelegenheit
angetroffen. Die Grenze des SE-Passats hatte man schon in 2° S-Br erreicht,
dann hatte man 16 Tage im Norden der Linie mit Windstille und Mallung zu
kämpfen, bis man an die äquatoriale Grenze des NE-Passats gelangte. Auch
dieser wehte nur mit geringer Stärke, und das Schiff, dessen Boden sehr be-
wachsen war, bedurfte schon eines kräftigen Windes, um einen raschen Fort-
gang zu machen, Man kreuzte 10° N-Br in 29° W-Lg am 7. Mai, 20° N-Br in
35,5° W-Lg am 14. Mai und 30° N-Br in 37,8° W-Lg am 22. Mai. Erst nördlich
von 29° N-Br frischte der noch immer aus ostnordöstlicher Richtung wehende
Wind auf und hielt in dieser Weise bis 38° N-Br iu 38,5° W-Lg hin an.
Am 26. Mai wurde 40° N-Br in 38° W-Lg gekreuzt. Während der nächst-
folgenden Tage drehte sich der Wind dann durch SE und Süd nach SW, hielt
aber aus letzterer Richtung leider nicht lange an. In 48° N-Br und 22° W-Lg
getzte wieder stürmischer NE-Wind ein, und erst der auf diesen folgende West-
wind geleitete die Bark in die Nähe des Kanals. Am 10. Juni befand man sich
in Sicht der Scilly-Inseln und ankerte am nächsten Tage auf der dortigen
Rhede von St. Mary, nach einer Reise, deren Dauer von der Bali-Strasse ab
141 Tage betrug. Auf dieser Reise waren auf der Strecke zwischen:
der Bali-Strasse und 30° S-Br im In-
dischen Ocean. .. . . . . . 4660 Sm in 42,6 Tagen mit 4,5 Knoten
30° S-Br im Indischen Ocean und 30° ;
S-Br im Atlautischen Ocean. . . 2170 „ „23,4 „ » 3,9 »
30° S-Br im Atlantischen Ocean und
der Linie . 2. .0.0.0.0.00. 0. 2451 „244 „ „n„42 »
der Linie und den Scilly-Inseln . . 3962 „ „ 51,6 „359 »
mittlerer Fahrt zurückgelegt worden.
Es darf wohl behauptet werden, dass dieser ungenügende Fortgang zum
grössten Theil eine Folge der mehr und mehr abnehmenden Segelfähigkeit des
eisernen Schiffes war.
10. Reise der Bremer Bark „Merkur“, Kapt. J. F. M. de Haan.
Am 2, Dezember 1878 ging der nach der Tybee-Rhede bestimmte „Merkur“
von der Weser aus in See. Bei anhaltendem, günstigem Winde aus SE wurden
Nordsee und Kanal durchsegelt und am 7. Dezember der Meridian von Lizard
passirt. Ein stürmischer Nordwind führte von hier aus das zum Passatgebiete
steuernde Schiff rasch nach Süden, es wurde 40° N-Br in 20,5° W-Lg am 12. De-
zember erreicht, und schon am 15. Dezember befand man sich in 35° N-Br;
jetzt lief der Wind, der sich vorher von Nord nach Ost gedreht hatte, durch
Süd nach SW und machte jeden raschen Fortschritt des Schiffes unmöglich.
Am 21. Dezember erreichte „Merkur“ 30° N-Br in 27,2° W-Lg. Auch südlich
von dieser Breite wehte für längere Zeit noch stürmischer Westwind, derselbe
drehte sich indessen allmählich und ging ohne Unterbrechung von Windstillen
in etwa 24° N-Br und 25,5° W-Lg in den Passat über. Die Stärke des Passats
wär nicht bedeutend, doch wehte er beständig und bewirkte deshalb eine ziem-
lich rasche Fahrt nach Westen, Auf derselben wurde als südlichster Punkt
22,4° N-Br in 39° W-Lg angelaufen und 30° W-Lg in 23,2° N-Br am 27. December
und 60° W-Lg in 24,2° N-Br am 10. Januar 1879 geschnitten. Als wieder nörd-
licher gesegelt wurde, verliess man am 12. Januar in 25,2° N-Br und 65° W-Lg
das Passatgebiet und hatte dann längere Zeit mit Stillen und Mallung, zuweilen
auch mit heftigen Gegenwinden zu kämpfen, bevor 30° N-Br in 78° W-Lg erreicht
wurde, Am 28. Januar erhielt „Merkur“ einen Savannah-Lootsen, unter dessen
Führung am nächsten Tage, nach 53tägiger Reise von Lizard ab, der Bestim-
mungsplatz erreicht wurde,
Auf der Rhede von Tybee erhielt „Merkur“ Ordre, nach Charleston zu
versegeln; die Reise nach diesem Platze wurde am 13. Februar ‚angetreten und
am 19. Februar vollendet.
Von Charleston aus, wo das Schiff mit Baumwolle nur theilweise beladen
worden war, trat es am 24. April die Heimreise nach Bremen an. Dieselbe
verlief in langsamer Fahrt. Zwar war der östliche Wind, den man am ersten
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