accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 7 (1879)

ZOO 
wollen, !) so ist für die Nachmittagsbeobachtung weniger Ursache zu einem 
Verdacht vorhanden, und erscheint, da andere sogleich zu nennende Beob- 
achtungen dieselbe bestätigen, die Annahme nicht unzulässig, dass die Temperatur- 
differenz gegen Mittag sich 1°C. pro 100m nähere, wenn sie gleich dieses, dem 
indifferenten Gleichgewicht in einer trockenen Atmosphäre entsprechende Maass 
gewiss nicht im Durchschnitt übersteigen kann. 
Dove giebt in seiner fünften Abhandlung über die unperiodischen Ver- 
änderungen der Temperaturvertheilung auf der Oberfläche der Erde (pag. 170) 
drei Beobachtungsreihen über die Temperatur von St, Helena aus dem Jahre 1824 
wieder, welche aus Freycinet, „Voyage autour du monde“, stammen und in 
ReEaumur-Graden ausgedrückt sein sollen. Das Jahresmittel ist für Jamestown 
19,85, Plantation House 16,06, Longwood 15,34; für Plantation House sind mir 
keine sonstigen Beobachtungen bekannt, und finde ich auch keine Angabe über 
dessen Seehöhe; für die beiden anderen Stationen sind aber diese Werthe, 
welche in Centigraden 24,2° und 19,2° sein würden, gewiss zu hoch, während 
sie, wenn man sie als °C. annimmt, zu niedrig erscheinen; die Differenz von 
4° oder 5°C. zwischen beiden Orten entspricht dagegen den späteren Boob- 
achtungen sehr gut. Es ist mir nicht gelungen, im Reisewerke von Freyeinet 
diese Zahlen, oder irgend welche anderen Angaben über St. Helena aufzufinden, 
30 dass ich ein Versehen im Citat vermuthe. 
Etwas geringer ergiebt sich die Temperaturabnahme aus gleichzeitigen 
stündlichen Beobachtungen, welche durch 24 Stunden am 2. Mai 1844 am 
Meeresufer und am Observatorium angestellt wurden, in beiden Fällen unter 
möglichster Herstellung der nöthigen Lufteirkulation und gleichzeitigen Freiheit 
von Strahlung, nämlich 7,07° F. — 3,93° C. auf 538m, was 0,73° C. auf 
100m giebt. 
In einem Aufsatz „Ueber die Wärmeabnahme mit der Höhe im asiatischen 
Monsungebiet“ (Sitz.-Ber, d. Wiener Akad. XLVII, 2. Abth.,, April 1873) hat 
Herr Dr. Hann an den Beobachtungen von der Insel Hongkong, von Ceylon 
und den Nilgiris nachgewiesen, dass in den Tropen diese Abnahme auf der 
Leeseite eines Gebirges durchschnittlich 0,80° C. auf 100m beträgt — zu 
Hongkong im Juni und Juli sogar einen vollen Grad, während sie auf der Luv- 
seite durchschnittlich nur 0,55° C. ist. Diese Verschiedenheit hat Dr. Hann 
schon früher (1868) dadurch erklärt, dass beim Aufsteigen feuchter Luft deren 
Erkaltung durch die Kondensationswärme des in ihr enthaltenen Wasserdampfs 
verlangsamt wird, während deren Erwärmung beim Absteigen, wenn sie nicht 
Wasser in fester oder flüssiger Form enthält, einfach nach dem Gesctze der 
Temperaturänderung eines absoluten Gases bei zunehmendem Drucke sich voll- 
zieht. Die rasche Temperaturabnahme auf der NW-Seite von St, Helena kann 
als ein weiteres Beispiel dieser Erscheinung gelten, da dieser Abhang zu 
allen Jahreszeiten die Leeseite der Insel bildet; in der That zeigt sich der 
Temperaturunterschied zwischen Longwood und Jamestown in der Jahreshälfte 
am grössten, wo der SE-Passat am frischesten weht und die seltensten Unter- 
brechungen zeigt. 
Die jährliche Schwankung der Temperatur ist gering, aber sehr regel- 
mässig ausgebildet; die Periode entspricht derjenigen der übrigen tropischen 
Stationen am Südatlantic, doch treten die Wendepunkte noch mehr verspätet 
ein, als in Chinchozo, Pernambuco und Rio Janeiro, dagegen früher als auf 
Ascension; das jährliche Minimum, das auf St. Helena weniger verspätet, als das 
Maximum, tritt auf Ascension erst Ende September ein. 
Die ausserordentliche Regelmässigkeit des tropischen Klimas, verglichen 
mit jenem unserer Breiten, spiegelt sich in der überraschend geringen Ab- 
weichung der Temperatur und des Barometerstandes der einzelnen Jahrgänge 
vom mehrjährigen Mittel ab. Folgendes waren diese Abweichungen nach den 
Beobachtungen des Observatoriums in Fahrenheit-Graden, und das Mittel 
derselben, ohne Rücksicht auf das Zeichen, in °F. und Centigraden: 
') Nach den Beobachtungen des Observatoriums sollte 9b a, m. nur um + 0,7° F,, 31/ah p. m. 
um -} 2,8° F. vom Tagesmittel abweichen, während diese Mittel an der unteren Station um +3,0° E, 
und -|- 3,6° F. vom Mittel der Extreme abweichen, welches sich aus denselben 11/2 Jahren ergiebt; 
das tägliche Temperaturmaximum war in dieser Zeit im Jahresmittel 75,2° F.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.