502
angenehme, tropisch gleichmässige Temperatur. Schatten ist stets in irgend
einem Theile der Insel zu finden, denn die tiefen Schluchten sind mehr oder
weniger vor den Sonnenstrahlen geschützt durch die hohen Hügel, welche sie
einschliessen.“
In Mr. Webster’s Beschreibung wird über das Wetter zu St. Helena
Folgendes gesagt:
„Im Januar fallen einige leichte Regen, aber die Weideländereien sind
vertrocknet. Im Februar kommen plötzliche und starke Regenschauer häufig
vor. Im März walten starke andauernde Regen vor und beträgt die Tempe-
ratur auf dem Lande 72° F, (22° C.) in der Stadt 85° (29° C.). Im April
dauern die Regen fort, aber leichter als im März. Mai ist der letzte Herbst-
monat, und Juni der erste Wintermonat; einige leichto Schauer fallen gegen
das Ende desselben. ‚Juli ist die Mitte des Winters (vgl. indessen unten die
Tabellen), wo alle Vegetation stillsteht (?). August ist der letzte und kälteste
Wintermonat; das Thermometer zeigt dann 54° F. (12° C.) auf dem Lande und
68° (20° C.) in der Stadt. Mit September beginnt der Frühling, und im Ok-
tober ist die Schafschur beendigt. November und Dezember sind die Monate
der Heuernte, was anomal erscheint in einem tropischen Klima. Am Kap der
guten Hoffnung sind die Pfirsiche im Dezember reif, während sie hier mehr
als einen Monat später nur noch die halbe Grösse erreicht haben; Pfirsiche
und Granatäpfel reifen nicht vor April. Dieses wird hervorgehoben als ein
Beweis des Temperaturunterschieds zwischen Inseln und Festländern. —
St. Helena ist im Herzen des SE-Passats gelegen, welcher hier nahezu das ganze
Jahr hindurch weht. Da die Schiffe vor Jamestown ankern, so sind sie durch
das Land vor der Stärke dieses Windes geschützt. Westliche oder nördliche
Winde wehen selten mit solcher Stärke oder Dauer, dass sie den Schiffen auf
dieser Rhede gefährlich werden könnten.“
Ueber die Wirkung des Klimas St. Helena’s auf die Gesundheit der Be-
wohner bringen Rosser & Imray einander völlig widersprechende Angaben bei.
Nach dieser allgemeinen Orientirung gehen wir zur Betrachtung der beiden
Beobachtungsserien und ihrer Resultate über.
Die Beobachtungen des magnetisch-meteorologischen Observatoriums sind
in zwei Folio-Bänden unter der Redaktion des Generals Sabine herausgegeben
auf Kosten der britischen Regierung in den Jahren 1847 und 1860. *) In dem
orsten Bande sind die meteorologischen Beobachtungen der Jahre 1840—43
and die Mittelwerthe der Aufzeichnungen von 1840—45 publicirt und discutirt,
in dem zweiten Bande sind nur die magnetischen Elemente eingehend behandelt,
von den meteorologischen Beobachtungen dagegen die Jahrgänge 1844—47 ohne
Diskussion veröffentlicht. Die Monatsmittel des Luftdrucks, der Temperatur,
der Dunstspannung und der relativen Feuchtigkeit, sowie die Regenmengen,
habe ich für die ganze 7jährige Beobachtungsreihe September 1840 bis Juli 1847
vereinigt; für die tägliche Schwankung dieser Elemente hingegen, so wie für
die Anemometerangaben beschränke ich mich auf das im ersten Bande Gegebene,
da von den letzteren keine Mittelwerthe im zweiten Bande sich finden. Ferner
habe ich gesucht, aus dem als „Meteorological Journal“ überschriebenen Theile
der Publikation die Zahl der Tage mit Regen zu ermitteln, wofür sich indessen
nur das im zweiten Bande enthaltene Journal für’ 1844—47 als einigermaassen
geeignet erwies. Die Bewölkung ist zwar für vier Termine täglich in dem
publicirten Journal angegeben, allein es sind keinerlei Mittelwerthe derselben
verechnet, so dass ich von der Berücksichtigung dieses Elementes abstehen
musste.
Das Personal des Observatoriums wurde von der königlichen Artillerie
gestellt und bestand aus einem Lieutenant als Direktor, einem Korporal und
drei Artilleristen; die Leitung ging von Lieut. Lefroy, der 1842 zum Direktor
des Observatoriums in Toronto ernannt wurde, auf Licut. Smythe und 1847
auf Lieut. Strange über.
Die Beobachtungen wurden theils stündlich, theils zweistündlich ausgeführt,
mit Ausnahme der Sonntage, an welchen während 24 Stunden die Beobachtungen
4) „Observations made at the magnetical and meteorological Observatory at St, Helena,
Printed by order of Her Majestys Government, under the superintendence of Lieut.-Colonel (1847,
Major-General 1860) Edward Sabine, of the Royal Artillery, London: published for Her Majestys
Stationery Office, by Longman, Brown, Green and Longmans, Vol. I. 1847, Vol. II. 1860,