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der kleinsten Quadrate denjenigen Punkt als den wahrscheinlichsten Schifsort
zu bestimmen vorschlägt, für welchen die Summe der Quadrate der Abstände
von den verschiedenen Sumner’schen Linien ein Minimum ist. Auch ist darüber
ein Uebungsbeispiel (a. a. O. pag. 180) .vom 2. August 1875 mitgetheilt, indem
bei einer Reise im Nordatlantischen Meere 6 Eleven auf der Fregate-Ecole
d’application „da Renommee“ gleichzeitig 6 Sternhöhen beobachteten, welche
also 6 Sumner’sche Linien lieferten, die freilich, weit entfernt sich in einem
Punkte zu schneiden, Höhenfehler erkennen lassen, welche bis auf einen Viertel-
grad steigen, weil auch der Horizont nur mangelhaft sichtbar gewesen sein soll.
Nichtsdestoweniger stimmte der hieraus berechnete wahrscheinlichste Ort des
Schiffes noch recht gut mit dem, nach der gewöhnlichen Schiffsrechnung ausser-
dem sicherer bekannten Orte überein.
. Aber abgesehen von solchen Erweiterungen, zu denen die Sumner’sche
Methode schliesslich geführt hat, ist es für die Navigation, wo es sich gewöhn-
lich nur um schnell ausführbare Bestimmungen von rasch wechselnden Positionen
handelt, zunächst von weit grösserer praktischer Wichtigkeit, nur den Gesichts-
punkt festzuhalten, von welchem Sumner ausging, als er im Jahre 1843 die
Veröffentlichung seiner Methode mit den Worten einleitete:
„It is not so much the object of this work to present the navigator with
a new method of „double altitudes“, as to afford him an accurate method of
finding by one altitude of the sun, taken at any hour of the day, with the
chronometer time, the true bearing of the land, when the latitude, longitude
and time at the ship, are from any cause uncertain.“
Wenn die Sumner’sche Methode, besonders in dieser Beziehung, auch
jetzt noch lange nicht allgemein genug bekannt und angewandt worden ist, zum
Theil vielleicht deshalb, weil eine Kenntniss derselben bei den Prüfungen in der
Navigation bisher nicht verlangt wurde, so lässt sich doch für die Zukunft ihre
berechtigte allgemeine Einführung nicht bezweifeln.
Von einzelnen vorgekommenen praktischen Anwendungen möge hier
schliesslich noch ein Fall mit viel grösserer Zwischenzeit, als bei Sumner,')
angeführt werden, nämlich die Ansegelung von Valparaiso im Jahre 1875 von
S.M.S. „Arcona“, Kommandant Kapt. z. See Freiherr von Reibnitz. Damals
war sogar während einer 54tägigen Reise seit dem letzten Hafen (San Francisco)
keine absolute Chronometer-Kontrolle möglich gewesen, und nebeliges Wetter
herrschte vor; dennoch bewährte sich die schliesslich aus einer Sonnenhöhe
erhaltene Sumner’sche Linie auch hier wieder aufs beste.?) Um so mehr
empfiehlt der Kommandant, welcher schon seit langer Zeit die Sumner’sche
Methode beim Unterrichte hervorgehoben hatte, und in eigener Ausübung viel-
fach (selbst mit Heranziehung von Mondhöhen) benutzte, die Anwendung dieses
Verfahrens bei kürzeren Reisen, wo das Chronometer noch eine grössere
Zuverlässigkeit besitzt, also auch für Handelsschiffe, die gewöhnlich nur mit
einem einzigen Chronometer versehen sind.
1) Bei Sumner waren nach der obigen Beschreibung weniger als 19 Tage Zwischenzeit seit
der letzten Chronometervergleichung.,
2) „Es kann hier noch der folgende sehr bemerkenswerthe Fall angeführt werden, welcher
zeigt, ein wie ausgezeichnetes Hülfsmittel die Anwendung der Sumner-Methode dem Navigateur
zuweilen bietet,
S.M.S. „Gazelle“ hatte den Auftrag, auf ihrer Rückreise von den Samoa-Inseln im Beginn
des Jahres 1876 ihre Fahrt durch die Magellan - Strasse zu nehmen, Bekanntlich ist das Anlaufen
der Strasse von Westen aus ein sehr gefährliches wegen der zahlreichen Klippen, welche auf beiden
Seiten der Strasse liegen, und in Folge des hier fast ohne Ausnahme sehr dicken Wetters bei be-
ständigem Weststurm. Aus diesem Grunde pflegen die ostwärts bestimmten Schiffe es vorzuziehen,
den Weg um Kap Horn zu nehmen, wie auch S, M.S. „Arcona“ auf der im Texte erwähnten Reise
den Versuch, in die Magellan-Strasse einzulaufen, dieser Umstände wegen aufgab. S.M.S. „Gazelle“
befand sich am 30. Januar Mittags noch ca 200 Sm von Kap Pillar, Die Fahrt wurde bei stürmischem
Westwinde so geregelt, dass das Schiff erst nach dem Mittag des folgenden Tages vor der Strasse
sein konnte, in der Hoffnung, am 1. Februar noch eine Mittagsobservation zu erhalten. Diese Hoff-
nung schlug indessen in Folge des dicken und immer schlechter werdenden Wetters fehl, Dagegen
wurde: am frühen Morgen und um 1 Uhr Nachmittags des 1. Februar bei fast ununterbrochenem
Regen eine einzelne Sonnenhöhe erhalten und zu einer Sumner-Methode benutzt. Auf diese hin
wurde in die Strasse mit völliger Sicherheit eingesegelt, die Lvangelistas, welche nach einer schweren
Bö nur auf 2 bis 3 Minuten in Sicht kamen, rekognoscirt und erst in der Strasse selbst, behufs
Aufsuchens eines Ankerplatzes für die Nacht, Dampf aufgemacht.“ Anm. d. Hydr, Bureau.