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bis 4,6m Wasser und schieferfarbiger Schlammgrund, und in dem nach dem
Hafen führenden Fahrwasser sind 6,4 bis 3,7m Wasser. Beim KEinsegeln erblickt
man an der Ostseite des Hafens einen zuckerhutförmigen Berg und an der West-
seite steigt das Land terrassenförmig auf. Das Einzige, was man in diesem
Hafen an Proviant und Erfrischungen erhalten kann, ist frisches Wasser und
Brennholz.
Die geographische Lage der westlichen Einfahrtsspitze ist 20° 1‘ 59“ N-Br
und 74° 53‘ 30“ W-Lg.
2. Neue Hafenanlagen in Singapore. Nach einem Bericht des
Deutschen Konsulats in Singapore hat die „Tanjong Pagar Dock Company“
daselbst neben ihrem 137m langen, etwa 1 englische Meile von der Stadt
entfernt liegenden Victoria-Dock noch ein neues Trockendock bauen lassen.
Dasselbe ist im April d. J. vollendet und unter dem Namen Albert-Dock er-
öffnet worden, Dieses Dock ist auf schlammigem Boden aus Coment, mit einer
Einfassung aus Granit, erbaut, ist ca 143m lang, am Eingange 18,3m breit und
hat bei mittlerer Wasserhöhe eine Tiefe von 6,4m.
Wiewohl die seit geraumer Zeit anhaltende Stagnation des Handels wie
im ganzen Osten, so auch hier am Platze sich fühlbar macht, so hat nichts-
destoweniger der Schiffsverkehr im hiesigen Hafen stets zugenommen, Als
Beweis hierfür darf die auf der „Tanjong Pagar“-Werft entfaltete Thätigkeit
dienen. .
Während des letzten Jahres wurde die Werft, welche gleichzeitig ungefähr
20 Schiffe aufzunehmen vermag, von nicht weniger als 541 Dampfern mit einem
Tonnengehalt von 639081 tons und 91 Segelschiffen von 72 625 tons benutzt,
An Ladung wurden im Jahre 1878 an der Werft gelöscht: 85477 tons Kohlen,
82 100 tons Waaren und 5570 tons Opium, zusammen 173 147 tons. Verschifft
wurden: 64175 tons gemischte Ladung, ausserdem 1851 Kisten Opium; von
Dampfern wurden 106 957 tons Kohlen eingenommen.
Ein im Jahre 1877 stattgefundener Brand, der, nebenbei erwähnt, von
den an der Werft lagernden Steinkohlen ca 40000 tons zerstörte, hatte
mancherlei wesentliche Verbesserungen zur Folge. Die Kohlenschuppen, welche
ca 65000 tons Kohlen aufnehmen können, wurden mit massiven Pfeilern auf-
geführt und mit Ziegeldächern versehen. Für das Löschen und Laden sind die
vollkommensten Vorrichtungen vorhanden. Als Beispiel, wie prompt das Ein-
nehmen von Kohlen, Dank der Vortrefflichkeit der getroffenen Einrichtungen
und der grossen Zahl der stets bereiten Arbeiter, bewerkstelligt werden kann,
mag angeführt werden, dass im letzten Jahre, während der Theesaison, wo es
gilt, die von China durchpassirenden Dampfer möglichst rasch zu expediren,
ein Dampfer in dem Zeitraum von vier Stunden mit 800 tons Kohlen ver-
sehen wurde.
Unmittelbar an die Werft stossen die grossen Lagerschuppen, in denen
bis zu 25000 Tons Waaren aufgespeichert werden können. Diese Lagerräume
sind durch einen Telegraph mit der Stadt verbunden. In den Maschinen-
Werkstätten der Kompagnie, in denen eine bedeutende Anzahl von Europäern
und viele Hunderte von Eingeborenen beschäftigt sind, werden alle, auch die
schwierigsten Arbeiten ausgeführt.
Bei dem Mangel eines geeigneten Docks in Batavia sind es hauptsächlich
die an der Küste von Atjeh (Atchin) sationirten Kriegsschiffe, welche die
„Tanjong Pagar“-Werft zur Ausführung von Reparaturen viel benutzen.
Das ganze Jahr hindurch liegen ein oder auch zwei solcher Kriegsschiffe,
deren Mannschaften für die Dauer der Reparatur-Arbeiten in eigens dazu her-
gerichteten Räumen untergebracht werden, im Dock,
Gedruckt und in Kommission bei E. S. Mittler & Sohn,
Königliche Hofbuchhandlung.
Kochstrasse 69/70.