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SW-Wind wehte und fortwährender Regen aslrouomische Beobachtungen un-
möglich machte. tn ;
An dem erreichten Orte, 17° 20‘ S-Br und 38° 40‘ O-Ly, setzte der
Strom Jängs der. Küste nach NE mit 4 bis 5 Knoten Fahrt.) Da auch eine
hohe SW-Seo stand, so hatte ich grosse Mühe, vom Lande frei und aus der
Strömung zu kommen. Zum Aufkreuzen einer Entfernung von etwa 100 Sın
gebrauchte ich 4 Tage und es golang mir nur, indem ich im letzten Etmal, als
90 Sm. Abstand von der Küste gewonnen worden waren, durch den Strom
60 Sm nach Süden versetzt wurde.
Am Mittage des 27. hatte ich gute Beobachtungen, setzte meinen Kurs
auf Tangalane Point, deren Flaggenstange ich eher in Sicht bokam, als das
sehr niedrige Land, und ankerte um 3" p. m. mit der Flaggenstange in der
Kompasspeilung Nord etwa 5 Sm entfernt auf 6 bis 7. Faden Wasser.
‚Das Einsegeln geschieht nur bei guter Seebrise. Man halte dabei die
orwähnte Flaggeustange in N!/2O und achte auf den Strom, welcher mit der
Fluth nach West, mit der Ebbe nach Ost, also in beiden Fällen quer zum
Kurse setzt.
Hat man sich der Flaggenstange in der Peilung N'AO auf etwa 1% Sın
genähert, so kann man schon ankern, wenn es sein muss.‘ Es lag hier zur Zeit
eine schwarze Tonne. Da sie oftmals vertreibt, so ist sie als Marke nur un-
zuverlässig.
Wenn man beim Weitersegeln die Flaggenstange in die Peilung Ost ge-
bracht hat, so verändere man den Kurs nach West. Man wird alsdann cine
rothe Tonne in Sicht bekommen, diese lasse man an, B. B. liegen und steuere
jetzt auf die gerade voraus befindliche Cylinder-Bake zu.
Auch hier setzt der Strom quer durch das Fahrwasser und über die an
der St. B.-Seite gelegene Bank, und um dieser Strömung zu begegnen, muss
man je nach der Stärke des Windes 2 bis 3'/ Strich höher steuern, als den
direkten Kurs. Das Fahrwasser ist hier '/4 Sm breit; am besten hält man sich
an der Südseite desselben.
Die Cylinder-Bake umsegele man im kurzen Bogen in einer Schifislänge
Abstand, halte nun beständig das Ufer an der B. B.-Seite, bis man am jenseitigen
Ufer dio Stadt erblickt. Alsdann steuere man auf dieselbe zu, lasse bei der
zweiten Brücke den Anker fallen und vertäue das Schiff,
Als Lootsensignal muss man auf der Aussenrhede eine grosse Flagge im
Vortopp gebrauchen; bei der grossen Entfernung ist die gewöhnliche kleine
Lootsenflagge nicht deutlich genug sichtbar. Der Lootse, welcher nur der
portugiesischen Sprache mächtig war, kam bei unserer Ankunft schon ausserhalb
der Barre an Bord.
Es steht zu befürchten, dass man jetzt in Quilimane keine Lootsenhülfe
mehr finden wird, denn der Mann, welcher mir als Lootse diente, kehrte zur
Zeit meiner Abfahrt nach Portugal zurück. Er war zugleich Kapitän eines
Schleppbootes. Der Lohn für das Einschleppen der „Seenymphe“ sollte
16 Lstrl. sein.
Wenn ein Lootse vorhanden ist, so ist jedes Schiff lootspflichtig. Das
Lootsgeld beträgt für ein Schiff von 225 Registertonnen: otwa 12 Lstrl. Die
sonstigen Hafenabgaben sind nur gering. ; ;
. Ausfuhrartikel sind Erdnüsse, Sesam, Wachs, Gummi und getrocknete
Kokosnüsse (Copra). W z .
Macusa. Der Ort Macusa (Mecusa) liegt an der Mündung des gleich-
namigen Flusses, 23 Sm NO von Quilimane, .
Schiffe, welche hierher bestimmt sind, thun am besten, zunächst die
Flaggenstange. auf der Spitze Tangalane zu sichten und dann auf 5 bis 6 Faden
Tiefe längs der Küste zu steuern, wobei von oben guter Ausguck gehalten
werden muss. Die Stromversetzungen sind oftmals bedeutend und sehr unregel-
mässig, und bei der Gleichförmigkeit und geringen Höhe der Küste hält cs
schwer, das Land auszumachen.
1) In einer späteren Mittheilung über die Reisen in den ostafrikanischen Gewässern werden
die an Bord von „Seenymphe“ und „Amanda & Elisabeth“ beobachteten Strömungen zur eingehenden
Besprechung gelangen.