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Verhältnisse der genannten Häfen verdienen umsomehr Beachtung, als dem
einen Berichterstatter, Kapitän Föh, eine Erfahrung von zwanzig Jahren. als
Schiffsführer in den ostafrikanischen Gewässern zur Seite steht.
Da Schiffe nicht immer die allerneuesten Karten und Segelhandbücher
führen, so erscheint es angezeigt, hier darauf hinzuweisen, dass zufolge der
neuesten Ausgabe des „Afrika Pilot“ (Third Edition, 1878, Part. III) die be-
richtigte Länge vom englischen Konsulat in Zanzibar 39° 11‘11” Ost ist. Vor
den in den Jahren 1874 bis 1877 an Bord I. Br. M, Schiffe „Shearwater“ und
„Fawn“ ausgeführten Messungen wurde die Länge dieses Punktes zu 39° 14’ 22“
Ost‘ angenommen. !) Zanzibar ist der Basispunkt für die Längenbestimmung
aller Küstenpunkte zwischen Delagoa Bay (diese ausgeschlossen) und Kisimayu
(0° 23‘ S-Br), und der Inseln im Kanal von Mozambique, welche Punkte also
insgesammt durch die Berichtigung der Länge von Zameiber um reichlich 3‘
nach Westen verschoben werden, .
Nach neuesten Angaben liegen die im Folgenden erwähnten wichtigsten
Küstenpunkte: . .
Mafia, Rds Kisimani, in. , . 44 7° 56‘ 23“ S-Br, 39° 35‘ 32“ O-Lg,
Ibo, Fort St. Joäo, in. '. . . . ... 12° 2000” S-Br, 40° 34‘ 45“ O-Lg,
Mozambique, St. George’s Island Mitte, in 15° 2‘12“ S-Br, 40° 45‘ 30“ O-Leg,
Quilimane, Tangalane Spitze, in . . . 18° 1‘24“$S-Br, 36° 58‘ 20“ O-Lg,
Delagoa Bay, Kap Inyack, in. . . . 25° 5800“ S-Br, 33° 1‘45“ O-Lg.
Wir ‚geben zunächst die Mittheilungen des Kapitän F. Föh über Zbo,
Zanzibar und Mozambique, welche drei Plätze die „Amanda & Elisabeth“ auf
ihrer letzten Reise nach der Ostküste von Afrika im Januar, Februar und März
dieses Jahres besuchte. In diesem, wie in dem folgenden Berichte des Kapitän
D. Schierloh sind alle Kurse und Peilungen als missweisend zu verstehen.
Ibo, nächst Mozambique der bedeutendste Platz in den portugiesischen
Besitzungen an der Ostküste von Afrika, liegt auf der gleichnamigen Insel an
einem seichten Meeresarme. Derselbe erstreckt sich vom Nordwesten her in die
Insel hinein und theilt sie in zwei Halbinseln; ‚die südliche heisst Quirambo,
die nördliche bildet das eigentliche Zbo. An der Südwestecke der letzteren ist
die Stadt gelegen.
Das Fahrwasser, welches nach dem Hafen führt, den der oben erwähnte
Meeresarm bildet, hat eine Breite von 1’ 2 bis 2 Kblg und eine Tiefe von
3/4 bis 2 Faden (1,4 bis 3,6m). Es kann deshalb nur von Dhows und sonstigen
kleineren Küstenfahrzeugen benutzt werden; grössere Schiffe ankern auf der Rhede.
In /bo befindet sich ein Regierungsgebäude, Arsenal, Zollhaus und eine
Kirche, im Uebrigen besteht die Stadt aus 55 steinernen Privathäusern und
etwa 500 Hütten. Von den drei vorhandenen Forts wird nur das grösste, Fort
St. Joäo, welches im Westen der Stadt liegt, im wirksamen Zustand erhalten,
indem es mit einer Besatzung und 15 Vorderlader-Kanonen geringen Kalibers
versehen ist. Das zweite, Fort St. Jose, welches an der Strandseite gelegen
ist und vier kleine Kanonen trägt, wird zur Zeit als Zollhaus benutzt, da das
alte Zollhaus abgebrochen worden und das neue noch im Bau befindlich ist.
Das dritte, Fort St. Antonio, an der Ostseite der Stadt, ist sehr verfallen. Es
sind in demselben drei Personen untergebracht, welche die vom Leuchtthurme
bei Annäherung eines Schiffes gemachten Signale zu wiederholen haben, damit
sich die betreffenden Beamten rechtzeitig zur Schiffsvisite nach der Rhede be-
geben können.
Einschliesslich der militärischen Besatzung von 200 Mann beträgt die
Einwohnerzahl etwa 4000. Darunter sind 120 Portugiesen; die Uebrigen sind
Hindu’s, Banians, Kreolen und Neger.
Der Handel ist zum grössten Theile in den Händen von Banians, welche
hier Filialen von Zanzibar-Häusern haben. Ausser diesen sind noch zwei
Marseille-Häuser etablirt. Eingeführt werden Schiesspulver, Waffen und Baum-
wollwaaren; Ausfuhrartikel sind Elfenbein, Kautschuk, Schildpatt, Sesam, Orseille
und Kauries. Kauries gehen nur nach den Oelhäfen Westafrika’s, Die anderen
1) Nach den im Jahre 1867 ausgeführten Messungen des französischen Hydrographen Germain
ergab sich die Länge obigen Punktes zu 39° 11‘ 36“ Ost. Schon im Jahrgang 1875 dieser Annalen,
pag. 283, ist darauf hingewiesen worden, dass diese Längenbestimmung am meisten Vertrauen verdiene,