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wieder NO-Kurs gesteuert. In der Zeit von 1* Nachts bis‘ 7* Morgens am
9. März drehte der Wind langsam weiter bis WSW und flaute nach und nach
ab, bis auf Stärke 6 bis 7. Das Wetter wurde klarer, auch nahm der Seegang
bedeutend ab, so dass am Morgen des 9. März wieder alle Segel gesetzt werden
konnten.
Merkwürdig ist hierbei, dass dieser Sturm sich vorher nur durch die
sehr schwere nordöstliche Dünung ankündigte, welche ich schon am Nachmittage
des 8. März als die Sturmwelle eines Orkans ansehen zu müssen glaubte. Das
Barometer fiel zwar langsam, doch so wenig, dass dies, in Ermangelung anderer
sonst einem Orkan vorangehenden Vorboten, als tägliche Schwankung angesehen
werden konnte. Die Beschaffenheit des Himmels war eine normale, wie man
sie stets bei stark auffrischendem SE-Passat vorfindet; der Himmel war ziemlich
dicht bezogen und liess zunächst Nichts mit Sicherheit auf die Nähe eines ge-
fährlichen Sturmes schliessen, weshalb ich auch keine Veranlassung nahm, einen
Kurs zu wählen, welcher das Schiff aus dem Sturmfeld herausbrachte, obgleich
ich die event, Nothwendigkeit in ernste Erwägung gezogen hatte, da mir am
Nachmittage die Wahl noch frei stand, einen sicheren Kurs zu wählen, welcher
mich allerdings gezwungen hätte, einen Umweg von 200 Sm zu machen, während
ein Beidrehen auf meiner augenblicklichen Position wegen der Nähe von Riffen
ausgeschlossen war und ein Beibehalten des Kurses mich zwischen Riffe brachte,
wo ich durchhalten musste.
Abends um 6" am 8. März hatte das Barometer seinen niedrigsten Stand
(757,00mm) erreicht. Der Wind war zur Zeit SSE und drehte nun plötzlich
mit sehr schweren Böen über Süd nach SSW, während das Barometer langsam
zu steigen begann. Diese plötzliche Veränderung verschaffte mir nun sofort die
Ueberzeugung, dass ich es in der That mit einem Drehsturm zu thun hatte,
dessen Centrum gerade östlich vom Schiffe nicht eben sehr weit ab lag; das
schnelle Drehen des Windes nach SW klärte mich jedoch auch dahin auf, dass
die Krisis bereits vorübergegangen, und jeder Kurs, mit Ausnahme der zwischen
Süd und Ost liegenden, das Schiff vom Centrum des. Sturmes abbringen müsse.
Ich schlug daher das vorerwähnte Verfahren ein, indem ich zunächst den Bug
des Schiffes der See zugewendet hielt, um so in möglichst bequemer Lage den
weiteren Verlauf abzuwarten und dann um 11% Abends am 8, März unter
Segelmehren abzuhalten, um mich schnell von dem Centrum des Sturmfeldes
zu entfernen.“
Aus den Reiseberichten S.M.S. „Freya‘“, Korv.-Kapt. von Nostitz.”
Nachdem 8, M. S. „Freya“ vom 6. Oktober 1878 bis 3. Mai 1879 auf der
Ostasiatischen Station verweilt hatte, verliess die Korvette Hongkong am letzteren
Tage. und trat die Rückreise nach -Europa über Singapore, Anjer, Batavia und
die Kapstadt an. Ueber diesen letzten Theil der Reise hat Korv.-Kapt. v. Nostitz
nachstehenden Bericht eingesendet,. ;
Reise von Batavia bis zur Kapstadt von Mai bis Juli 1879.
„Als Route nach der Kapstadt wurde die in der Segelkarte angegebene
in der Art gewählt, dass 100° O-Lg auf ca 12° S-Br, 80° O-Lg auf 19° S-Br,
60° O-Lg auf 22° S-Br, 40° O-Lg auf 28° S-Br passirt und später die Strömung
des Agulhas-Stromes ausgenutzt werden sollte. Nach dem Verlassen der Strasse
wurde, um schnell eine südliche Breite zu gewinnen, am Winde steuernd, mit
möglichst südlichem Kurse der Passat aufgesucht. Der Wind war sehr flau.
Während an der Ostküste und in der Sunda-Strasse bei klarem und schönem
Wetter vollständige Windstille herrschte und auch vorherrschend zu sein schien,
da Segelschiffe, welche zwischen Nichaas Point und Batavia auf der Hinfahrt
passirt waren, auf der Rückfahrt noch vor der Sunda-Strasse segelnd wieder
1) S, „Ann, d. Hydr, eto.“, 1879, pag. 65.
Ann. d. Hydr., 1879, Heft IX (September).