Die Winde an der West-, Nord- und Ostküste von Sumatra.)
Von E, Mewes, Assistent der Seewarte,
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.)
Unter dem Titel „De Winden op de Kust van Atjeh“ hat das Königliche
Niederländische Meteorologische Institut vor Kurzem eine Arbeit veröffentlicht,
die von Interesse für die Kenntniss der Küsten-Meteorologie und von erheb-
lichem Werthe für die praktische Navigation in der Küstenfahrt unter Sumatra
ist. In dieser Arbeit hat das Institut zu. Utrecht, von neueren Gesichtspunkten
ausgehend, bei der Bearbeitung der Windverhältnisse eine Methode angewandt,
die von der in früheren ähnlichen Arbeiten befolgten wesentlich abweicht und
am besten durch die in der Vorrede zu dem genannten Werke gemachten Be-
merkungen erläutert wird. Herr Prof. Buys-Ballot sagt nämlich in dieser
Vorrede u. A. Folgendes:
„Es ist von Vielen die Frage aufgeworfen worden, in welcher Weise
man die auf Schiffen angestellten Windbeobachtungen eintragen solle, um der
Wahrheit so nahe als möglich zu kommen, besonders in denjenigen Gebieten,
wo eine Luftströmung vorherrschend ist, beispielsweise Ostwind, und wo die
Schiffe von Ost nach West oder auch in der entgegengesetzten Richtung fahren?
Wie soll. man die Folgen vermeiden, die daraus entstehen, dass jene Schiffe,
die den Wind entgegen haben und länger aufgehalten werden, mithin also den
Ostwind häufiger verzeichnen, während derselbe von den in entgegengesetzter
Richtung mit günstigem Winde rascher fahrenden Schiffen weit weniger notirt
wird? — Es ist dieses jedoch nicht ganz so schlimm, als es auf den ersten
Blick erscheint. Denken wir uns in einem Quadrate oder in einer Reihe ver-
bunden liegender Quadrate eine grössere Anzahl Schiffe, die bei Ostwind
Gegenwind haben (die also östlich segeln) und eine kleinere Anzahl (die west-
lich segeln) mit günstigem Winde; wenn man nun von einer bestimmten Anzahl
nach Osten segelnder Schiffe die gemachten Beobachtungen aufzeichnet und
ebenso verfährt bei einer gleichen Anzahl nach Westen segelnder Schiffe, dann
wird man bei den ersterwähnten Schiffen viel mehr Ost- als Westwinde finden,
auch selbst dann, wenn inzwischen eben so häufig Ost- als Westwinde geweht
haben, und umgekehrt mehr West- als Ostwinde bei den nach Westen ‚bestimmten
Schiffen. In solchem Falle wird, da die Schiffe nach beiden Richtungen fahren,
das von den Schiffen beider Richtungen zusammen erlangte Verhältniss sich
nicht so sehr von der Wahrheit entfernen,
Schwieriger ist die Lösung, wenn nur ostwärts .bestimmte Schiffe allein
und keine nach Westen segelnden diese Quadrate mit vorherrschend östlichen
Winden passiren. Es. scheint, dass dann das gefundene Uebergewicht sicher
viel grösser ausfällt, als es in Wirklichkeit ist. Ein Schiff, welches zum Zurück-
legen einer Distanz bei konträrem Winde 5 bis 6 Mal so lange Zeit gebraucht,
als ein anderes, welches dieselbe Strecke mit günstigem Winde durchsegelt,
wird auch 5 bis 6 Mal häufigere Beobachtungen liefern, woraus man schliessen
könnte, dass man nur Gegenwinde haben würde. Wir glauben jedoch, dass man
den auf diese Weise entstehenden Ungenauigkeiten gewöhnlich eine zu grosse
) Vgl. „Ann. d. Hydr. etc.“, 1879, pag. 186 und 426.
Ann. d. Hydr.. 1879, Heft IX (September).