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Vergleichende Uebersicht der Witterung des Monats Mai 1879
in Nordamerika und Centraleuropa.
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.)
Nach der „Monthly Weather Review“ des „Signal Office“ in Washington
und der von der Deutschen Seewarte herausgegebenen Uebersicht der Witterung,
stellen wir im Folgenden die Hauptzüge im Witterungscharakter des Monats
Mai 1879 in Nordamerika und Centraleuropa einander gegenüber.
Centraleuropa.
1. Unregelmässige Bahnen der
barometrischen Minima, welche in
allen Theilen Europa’s sich zeigten,
und deren einige Centraleuropa von
Süd nach Nord oder von SW nach
NE durchschritten, während die von
Westen herankommenden über der
Nordsee oder deren Umgebung sich
ausglichen, so wie wiederholtes Auf-
treten barometrischer Minima in un-
regelmässigen Gruppen; am bemerkens-
werthesten war die am 25.—28. von
Nordafrika nach der Nordsee fort-
schreitende Depression, die in Deutsch-
land von schweren Gewittern beglei-
tet war.
2. Das allgemein, ausser an der
Golfküste und am mittleren Missouri,
zu hohe Monatsmittel des Luftdrucks,
welches an der atlantischen und pacif-
schen Küste am höchsten (ca 764mm),
am Ostabhange des Felsengebirges
am tiefsten (ca 758mm) war. Die
Schwankungen des Barometers waren
vergleichsweise gering.
3. Das Vorherrschen südlicher
Winde im Nordosten und auf dem
Gebiete zwischen Mississippi und dem
Felsengebirge, nordöstlicher in den
südlichen atlantischen Staaten; das
(schon erwähnte) Auftreten von Tor-
nados, denen viele Menschenleben zum
Opfer fielen, in den letzten Tagen,
und die ausserordentlichen Wind-
geschwindigkeiten von 48m p. Sek.
am 12. aus NE auf dem Pike’s Peak
(höchste seit 1875 dort gemessene)
und von 60m p. Sek. am 27. aus NW
auf dem Mt. Washington.
4. Die östlich der Felsengebirge
mit Ausnahme von Florida überall
rolativ hohe Temperatur des Monats.
Die Abweichungen derselben von der
normalen betrugen:
2. Das im Nordwesten etwas
über, im Südosten etwas unter dem
normalen liegende Monatsmittel des
Luftdrucks, welches am Westrande
desGebiets am höchsten (ca 762!/2 mm),
am Nordost- bis Südostrande desselben
amtiefsten (ca 760mm) war. Bemerkens-
werth war die ausserordentliche Ab-
nahme des Luftdrucks vom 5. zum 6.
im Norden des Gebiets, unter Ver-
hältnissen, welche jenen vom 7,—8.
Oktober 1877 ganz analom waren.
3. Das entschiedene Vorherrschen
nördlicher, grösstentheils schwacher
Winde im ganzen Gebiet und in allen
drei Dekaden; orhebliche Stürme
kamen nicht vor, und erreichte die
Windstärke an der deutschen Küste
nur stellenweise auf kurze Zeit 15m
p. Sek,
4. Die damit zusammenhängende
sehr niedrige Temperatur des Monats
im mittleren und vor Allem im süd-
lichen Theile des Gebiets. Die Ab-
weichungen der mittleren Temperatur