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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 7 (1879)

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Ankerplatz zu gelangen, der vorher vom Hafenmeister bestimmt wird, Das 
Schiff wurde vertäut mit 82m Ebbeanker und 55m Fluthanker mit Morings- 
schäkel auf 10m Wasser, Schlammgrund. Es lag so % Sm vom Lande und 
etwas über 1 Sm vom Landungsplatz ab. Während des NE-Monsuns liegt 
man so hinreichend sicher. Der Wind ist von November bis März so gering, 
dass keine Gefahr vorhanden ist. Der Strom wurde nach dem Logg nicht 
über 2 bis 3 Sm während des Neumondes gefunden. Im SW-Monsun, von 
Mai bis Oktober, sind die Verhältnisse anders. Es steht dann viel See in 
den Hafen, und ist das Wasser höher, der Strom stärker, wie während der 
sogenannten guten Jahreszeit, Es ist dann auch beim Ansegeln und beim 
Ankern mehr Vorsicht geboten. Die Luft ist weniger klar und bis vor den 
Hafen hohe See. Lootsen sind dann erst im Eingang zu haben, während 
im NE-Monsun meistens ein Schoner ca 2 Sm ausserhalb zu Anker liegt. 
Der Hafen ist inwendig gut mit Feuern versehen, und für den, mit den dortigen 
Verhältnissen vertrauten Seemann ist es leicht, bei Nacht einzusegeln.“ 
„Klima. Ueber das Klima Bombay’s und die dortigen Gesundheits- 
verhältnisse theile ich nach dem „Annual Report of the Municipal Commissioner 
of Bombay“ nachstehende Angaben mit. Das Klima ist im Wesentlichen bedingt 
durch den Monsun. Im Jahresdurchschnitt betrug die Temperatur (1876) 26,6° C, 
der Regenfall 1497mm, vertheilt auf 83 Tage; doch soll die durchschnittliche 
Regenmenge in den meisten Jahren ungefähr 2000mm befragen. Die verschie- 
denen. Monate sind hierbei sehr ungleich vertheilt, Während der kalten Zeit, 
unter der Herrschaft des NE-Monsuns, von Oktober bis Ende März, ist die 
Regenmenge fast gleich Null, die Durchschnittstemperatur 25,7° C, die mittlere 
tägliche Schwankung 6,3° C. Auf die heisse Zeit des SW-Monsuns, von Anfang 
Juni bis September, kommt fast die ganze übrige Regenmenge; die Durch- 
schnittstemperatur beträgt zu dieser Zeit 28,1° C, die mittlere tägliche Schwan- 
kung nur 3,7° C. 
Die Gesundheitsverhältnisse Bombay’s, welche im vorigen Jahrhundert 
noch ausserordentlich ungünstig waren, haben sich in Folge der vortrefflichen 
und durchgreifenden sanitären Maassregeln der städtischen Verwaltung soweit 
gebessert, dass sie als gute betrachtet werden können.“ 
„Stadt und Bevölkerung. Die Stadt liegt auf einer grösstentheils 
flachen, ursprünglich sumpfigen Insel, deren Boden aber jetzt überall gut 
drainirt ist. Die Reinhaltung der Strassen und Plätze ist vorzüglich. Die 
Wasserversorgung‘ geschieht durch zwei grosse Leitungen, welche das Wasser 
zweier Seen, des Vehar und des Tulsi Lake aus einer Entfernung von 15 engl. 
Meilen nach der Stadt führen, und auf den Kopf der Bevölkerung etwa 18 bis 
19 Gallonen Wasser pro Tag liefern. Ausserdem sind vielfach Brunnen im 
Gebrauch, jedoch ist das Wasser derselben nicht zum Trinken geeignet und hat 
mehrfach Krankheiten hervorgerufen. Das Leitungswasser ist gut, doch hat 
Undichtigkeit der Röhren auch hier öfters zu Klagen über Verunreinigung 
Veranlassung gegeben. 
Die Bevölkerung der Stadt betrug 1876 (alle Zahlenangaben sind nach 
den officiellen Quellen gemacht und beziehen sich auf das Jahr 1876, da in Folge 
der Hungersnoth das Jahr 1877 durchaus anomale Verhältnisse zeigt, und die 
Zahlen für 1878 noch nicht veröffentlicht sind) 415946 männliche und 254 624 
weibliche Personen, mithin in Summa 670 570 Personen auf 22 englische Quadrat- 
meilen. Hiervon kommen auf die einzelnen Bevölkerungsklassen: 36 134 Christen 
(8000 Europäer und die sogenannten Portugiesen), 143 232 Muhamedaner, 441 010 
Hindus, 50194 andere Klassen (meist Parsi). . 
Zur Zeit.der Anwesenheit der „ZLwise“ befanden sich nur ca 25 Deutsche, 
40 Oesterreicher und einige deutsche Schweizer in Calcutta; fast alle sind hier 
in englischen Handlungshäusern placirt. 
Die Hafen- und Werfteinrichtungen Bombay’s machen den Eindruck des 
Stillstandes, ja des Rückganges, was mit der Eröffnung des Suez-Kanals zusammen- 
hängen mag. Die Werkstätten, an denen es quantitativ nicht fehlt, liegen über 
einen grossen Raum zerstreut, aber ihr Betrieb scheint sich nur auf die Aus- 
führung kleinerer Reparaturen zu beschränken. Zum Neubau von Schiffen besitzt 
Bombay jetzt drei Hellinge von 200—250 Fuss Länge, die jedoch nicht im 
Gebrauche sind. Früher wurden hier die Kriegsschiffe der grössten Typen gebaut,
	        
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