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und vielleicht auch durch einen eben solchen von nur 550—730m Tiefe unter
der Oberfläche von dem Indischen Ocean abgeschnitten. Letztere Angabe ist
durch die Lothungen und Reihentemperatur-Messungen der „Gazelle“ im Mai
1875 in dem bis 3758m (2055 Fad.) tiefen Meeresbecken zwischen den Inseln
Flores, Lomblen und Ombay im Norden, Timor, Semao, Rotti im SO und Savou,
Sumba (Kokosnuss-Insel} im SW sehr wahrscheinlich geworden.
4. Die Celebes-See hat ihren Zugang aus dem Stillen Ocean zwischen der
NO-Spitze von Celebes und der Südspitze von Mindanao und steht durch die
Molucca-Passage mit der Banda-See in freier Verbindung; ihre grösste Tiefe
1755 m (2600 Fad.) liegt in 5° 42‘ N-Br und 123° 34’ O-Lg; nach den Temperatur-
Beobachtungen hat der sie vom Stillen Ocean absperrende unterseeische Beorg-
rücken eine Tiefe von ca 1280m (700 Fad.) Tiefe unter der Meeresoberfläche.
5. Die Sulu- oder Mindoro-See,!) zwischen der Nordostecke von Borneo,
der Südwestspitze von Mindanao und dem Sulu-Archipel, ist von Riffen und
Untiefen umgeben, so dass sie, während ihre grösste Tiefe 4663m (2550 Fad.)
beträgt, sowohl von der Celebes-See im Süden, als dem Chinesischen Meer im
Norden abgeschlossen ist, und zwar, wie die Reihentemperaturmessungen ergeben
haben, schon von eiver Tiefe von 732m (400 Fad.) ab.
6. Die China-See oder das Chinesische Meer, das letzte dieser unterseeisch
abgeschlossenen Meeresbecken, ist durch ein Barriere-Riff von 1483—1646m
(800—900 Fad.) Tiefe unter der Oberfläche von seiner unteren Verbindung mit
dem Wasser des Stillen Oceans abgeschnitten.
Bodenbeschaffenheit. Die von der „Tuscarora“ auf dem Schnitie
zwischen San Diego und Honolulu an die Oberfläche gebrachten Bodenproben
3ind in den „Deep Sea Soundings in the North Pacific Ocean etec.“, Washington
1874, fast ausschliesslich als gelblichbrauner Schlamm („yellowishbrown mud or
90ze“), zuweilen vermischt mit feinen Sandpartikelchen, bezeichnet; in dem seichtern
Wasser bei den Hawaii-Inseln besteht der Boden aus weisslichgrauem Sande, offen-
bar zertrümmerte Korallen. Westlich von den Hawati-Inseln wird der Boden
meistens als aus gelbbraunem Schlamm (mud oder ooze) bestehend bezeichnet.
Die sieben oben erwähnten unterseeischen Erhebungen zwischen den Hawatt-
und Bonin-Inseln zeigen auf diesem sonst so gleichmässigen Meeresboden eine
eigenthümliche und für die Geologie des Stillen Oceans nicht unwichtige Er-
scheinung; auf und zwischen ihnen nämlich hat die „Twscarora“ in Tiefen von
2000— 4000m Korallenschlamm, sowie Stücke von Korallenkalk und Lava- ge-
fanden, ebenso an beiden Abhängen der zur Bonin-Gruppe gehörenden Peel-Insel.
Diese letztere Thatsache, in Verbindung mit der von Darwin aufgestellten und
von Dana bestätigten Theorie des Wachsthums der Korallen setzt es ausser
Zweifel, dass das weite Gebiet des nördlichen Stillen Oceans zwischen den
Hawati-Inseln und Japan ein Gebiet einer grossen und schnellen Senkung inner-
halb einer sehr neuen geologischen Epoche ist. Das Aufhören des Wachsthums
der Korallen auf den sieben Bodenerhebungen im Stillen Ocean zeigt ein so
rasches Sinken dieses Gebietes an, dass das Wachsthum der Korallen nach oben
(dessen Tiefengrenze bekanntlich 36m beträgt) mit dem Sinken des Bodens nach
anten nicht hat gleichen Schritt halten können, und dass die Korallen alsbald
starben, als sie tiefer und tiefer sanken. Die Hawati-Inseln bilden bekanntlich
ginen vulkanischen Herd, ebenso sind die Bonin-Inseln vulkanisch; es ist also
wahrscheinlich, dass jene sieben Erhebungen, auf einigen von denen Lavastücke
gelothet worden sind, ehemals eine Kette von submarinen Vulkanen bildeten
(vgl. Carpenter in Proceed. of the R. Geogr. Soe., Vol. XIX, pag. 572).
Dieser Schnelligkeit des Sinkens des Bodens des nördlichen Stillen Oceans,
in FG vulkanischer Aktionen, ist es auch vielleicht beizumessen, dass. in ihm
die zahlreichen kleinen Koralleninseln fehlen, welche für die tropischen und süd-
lichen Theile des Stillen Oceans so charakteristisch sind, So können also die
Tief-Lothungen und -Bohrungen des Meeresbodens nicht unwichtige Schlaglichter
auf die geologische Vergangenheit und auf die Bedingungen der jetzigen Ge-
staltung der Erdoberfläche werfen.
i) Ueber die Nomenklatur der Banda-, Celebes- und Sylu-See 8. „Ann. d. Hydr. ete.“, 1875,
pjag. 384,