Wie schon in der Einleitung zu diesen Artikeln erwähnt worden ist
(s. diese Annalen etc., pag. 51), lassen dio Steil-Küsten des westlichen Amerika
schon in geringen Abständen von ihnen bedeutende Mcerestiefen auffinden, so
an der californischen Küste im Norden und an denen von Chile und Peru
im Süden.
Die grösste Tiefe zwischen San Diego und Honolulu lothete die „Tuscarora“
400 Sm nordöstlich von den Hawaii-Inseln in ca 23° 10' N-Br und 1501/4°—
151'/° W-Lg, nämlich 5585m (3054 Faden). Diese tiefe Spalte scheint sich
noch weiter nördlich auszudehnen, denn Kapt. Erben fand bei der zweiten
Expedition der „Tuscarora“ im November 1874 in 24° N-Br und 152° W-Lg
eine Tiefe von 5697m oder 3115 Faden. ‘ Beide Lothungslinien zwischen Calz-
fornien (von San Francisco und von San Diego aus) bis zu den Hawati-Inseln
erweisen, dass dieser Theil des Stillen Oceans ein Becken mit steilen Abhängen
zu beiden Seiten und zwischen beiden mit vergleichsweise ebenem Boden ist;
dio durchschnittliche Tiefe desselben nach den 62 Lothungen der „Tuscarora“
ist 4400m; etwas grösser ist diese zwischen den Hawari-Inseln und Japan in
dem westlichen Theile des Nord-Pacifie, auch ist der Boden desselben ungleich-
förmiger gestaltet, als der des östlichen Theiles. Zwischen Honolulu und den
Bonin-Inseln traf die „Tuscarora“ sieben über dem Boden des Oceans sich
erhebende Berge, welche alle, bis auf die Marcus-Insel, unterseeisch sind, mit
Tiefen von 2000—3000m unter der Oberfläche, Zwischen den einzelnen unter-
seeischen Erhebungen befinden sich grössere Vertiefungen von 4750—6000m.
Die tiefste Stelle zwischen San Diego und Japan lothete die „Twuscarora“ in
25°. 11‘ N-Br und 149° 46’ O-Lg, nämlich 6010 m oder 3287 Faden.
Zwischen den Bonin-Inseln und dem Kap No-sima auf Nipon senkt sich
der Meeresboden ziemlich steil von 1600m bei dem ersteren bis zu einer Tiefe
von 4453m (2435 Faden) in 30° N-Br und 142° O-Lg, steigt dann wieder eben
3o steil auf bis zu 800m (rot. 440 Faden) in 33%4° N-Br und 140° O-Lg,
von wo er plötzlich wieder biz zu 2960m (1618 Faden) abfällt, in 34'%° N-Br
und 160'4° O-Lg, nur 50 Sm südlich von Kap No-sima,
Von Japan aus unternahm die „Tuscarora“ zwei Vorstösse nach NO,
um auf Linien des grössten Kreises (zwischen Yokohama bezw. Point Komoto
und Kap Flattery) die »ördliche Route der projektirten Kabellegung zu unter-
suchen. Wegen der grossen, auf diesen Linien gefundenen Tiefen musste die
weitere Auslothung derselben zum Zwecke der Kabellegung aufgegeben werden,
zum Nachtheil der wissenschaftlichen Erforschung der Tiefseo-Verhältnisse des
Nord- Pacific zwischen den Parallelen von 40°—50° Nord und der grössten
Depression der Erdoberfläche unterhalb des Meeresspiegels — der Tuscarora-
Tiefe, wie sie Petermann in seiner „Tiefenkarte des Grossen Oceans“
(s. Petermann’s „Geogr. Mitth.“, 1877, Tafel 7) benannt hat.!) Doch ist schon
das bei diesen Vorstössen und später bei den Lothungen längs den Kurilen
und Alöuten gewonnene Material von grossem Werthe, besonders in Anbetracht
dessen, dass es das einzige ist, welches wir über die Tiefsee-Verhältnisse des
nördlichen Theiles des Nord-Pacific besitzen und uns die Thatsache der plötz-
lichen Senkung des Meeresbodens von den Küsten Japan’s an, also mit diesen
auch vom asiatischen Kontinent, bis zu geringen Entfernungen von diesen, zu
den grössten bis jotzt gelotheten Tiefen von mehr als 8000m aufdeckt. In einem
Abstand von nur 100 Sm von der Sandy-Bucht au der SO-Küste von Nipyon sank
in 37° 54‘ N-Br und 143° 40’ O-Lg das Loth bis 6267m (3427 Fad.), während
vorher, um ca 25 Sm näher an der Küste, die gelothete Tiefe nur 3352m
(1833 Fad.) beitrug (also eine Senkung von ca 2900m auf 25 Sm oder von
etwas über 100m auf 1 Sm), In 38° 11‘ N-Br und 144° 33‘ O-Lg, also noch
nicht 50 Sm weiter nach NO von obiger tiefen Stelle, sank das Loth bis
3491m (4643 Faden), ohne den Grund zu erreichen. Die späteren Lothungen
zwischen 42°-—45° N-Br und 147°—153° O-Lg ergaben grössere Tiefen von über
71300m (rot. 4000 Fad.); hier vertieft sich der Boden des Oceans bis zu der in
. !) Diese Tiefenkarte giebt die Routen und alle Lothungen der „Tuscarora“, des „Challenger“
and der „Gazelle“ in den Jahren 1873—1876 wieder und gewährt in dieser Beziehung einen
a hnctlen VUeberblick über die hier diskutirten Angaben der Tiefen und Bodengestaltung des Stillen
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