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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 7 (1879)

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Mit einer Ladung Talg an Bord verliess „Ceres“ am 12, Juli den La 
Plata-Fluss, um nach Valparaiso zu segeln. Günstige Nord- und Ostwinde 
führten die Bark rasch südwärts; schon am 22, Juli befand sie sich in 64,2° 
W-Lg auf dem Parallel von 50° S-Br. Ein hier einsetzender stürmischer SW- 
Wind war nicht von langer Dauer, und mit nordwestlichem Winde konnte man 
am 25. Juli die Ostspitze von der Staten-Insel umsegeln. Bei der nun begin- 
nenden Umsegelung des Kap Horn wurde „Ceres“ anfangs ebenso begünstigt; 
schon am 28. Juli hatten östliche Winde das Schiff nach 74° W-Lg gebracht. 
Der schwierigste Theil der Kap Horn-Reise war damit zurückgelegt. Auch das 
weitere Gutmachen von Westlänge ging rasch von statten, indem der Meridian 
von 80° W-Lg schon am 1. August in 54,5° S-Br überschritten wurde. Das 
Nordwärtskommen wurde dagegen durch anhaltende, mehrmals mit Orkanartiger 
Stärke wehende Gegenwinde sehr erschwert und erst am 5. August wurde der 
Breitenparallel von 50° S in S0,8° W-Lg überschritten. Die Reise um Kap 
Horn von 50° S-Br im Atlantischen bis 50° S-Br im Stillen Ocean war im Ver- 
gleich zum Mittelwerth ihrer Dauer, den Maury in seinen „Sailing Directions“ 
für den Monat Juli zu 18,3 Tagen angiebt, immerhin eine sehr rasche zu nennen, 
denn „Ceres“ gebrauchte nur 14 Tage, um die Strecke zurückzulegen, Auf dem 
letzten Theil der Reise fand man sehr günstige Winde. „Ceres“ konnte .in 
Folge dessen am 9. August 40° S-Br in 79,2° W-Lg überschreiten und am 
12, August in der Bucht von Valparaiso ankern, nach einer kurzen Reise von 
nur 31 Tagen. 
Von Valparaiso versegelte die Bark nach Zquique, welchen Platz sie nach 
achttägiger Reise erreichte. Hier wurde eine Ladung Salpeter an Bord genom- 
men und am 9. Oktober die Reise nach New- York angetreten. Die ersten fünf 
Tage derselben wurde „Ceres“ in der Nähe der Küste durch Mallung und Wind- 
stille festgehalten; erst dann gelang es, den frischen Passat zu fassen, mit 
welchem, beim Winde segelnd, nach SW gesteuert wurde, Am 22. Oktober war 
man nach 29,9° S-Br in 90,4° W-Lg gekommen. An diesem Orte endete der 
Passat. Während der beiden folgenden Tage herrschte leiser, unbeständiger 
züdlicher Zug, dann kamen kräftigere, umlaufende Winde durch, mit denen das 
Schiff befriedigenden Fortgang erzielen konnte. Am 27. Oktober schnitt „Ceres“ 
40° S-Br in 89,3° W-Lg und nachdem in 48° S-Br mehrere Tage, an denen 
ganz leiser Zug herrschte, überstanden waren, am 5. November 50° $S-Br in 
35° W-Lg. Am 9. November befand sich die Bark in Sicht der Insel Diego 
Kamirez; es waren bis dahin 31 Tage verflossen seit dem Beginn der bis dahin 
von keinem Sturm beunruhigten Reise. 
Im Atlantischen Ocean führten vorherrschend aus günstiger Richtung 
wehende Winde „Ceres“ nach 50° S-Br in 53,8° W-Lg am 13. November, nach 
40° S-Br in 42° W-Lgy am 19. November und nach 30° S-Br in 35,8° W-Lg 
am 27, November. Wie so viele andere Schiffe um diese Zeit, gerieth auch 
„Ceres“, obgleich Kapt. Koop, nachdem die Falklands-Inseln passirt waren, 
ainen ‚sehr nördlichen Kurs steuern liess, in die Nähe von Eis. Am 13. und 
14. November erblickte man in 48° S-Br und 52° W-Lg sehr hohe Eisberge, 
unter denen sich einer befand, dessen Höhe über dem Wasser nach Kapt. 
Koops Messung etwa 60 Meter betrug, Die nördlichen Winde, welche die von 
Kap Horn nach dem Aequator steuernden Schiffe fast immer finden, bevor sie 
den SE-Passat erhalten, traf „Ceres“ günstiger Weise erst in 25,5° S-Br, bis 
dahin war die Richtung des Windes günstig gewesen. Der Nordwind drehte 
sich später in gewöhnlicher Weise durch NE und E in die Richtung des regel- 
mässigen Passats, dessen polare Grenze in 21° S-Br und 30,7° W-Lg zu liegen 
schien. Der Parallel von 10° S-Br wurde in 30° W-Lg überschritten und am 
16. December in 35,5° W-Lg der Aequator erreicht. Es waren, um von Kap 
Horn dahin zu gelangen, 37 Tage erforderlich. gewesen. 
Auf der nördlichen Halbkugel ging in 2,5° N-Br und 38,5° W-Lg der 
Uebergang vom Gebiete des SE- in das des NE-Passats vor sich, ohne dass 
das Schiff durch Windstille aufgehalten wurde. Der NE-Passat wehte sehr 
frisch; er brachte „Ceres“ bis zum 22, December nach 10° N-Br in 44° W-Lg 
und bis zum 27, December nach 20° N-Br in 57,5° W-Lg. In 21° N-Br wurde 
der, bis dahin frische Passat schwächer und lief südlicher, dadurch die An- 
näherung an seine polare Grenze andeutend, welche anscheinend in 22° N-Br 
Aun. d. Hydr., 1879, Heft YII (Juli).
	        
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