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9. Reise der eisernen Bremer Bark „Julius“, Kapt. H. B. Meentzen.
Am 17. Oktober 1878 passirte die auf einer Reise von Kotterdam nach
Charleston begriffene Bark „Julius“ die Länge von Lizard. Mit westlichen,
meist nur in mässiger Stärke wehenden Winden suchte Kapt. Meentzen, nach
Süden zu gelangen. Sehr schwer fiel es dabei, Länge gut zu machen, und da
Kapt. Meentzen nicht gern wenden wollte, so wurde er in eine ziemliche Nähe
der afrikanischen Küste geführt. Am 28. Oktober in 32,7° N-Br und 11,6° W-Lg
lief der Wind von der so lange innegehabten südwestlichen Richtung nun nach
Nord und bald darauf nach NE, Es wurde nun zuerst derart gesteuert, dass
man westlich von den Canarischen Inseln kam, und dann erst ein südlicherer
Kurs eingeschlagen, Bei frischem NE-Winde überschritt „Julius“ am 29. Oktober
in 17,2° W-Lg die Breite von 30° Nord. Der Passat flaute indessen, so wie
man südlicher gelangte, mehr und mehr ab, und schliesslich erhielt man in
26° N-Br leichten südsüdwestlichen Wind. Von dieser Zeit an traf „Julius“
auf der ganzen Reise über den Ocean keinen beständigen Passat wieder an.
Man fand zwar häufige östliche Winde, aber fast eben so oft war das Vor-
kommen aus westlicher Richtung. Bis nach 15,7° N-Br wurde der Passat ver-
gebens aufgesucht. Man kreuzte 30° W-Lg in 17,3° N-Br am 12. November
und 50° W-Lg in 17° N-Br am 23. November. Am 27. November hatte „Julius“
in 18,3° N-Br und 61° W-Lg, also in geringer Entfernung von den Antillen,
stürmischen Westwind zu überstehen. Indem er sich in solcher Nähe der
Bahama-Inseln hielt, dass am 3. December die zu dieser Gruppe gehörige Insel
Watling gesehen wurde, steuerte Kapt. Meentzen nach Nordwesten. Am 9.
und 10. December litt „Julius“ in etwa 31° N-Br und 79° W-Lg unter einem
orkanartigem Sturme, der aus ESE begann, und dessen Richtung sich später
durch Süd nach West veränderte. Den niedrigsten Luftdruck beobachtete man
dabei am 10. December mit 742,8mm. Am 13. December erhielt schliesslich
„Julius“ einen Lootsen für Charleston, und noch an demselben Tage erreichte
man den Bestimmungsplatz. Die Reisedauer vom Kanal ab betrug 57 Tage.
Mit Baumwolle beladen verliess „Julius“ am 12. Februar 1879 Charleston,
um nach Bremen zurückzukehren. Diese Fahrt verlief sehr günstig; man fand,
mit Ausnahme einiger Tage, fast nur günstige Winde, und zugleich waren die-
selben auch nicht übermässig stürmisch. Den heftigsten Sturm erlebte man am
21. Februar in 37,5° N-Br und 56° W-Lg. Derselbe begann aus SW und war
von starkem Regen und ausserordentlich heftigen elektrischen Erscheinungen
begleitet. Der Wind mässigte sich erst, nachdem die Richtung West geworden
war; der nicdrigste Luftdruck, welchen man während seiner Dauer ablas, betrug
743,1mm. „Julius“ erreichte 60° W-Lg in 36° N-Br am 20. Februar, 30° W-Lg
in 46° N-Br am 27. Februar und erblickte am 5. März die Thürme von Lizard
nach kurzer 2ltägiger Reisedauer von Charleston her.
10. Reise des eisernen Bremer Vollschiffes „Regulus“, Kapt. D. Lange.
Auf einer Reise von Cardiff nach Hongkong begriffen, passirte das Voll-
schiff „Regulus“ am 15. August 1877 Lundy Island. Mit leichtem westlichen
Winde hatte man sich bis zum 21. August nach 48,5° N-Br und 13° W-Lg hin-
gearbeitet; von diesem Tage an traf das Schiff günstigere Winde, bei denen
40° N-Br in 16,5° W-Lg am 25. August und 30° N-Br in 20,6° W-Lg am
2. September erreicht wurde. An diesem Orte nahmen Wind und Wetter den
Charakter des eigentlichen Passats an. In seiner grössten Stärke wehte der-
selbe zwischen 23° und 17° N-Br. „Regulus“ kreuzte 20° N-Br in 25,5° W-Lg
am 8, September, und in 11,8° N-Br und 26,5° W-Lg war man am 11, September
an die äquatoriale Grenze des Passatgebiets gelangt. Für eine Wache herrschte
hier Windstille, dann während 3 Wachen Mallung, und schliesslich kam frische
Brise aus SSW durch. Voll und beim Winde haltend, suchte Kapt. Lange
nun über Backbord segelnd, so rasch als möglich Breite gut zu machen. Am
21. September, als „Regulus“ nach 3,4° N-Br in 16,4° W-Lg gekommen war,
wurde bei rechtweisendem SzW-Winde gewendet. Nach Westen segelnd, raumte
der Wind allmählich auf, und am 23. September überschritt das Schiff in