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eintraf, Den über diese Reisen von Kapt. z. See Mac Lean eingesendeten
Berichten entnehmen wir Folgendes:
1. Bemerkungen über die Hafenplätze Iquique und Mollendo.
Perü. Iquique. „Die Rhede von IZquique (20° 12‘ S-Br und 70° 12‘ W-Lg)
ist durch die Insel Iquique einigermaassen gegen Südwinde geschützt; nach
Norden ist sie dagegen ganz offen. In den Hafen selbst hinein steht eine sehr
nördliche Dünung und macht in Verbindung mit den vielen unter Wasser befind-
lichen Klippen den Verkehr mit dem Lande. sehr schwierig und ohne Lokal-
kenntniss bei Dunkelheit, mag auch sonst das Wetter gut sein, selbst gefährlich.
Der Mangel jeder Vegetation in der nächsten Umgebung von Iquique — die
Stadt selbst ist seit dem grossen Erdbeben und der Fluthwelle vom Jahre 1868
fast ganz ruinirt und zählt gegenwärtig nur ca 8000 Einwohner — in Folge
des absoluten Wassermangels macht das Leben in diesem Orte sehr theuer.
Zur Zeit der Anwesenheit des „Prinz Adalbert“ lebten 6GU—70 Deutsche zu
Iquique, welche sich mit dem Export und der Zubereitung des Salpeters in den
Salpeterwerken bei Zquique beschäftigen. Im Jahre 1878 besuchten 47 doutsche
Schiffe den Hafen von /quiqgue (darunter 30 mit Ladung) und 45 Schiffe ver-
liessen Zquique in demselben Jahre, davon 43 mit Salpeterladung. Der Gesammt-
export von Salpeter betrug im Jahre 1878 5909110 Quintals ä 50kg (davon
nach Deutschland 103045 Quintals). Unter den Import-Artikeln nimmt die
Kohle den ersten Rang ein; es wurden im Jahre 1878 eingeführt 60 000 tons,
davon allein 50000 tons englische Kohlen, 5000 tons deutsche (westfälische),
4000 tons chilenische und 1000 tons australische Kohlen.“
Mollendo. „An Stelle von IXslay, dem früheren, jetzt geschlossenen
Exporthafen, in 17° 0‘ S-Br und 72° 2‘ W-Lg, ist jetzt das 12 Sm südlicher
gelegene Mollendo als Exporthafen von Arequipa erklärt, obwohl von einer
„Rhede“ bei Mollendo keine Rede sein kann; denn man liegt hier auf offener
See, ohne jeden Schutz vor der südlichen Dünung. Der Ort selbst ist der
Ausgangspunkt der Eisenbahn, die von La Paz über Puno am Titicaca-See und
Arequipa nach dem Meere führt; er zählt gegenwärtig 3000 Einwohner; der
Handelsverkehr ist noch nicht bedeutend. Die Rhede von Mollendo ist, wie
erwähnt, sehr schlecht; man ankert auf 60—70m und ist genöthigt, der hohen
südlichen Dünung wegen das Schiff vorne und hinten zu verankern; diese hohe
Dünung macht auch öfters das Landen für mehrere Tage lang unmöglich.“
2. Stromverhältnisse zwischen Callao und Panama. „Vom
2. (dem Tag der Abfahrt aus Callao) bis 9. März zeigten die Stromverhältnisse
eine von der in den Stromkarten und Segelanweisungen angegebenen, sehr ab-
weichende Form, indem ein, bis 20 Sm den Tag setzender SW-Strom statt dos
angegebenen Nordstromes beobachtet wurde; letzterer wurde erst am 9. März
angetroffen und blieb so bis zum 13. März, an welchem Tage er wieder nach
Süd setzte,“ .
3. Bemerkungen über die beste Route von Panama bis Honolulu
im Monat März. „In der Region, welche von der Linie begrenzt ist und die
man von Kap San Lucas nach den Galdpagos-Inseln sich gezogen denkt, herr-
sachen in dieser Zeit des Jahres (Monat März) absolute Windstillen, welche nur
gelegentlich durch Gowitterböen und flaue, umspringende Winde unterbrochen
werden,
Für ein Segelschiff ist eine Reise (im März) nach Honolulu unter allen
Umständen eine äusserst lange und mühsame, mag man nun die durch die
Segelanweisungen empfohlene Route südwärts von den Galdpagos-Inseln wählen
and hier den SE-Passat aufsuchen, um dann auf 110° W-Lg den Aequator zum
zweiten Male zu passiren, oder mag man die Reise, auf dem grössten Kreise
Jängs der Küste von Mexico segelnd, ausführen. Auf dem ersteren Wege ist
eine Reisedauer von 47 Tagen bis Honolulu eine schnelle zu nennen. Ich habe
die zweite Route gewählt, weil sie kürzer ist; sie dürfte auch für den Monat
März, der noch zur guten Jahreszeit zu rechnen ist, jedem Schiffe zu empfehlen
sein, da es mit günstigem Winde stellenweise möglich ist, Kurs zu steuern (und
die Maschine ausser Thätigkeit zu. setzen), während andererseits wieder die
Strömungen günstig sind und das ganz ruhige Meer bei ökonomischer Anwendung
der Maschine eine verhältnissmässig schnelle Fahrt gestattet.“