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„Zeitschrift“ hübsche Beispiele geben. Dem gegenüber aber zeigten die sehr
ausgeprägten Gewitterböüen vom 30. September 1878 und vom 27. Mai 1879
(vgl. die Tafel), sowie die am 23. und 25. Februar d, J. in Oesterreich auf-
getretenen, keine Erniedrigung der Temperatur durch die Bö. In allen Fällen
der ersten Art war bis zur Bö das Wetter ganz, oder vorwiegend heiter, in
allen jenen der letzten Art trübe und regnerisch (oder Schneegestöber, wie in
Wien im Februar d. J.), was für die Erklärung dieser Verschiedenheit gewiss
sehr beachtenswerth ist. Auch die horizontale Vertheilung der Temperatur war
in den Fällen beider Kategorien derartig, dass wir in jenen der ersten eine
viel stärkere Temperatur-Abnahme mit der Höhe über dem Beobachtungsort
zur Zeit des Eintritts der Bö annehmen können, als in jenen der zweiten.
Was die Wolkenformen betrifft, so sind die in der „Zoitschrift“ 1878
(Bd. VIII, S. 104—105) von Hann vortrefflich geschilderten Verhältnisse der
Uebereinanderschichtung einer oberen Cirrostratus-Decke und unterer schwerer
Haufenwolken in der Ebene kaum jemals so schön zu beobachten, wie auf
der Vorderseite von Gewitterböen; wie schon erwähnt, eilt dabei der Rand
des Cirrostratus-Schirms der Bö zuweilen auf beträchtliche Entfernungen voraus;
dagegen lässt die Rückseite der Böenwolke in der Regel von dieser Schichtung,
aus der Nähe wenigstens, nichts erkennen, sondern zeigt nur eine ganz un-
bestimmte, häufig im Sonnenlichte weisslich glänzende Dunstmasse. Auch dieses
Verhäliniss erklärt sich vermuthlich durch die Retardirung der Bewegung in
den unteren Luftschichten, indem die untersten Theile der Wolke und die die
Luft erfüllenden Regentropfen die oberen Theile verhüllen,
Der Zweck dieser kleinen Mittheilung ist erreicht, wenn sie Einiges zur
Vervollkommnung unserer noch so sehr geringen Kenntniss von diesen für die
Theorie wie für die Praxis gleich wichtigen und interessanten Erscheinungen
durch Anregung zu genaueren Beobachtungen und Untersuchnngen über die-
selben beiträgt.
Chronometer- Untersuchungen auf der Sternwarte zu Kiel.
Im Verlaufe des verflossenen Winters wurden neun von Fabrikanten der
Sternwarte zu Kiel übersandte Chronometer einer eingehenden Untersuchung
unterzogen, um eventuell für die Kaiserliche Marine angekauft zu werden. Die
Zusendung geschah von drei Fabrikanten, und zwar zu sehr verschiedenen Zeiten.
Es sandten nämlich die Uhrmacher Schnoor in Kiel zwei Chronometer am
23. Mai, Th. Knoblich in Hamburg vier am 4. Oktober und Gebrüder Eppner
in Berlin drei am 18. November ein. Die nachstehende Untersuchung der Gänge
beginnt mit der Zeit, wo die letzten eingelieferten Chronometer mit berücksichtigt
werden konnten; obgleich nicht zu übersehen ist, dass bei solchem Verfahren
diejenigen Fabrikanten, welche ihre Chronometer schon seit längerer Zeitß aus
der Hand gegeben haben, gegen die übrigen etwas in Nachtheil gerathen, so
wurde es doch gewählt, weil sich eine einigermaassen gleichmässige Behandlung
aller Chronometergänge auf keine andere Weise erreichen lässt,
Vom 22. November 1878 bis zum 21. April 1879 wurden folgende Gänge
der Chronometer bei den nebenstehenden Temperaturen beobachtet: