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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 7 (1879)

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51/ak bis 6’/ab p.m. Gewitterbö mit starkem Regen; 5* 16" erster Blitz, von 
da bis 6 häufige starke Blitze und Donnerschläge, starker Regen, heftiger 
Wird; um 5% 20° p.m. S, 5* 30” p.m. SW, 6* p.m. WSW; 6" bis 6 p. m, 
Gewitter entfernt sich. Die mit einer an dasselbe Anemometer, dessen Angaben 
oben mitgetheilt, angebrachten Vorrichtung zum elektrischen Registriren 
gemessenen Windgeschwindigkeiten von 10 zu 10 Minuten sind in der Tafel 
durch die punktirte Linie angegeben. 
27. Mai 1879. Tag über trübe, 4* bis 10* a, m. Regen, dann nebelig, nur 
ah 40" p. m. zeitweises Aufklaren; 4" p. m. mehrmals Donner; 8* bis 9'/* p, m. 
Gewitter; 8% 40" bis 9% p. m. unaufhörliches Blitzen, ohne heftige Donnerschläge, 
und strömender Regen, mit Hagelkörnern von mehr als 1cm Durchmesser; am 
Ostufer der Alster viele Scheiben der Süd- und SW-Seite zerschlagen; unmittelbar 
vor dem Hagel starker Windstoss. Die Vorrichtung zur Registrirung der Wind- 
geschwindigkeit in kurzen Intervallen war leider ausser Funktion, 
29. Mai 1879. Morgen heiter und warm, 10'/4 a.m. schwere Cumuli 
mit weissen geballten Gipfeln von SW heraufrückend; 10'/2 a. m. Donner; 
11* 20" Wind schnell nach SW umlaufend und auffrischend; 11° 25” bis 11*35* 
starker Regen, wenig Donner; 2" 50” p. m. schwaches Gewitter, seitdem bis zum 
Abend abwechselnd schwacher Regen. Die punktirte Linie stellt die Aenderungen 
der Windgeschwindigkeit dar. Man sicht trotz der Kleinheit der Luftdruck- 
Acnderungen deutlich, wie jedem beträchtlichen Auffrischen des Windes eine 
Beschleunigung, jedem Abflauen eine Verlangsamung im Steigen des Barometers 
entspricht. 
In allen diesen Fällen, wie auch in den in der Oesterr. Zeitschrift dar- 
gestellten, trat die Erhöhung des Luftdrucks bei Gewitter auf, und es scheint, 
dass das Phänomen in der Regel nur bei Gewitterböen stark ausgeprägt ist; 
allein die Eurydice-Bö, die nirgends von elektrischen Entladungen begleitet 
war, zeigte das betreffende kurze Steigen in der Barometerkurve nach Cl. Ley 
in Stonyhurst, Babbacombe, Kew und Falmouth unzweifelhaft; wie oben erwähnt, 
war übrigens die Wolkenbildung bei dieser Bö ganz wie bei einem Gewitter. 
Die Störung in der Barographenkurve fällt zeitlich genau mit dem Gewitter 
und dem Windstoss am Ort zusammen; Gewitter in Cuxhaven und Kiel lassen 
das Barometer in Hamburg ganz unbeeinflusst. Die Grösse der Störung in der 
Barometerkurve steht mit der Heftigkeit des Windes und des Regens in keinem 
bestimmten . Zusammenhange, 
Die Ursache dieser vorübergehenden Erhöhung des Luftdruckes haben wir 
vermuthlich in der mechanischen Zusammendrängung und namentlich Empordrängung 
der Luft durch die schräg einfallende bewegte Luftmenge zu suchen, welche so 
rasch geschieht, dass die emporgedrängte Luft nicht so schnell abfliessen kann, 
um nicht fürs erste eine Zunahme der Luftmenge über dem Ort und also eine 
Erhöhung des Barometers zu bewirken. Schwer zu erklären bleibt es allerdings, 
warum im Winter heftige Schneeböen (ohne Gewitter) die Erscheinung gar nicht 
oder nur sehr schwach zeigen. — Mit dem Herausfallen. eines Theils ihres 
Wassergehalts, welcher in flüssiger Form suspendirt in genau demselben Maasse 
auf die Quecksilbersäule im Barometer drückt, wie in Gasform, muss der Druck 
der Atmosphäre caeteris paribus abnehmen, und zwar für jede n Millimeter 
Rogenfall um n: 13,5 Quecksilberdruck, also beispielsweise für eine Regenhöho 
von 10mm 0,74mm!). Da indessen Böen häufig während oder beim Boginn 
einer allgemeineren Zunahme des Luftdrucks auftreten, so ist die hieraus und 
aus dem Abfluss der emporgestiegenen Luftinassen folgende Druckabnahme 
nach der Bö oft nicht deutlich ausgeprägt. 
1) Dass die Gewichtsabnahme der Atmosphäre durch den Regenfall einfach durch das Gewicht 
des auf die Flächeneinheit gefallenen Wassers gegeben wird und Nichts mit der Höhe und den Ver- 
änderungen der Dunstspannung an der Erdoberfläche zu thun hat, ist eine Thatsache, welche zwar 
aus der richtigen Auffassung des Luftdrucks — als Maass des Luftgewichts, das über uns sich be- 
findet — und aus der durch die Temperatur nothwendig gegebenen Beschränkung des Wasserdampfs 
auf die untersten Theile der Atmosphäre — wie diese namentlich von Hann auch an den Beobach- 
tungen nachgewiesen ist — direkt folgt, aber noch vielfach verkannt wird, Als Beispiel der un- 
richtigen Auffassung aus neuester Zeit können wir den Aufsatz über die europäischen Stürme in dem 
„Annuaire de l’observ. de Bruxelles pour 1878“ (vierte bis siebente Seite) anführen, während man 
die korrekte Darstellung in Mohn’s vortrefflichen „Grundzügen der Meteorolozie“ auf S, 206 der 
neuen Auflage findet.
	        
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