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„grain“ im Französischen, wird eben ein Windstoss verstanden, der mit einer
vorüberziehenden schweren Wolke (oder einem Wolkenheerde mit Lücken) und
gewöhnlich einem starken Schauer vereint auftritt, häufig auch von Gewitter
begleitet ist, und dessen Dauer von wenigen Minuten bis zu einer Stunde und
darüber varliren kann, Der Unterschied dieser Erscheinungen in den nordwest-
europäischen Küstenländern von den Gewitterstürmen und Tornados in aus-
gedehnten Binnenländern scheint namentlich darin zu liegen, dass dieselben an
der Küste viel häufiger sind und als Verstärkungen in der ohnedies durch-
schnittlich lebhaften Luftbewegung auftreten, während sie im Binnenlande die
gewöhnliche Ruhe der Atmosphäre viel seltener, aber auch in noch. heftigerer
Weise unterbrechen und meistens von totalen Wechseln in der Windrichtung
hegleitet sind; an der Küste ist in der Regel die Aenderung der Windrichtung
beim Eintritt und häufig auch beim Aufhören der Böen nicht bedeutend, nur
bei grösseren Erscheinungen dieser Art bemerkt man, wenn sie in einer südwest-
lichen Strömung auftreten, zuweilen vor der Bö ein Zurückdrehen („backing“
der englischen, „Krimpen“ der deutschen Seeleute) des Windes nach SE und
ein plötzliches Ausschiessen des Windes (engl. „veering“) hinter der Bö nach
NW und NNW, mit Aufklaren und rascher Abkühlung,
Ob zwischen den europäischen Gewitterstürmen und den amerikanischen
Tornados nur ein quantitativer, oder ein wesentlicher qualitativer Unterschied
vorhanden ist, dies zu entscheiden sind unsere Kenntnisse von beiden Erschei-
nungen nicht ausreichend...“ Durch ihre nur wenige Minuten umfassende Dauer
und ihre verheerenden Wirkungen trugen zwei orkanartige Windstösse, welche
im Oktober vorigen Jahres merkwürdigerweise innerhalb weniger Tage in Pest
(am 28.) und in der Nähe von Dover!) (am 24.) auftraten, ganz den Charakter
eines nordamerikanischen Tornados, wie deren fast in jedem Hefte der „Monthly
Weather Review“ des Signal Office welche beschrieben werden, wie sie aber
in Europa glücklicherweise schr selten sind.
Eine Schneebö von grosser Ausdehnung und Plötzlichkeit, wenngleich
nicht besonders hervorragender Heftigkeit, die England im Frühjahr vorigen
Jahres (24. März 1878) von Nord nach Süd durchzog, hat durch einen. er-
schütternden Unglücksfall, den plötzlichen Untergang der Korvette „Eurydice“
bei der Insel Weight, eine traurige Berühmtheit im britischen Königreiche als
„Eurydice squall“ erlangt; die zahlreichen Berichte über deren Auftreten sind
von Cl. Ley zu einer instruktiven Skizze im April-Heft des Jahrgangs 1878
von Symon’s „Meteorological Magazine“ verarbeitet. Zwei Kärtchen, welche
derselben beigegeben sind, zeigen die Position und ungefähre Ausdehnung der
Bö um 10* a.m. und um 3" p.m. des 24, März. Von Meer zu Meer reichend,
durchzog sie England von Northumberland bis zum Kanal, in der allgemeinen
nordnordwestlichen Luftströmung in der Richtung derselben und mit einer
Geschwindigkeit von 18 bis 22m pro Sekunde sich fortbewegend und eine
Cirrusschicht bis zu etwa 30Km vor sich hersendend; diese Cirrusbank endigte
auf der Rückseite der Bö mit einem geraden Rande, längs welchem die Bewegung
in der Bank aus SW gerichtet war, während sie im vorderen Theile derselben ent-
schieden nordwestlich sich zeigte. Der Schneefall begann im Norden erheblich
vor, im Süden etwas nach dem Eintritt des Sturmwindes, welcher letztere im
Norden noch eine Stunde nach dem Ende des Schneiens fortdauerte, während
er im Süden mit den letzten Schneeflocken plötzlich sich legte. Die Dauer des
Schneegestöbers varlirte zwischen a und 2 Stunden und war im Osten grösser,
als im Westen; die eigentliche schwere Bö dauerte jedoch meist nur 10—20
Minuten. In Leicestershire wie in Devon war die Wolkenbildung ganz wie bei
einem Gewitter, elektrische Entladungen wurden jedoch in dieser Bö nicht
beobachtet, wohl aber stellenweise am gleichen Tage in anderen kleineren Böen.
Indem wir bezüglich‘ weiterer Details über diese Bö auf das Original
verweisen, reproduciren wir die angehängten allgemeinen Bemerkungen von
Cl. Ley, — unstreitig einem der besten Kenner der. Luftströmungen Westeuropa’s
und ihrer Beziehungen zum Luftdruck,
„In wie weit die Eurydice-Bö von dem gewöhnlichen Charakter der Böen
abwich, ist schwer zu entscheiden, aus dem einfachen Grunde, weil wir gegen-
N
Vgl. „Ann. d. Hydr. ete.“, 1878, Heft XII, S, 546,