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Die Position 23 (die letzte der obigen Tabelle) zeigt die grösste Tiefe,
welche während der Expedition im August 1876 gelothet worden ist, nämlich
512,1m oder 270 österr. Faden.!) Die in dieser Tiefe beobachtete Boden-
temperatur betrug 14,0°C, war also ebenso gross, als weiter westlich in Ort
22 (mehr in der offenen See) bei nur 116m Tiefe. An beiden Küsten der
Adria scheinen die Bodentemperaturen (wenigstens für grössere Tiefen) bei dem
Vorschreiten von SO nach NW hin abzunehmen. So wurde z. B. in Ort 28,
an der albanischen Küste, 42 Sm südlich von Punta d’Ostro, in 190m Tiefe
cine Temperatur von nur 13,4° gefunden, gegen 14,0° in Ort 23; noch niedrigere
Bodentemperaturen fand man im August 1878 im Quarnerolo in_bei weitem
kleineren Bodentiefen von 80—100 m, nämlich 12,7° bis 13,1°; diese sind —
wie oben erwähnt — dem Zufluss des im Sommer kälteren Wassers aus unter-
seeischen Quellen zuzuschreiben. Ferner sind in den Orten 18 und 19 an der
apulischen Küste in bezw. 116 und 106m Tiefe 13,9° und 13,8°, dagegen in
den Orten 12 und 13 (s. Tabelle) in bezw. 139 und 125m nur 13,2° und 13,4°
gemessen worden.
Die Lothungslinie Fiume—Aulona (s. Taf. III u. IV ad Ber. IV) weist
zunächst eine ziemlich gleichmässige Vertheilung der Wärme und des Salz-
gehaltes an der albanischen Küste von Süden gegen Norden bis zum Eintritte in das
mit den Inseln Meleda und Curzola beginnende, dem Festlande der Herzegowina, von
Dalmatien und Croatien vorlagernde Inselreich, In den dalmatinischen Kanälen
findet man einen geringeren Salzgehalt und in den oberen Wasserschichten eine
höhere Temperatur, als an der albanischen Küste; dies rührt zum Theil von
den vielen vorlagernden Inseln her, welche das freie Abfliessen des Süsswassers
verhindern, theils von den am Meeresgrunde einmündenden Quellen, Der höhere
Salzgehalt des Meeres längs der flussreichen albanischen Küste im Vergleich
zu der fast wasserlosen apulischen Küste lässt sich möglicherweise durch die
Annahme erklären, dass längs der Ostküste der Adria durch nach Norden aus
dem Mittelmeere setzende Tiefenströmungen ein höherer Salzgehalt selbst in höher
gelegene Schichten gelangen kann (vgl. Ber. IV, pag. 34 u. 35).
Beiträge zur Kenntniss der Böen und Gewitterstürme.
Von Dr. W, Köppen,
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.)
Die bedeutenden Fortschritte, welche. in der Naturgeschichte und der
Theorie der grossen Bewegungen der Atmosphäre in den letzten Jahrzehnten
gemacht sind, haben sich auf unsere Kenntniss von den Windstössen nicht
erstreckt; diese sind in ihrer Morphologie und Physik fast unbekannte, in ihren
Ursachen räthselhafte Phänomene geblieben,
In der That bietet die heftige Bewegung einzelner Luftmassen von be-
schränkter Ausdehnung innerhalb einer grossen allgemeinen Luftströmung für
die Theorie bedeutende Schwierigkeiten, namentlich wo die bequeme Voraus-
setzung sekundärer und tertiärer Wirbel sich als unmöglich erweist; die kurze
Dauer und geringe räumliche Verbreitung der Erscheinungen erschweren zu-
gleich die Feststellung des Thatbestandes bei den letzteren in hohem Grade,
um so mehr, als leider die meisten publicirten Tagebücher meteorologischer
Stationen sich fast ganz auf die an den Instrumenten an festen Terminen ge-
machten Ablesungen beschränken und Erscheinungen, die sich nicht in Zahlen
wiedergeben lassen und zwischen die Beobachtungsstunden fallen, kaum erwähnen.
Da in allen feuchten Klimaten die Windstösse in der Regel in inniger Ver-
bindung mit Regen-, Schnee- oder Hagelschauern stehen, so besitzen die meisten
Sprachen, wenigstens in Küstenländern, Ausdrücke für den so charakteristischen
Komplex dieser Erscheinungen; unter „Bö“ im Deutschen, „squall“ im Englischen,
!) Die oben erwähnte italienische Karte weist in der Gegend dieser Lothung Tiefen” zwischen
100—800 m auf.