Ueber einige Ergebnisse der neueren Tiefseeforschungen.
II. Atlantischer Ocean. — Mittelländisches Meer.
Tiefen- und Bodenverhältnisse. Das Mittelländische Meer ist sowohl
hinsichtlich seiner Flächenausdchnung, als seiner Tiefe das grösste aller eigentlichen
oceanischen Binnenmeere. Abgesehen von dem Adriatischen Meere (s. S, 319) kann
man dasselbe in zwei Hauptbecken theilen: in das westliche, welches von der
Strasse von Gibraltar bis zu den, Sieilien und Afrika (d. h. die tunesische
Küste) unterseeisch verbindenden Adventure- und Skerki-Bänken sich erstreckt
und in einem grossen Theil seines Gebietes Tiefen von 1830 bis 2930 m (rot.
1000—1600 Faden) besitzt, und in das östliche Becken zwischen Malta und
der Ostküste von Sicilien einerseits, und Syrien und Kleinasien andererseits,
welches‘ in einigen Theilen noch grössere Tiefen aufweist, als das westliche
Becken, nämlich bis über 3700 m.
Das schmale Gebiet, welches schon bis nahe an die Oberfläche das öst-
liche von dem westlichen Becken vollständig scheidet, hat keine grösseren
Tiefen als ca 450 m’ (rot. 250 Faden) aufzuweisen, die Strasse von Giöbraltar,
welche die einzige Verbindung zwischen dem Mittelmeer-Becken und dem Atlan-
tischen Ocean bildet, und zwischen G7%raltar und Ceuta noch eine Tiefe von
950m (ca 520 Faden) hat, wird bei ihrer Erweiterung nach Westen hin immer
flacher, so dass zwischen den Kaps von Trafalgar und Spartel meist Tiefen
unter 200m vorhanden sind, und nur einige wenige Durchfahrten bis annähernd
400m Tiefe erreichen. Eine allgemeine Erhebung des Mittelmeer-Gebietes um
etwa ‚400m würde nicht nur das gesammte Mittelländische Meer von dem
Atlantischen Ocean völlig abschneiden, sondern dasselbe auch noch in zwei grosse
Salzseen theilen, von denen jeder, ohne erhebliche Reduktion seiner Fläche,
ausserordentlich tief sein würde.
Erst seit 1856, von welchem Jahre an, meist zum Zwecke von Kabel-
legungen, englische Seeoffiziere, wie u. A. Spratt, Manselr und Dayman,
Lothungslinien zwischen den Küsten der das Mittelmeer umsäumenden Fest-
länder Zuropa’s und Afrika’s und diesen und den Inseln im Mittelmeer-Becken
legten, kennen wir die Tiefen- und Bodenverhältnisse des Mittelländischen
Meeres, fern von den Küsten auf hoher See, etwas genauer. Die Bedin-
gungen für die möglichst grosse Zuverlässigkeit der Lothungen (die Güte der
Apparate und die nöthige Sorgfalt bei der Arbeit selbst vorausgesetzt) sind in
diesem Binnenmeere vereinigt, nämlich dessen möglichst grosse Unabhängigkeit
von Strömungen und von Wind und Wetter.
Auf Grundlage der in den B.A.K. No. 2718a, b und c_(korrigirt bis
December 1870) angegebenen Lothungszahlen können wir folgendes allgemeine
Bild der Tiefen- und Bodenverhältnisse des Mittelländischen Meeres entwerfen.
Von der Strasse von Gibraltar an nach Westen hin, bis zu dem Meridian
von Kap Tres Forcas oder 3° West, kommen nur Tiefen unter 1450m (ca 800 Fad.)
vor, von da längs den Küsten von Marocco und Algier, in Entfernuugen von
30—50 Sm von ihnen, senkt sich der Seeboden des Mittelländischen Meeres
zuerst schnell, von 875m bis 1975 m auf ca 25 Sm Entfernung, dann langsam
bis zu rot. 2900 m (1585 Faden). Tiefe, 40 Sm in NNO von der Stadt Algier.
Diese Tiefe behält das Meer noch ca 40 Sm weiter in derselben Richtung nach
den Balearen hin. Nördlich von diesen Inseln, welche als die Gipfel eines
unterseeischen, mit, dem Festlande von Spanien zusammenhängenden Massivs
zu betrachten sind, das nach Norden und Süden zu steil abfällt, ist die grösste
‘) S. „Ann, d. Hydr, etc.“, 1879, pag. 49, 97, 195 und 255.
Ann. d; Iydr., 1879, Heft YIT (Juli.