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wieder ans Land schicken. Am 4. Juni befanden wir uns des‘ Mittags aber-
mals ausserhalb des Kanals vor dem KEingange desselben in etwa 14 Sm
Entfernung von Kap St. George.‘ Gegen Abend sprang endlich eine leichte
Brise auf von Süd bis. SE, anfangs Stärke 2—3, in der Nacht aber mehr auf-
frischend, welche uns am 5. Juni in den Hafen von Mioko brachte, wo wir in
14m Tiefe ankerten. Etwa eine Stunde später passirte auch die deutsche Bark,
die wir am 29. Mai sahen, den St, George-Kanal aufwärts.
Zwei Tage nach unserer Ankunft traf der „Olesego“, ein kleiner
Gaffelschoner, von Apia kommend, im Hafon von Mioko ein. Dieser hatte
50—53 Tage Reise, und zwar auf der Route nördlich von den Salomo-Inseln.
Derselbe hatte 4 Wochen zwischen Neu-Irland und Bougainville im Stillen und
Strömungen getrieben, bis er endlich auch die Brise erhielt, die uns in den
Hafen brachte. ;
In. den 3 Monaten, die wir in dem St. George-Kanal verweilten, setzte
der Strom daselbst beständig südöstlich, wenn auch nicht immer in gleicher
Stärke. Soviel ich von den dort lebenden Europäern, von denen einige 2 und
3 Jahre dort sind, erfahren habe, läuft der Strom im St. George-Kanal stets
gegen den übrigens sehr unregelmässig wehenden Monsun. Dies fand ich auch
aus eigener Anschauung bestätigt. Es ist wiederholt vorgekommen, dass Schiffe
zur Zeit des NW-Monsun auf eine Strecke von 20 Sm 14 Tage gegen Ostwind
und NW-Strömung gekreuzt haben. Aehnlich erging es der deutschen Bark
„Etienne“ Ende November 1877 auf ihrer Reise von Duke of York nach Apia.
Dieselbe traf östliche Winde, zum Theil stürmisch, und nordwestliche Strömung,
so dass sie 4 Wochen auf eine Strecke von 50 Sm bis Kap St! George
gebrauchte und schliesslich nach Blanche-Bay zurück musste, um den Bedarf an
Trinkwasser zu ergänzen. |
Wir trafen es Ende August 1878, den Kanal abwärte, verhältnissmässig
ganz gut; in 3 Tagen kreuzten wir die etwa 80 Sm betragende Entfernung von
Man-Insel bis Kap St. George auf. Ausserhalb des Kanals ging es’ aber
schlechter, wir konnten trotz aller Anstrengung nicht die Salomo-Inseln, wo
ich östlichen Strom zu finden hoffte, erreichen, da der Wind meistens sehr
leicht aus’ Süd und SE wehte und von vielen Windstillen unterbrochen war.
Zudem war der Boden des eisernen Schiffes auch sehr bewachsen, so. dass das-
selbe nur sehr träge durchs Wasser ging. ;
Durch die Witterungsverhältnisse und die genannten Umstände waren wir
gezwungen, eine mehr westliche Route zu wählen, und fanden auf dieser die
Strömung veränderlicher, meistens SW und NW, mit sehr wenig Ausnahmen
schwach östlich oder gar keine.
Südlich von 11° S:Br, dem Parallel von San Christoval, fanden wir am
23., 24. und 25: September wieder starke südwestliche Strömung von 22-—23 Sm
im Etmal, die, je südlicher wir kamen, desto schwächer wurde und in 17° S:Br
und 158° W-Lg ganz aufhörte.“ . ;
Bezüglich dieser Strömungen kommt Kapt. Wendt zu folgenden Ansichten:
„Ich bin geneigt anzunehmen, dass die starke Strömung S 83° W_ 40 Sm,
die wir am 9; Mai in. der. Nähe von San Christoval fanden, durch die Ver-
einigung des südlichen Aequatorialstromes mit dem Rosselstrom entsteht.
Letzterer führt diesen Namen von den Tonga-Inseln an und soll ein südlicher
Zweig des Süd-Aequatorialstromes sein, der seinen Lauf südlich von den Aii-
Inseln nimmt und westlich von dieser Gruppe sowie östlich von: den New-
Hebriden, NW- bis NNW-BRichtung!) annimmt nach den Santa Cruz-Inseln,
zwischen den Inseln Santa Crug und Vanikoro hindurch läuft und dann in
seinem westlichen Laufe hart die Südspitze von San Christoval berührt, wo er
wahrscheinlich mit‘ der grossen Aequatorialströmung; sich vereinigt und mit
dieser weiterfliesst. . . We
Die starke südwestliche Strömung, die wir 3 Mohate später um einige Grad
westlicher auf derselben Breite von San Christoval und südlicher fanden, nämlich:
in. 11° 46‘ S-Br. und 155° 38‘ W-Lg Strom 565° W 33 Sm
„ 13° 25° % 2. 154° 59 '„. S34°W.30
14° 47°. E m 154° 52’ ” - : S 41° W 22 5%
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S., Ann. d. Hydr. ete., 1879, pag. 25.