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. Bemerkungen über Strömungen. . a
auf einer Reise des Hamburgischen Schiffes „Peter Godeffroy“
von der Fiji-Gruppe nach Duke of York-Insel,.
Von Kapitän H. W. Wenät, x ;
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte,) a
Herr Kapt. Wendt, Führer des Hamburgischen Schiffes „Peter Godeffroy“,
hat -auf seiner Reise von der FwYi-Gruppe nach Duke of York Beobachtungen
über Strömungen angestellt, welche, da dieselben von einem, von deutschen
Schiffen bis jetzt nur ausnahmsweise besuchten Theile des Stillen Oceans her-
stammen, ein um so grösseres Interesse haben, als die daraus sich ergebenden
Resultate nicht unerheblich von den darüber bekannt gewordenen, nur dürftigen
Angaben über diesen Gegenstand, wie sie in den verschiedenen Segelanleitungen
und Wind- und Stromkarten enthalten sind, abweichen,
Kapitän Wendt schreibt darüber in seinem Tagebuche Folgendes:
„Gegen Ende des Monats April 1878 verliessen wir die Z@ploring-Inseln, zur
Fiji-Gruppe gehörend, um nach Duke of York-Insel und Neu- Britannien zu versegeln.
Zu dieser Reise wählte ich, de der SE-Passat zur Zeit einsetzte, die
Route südlich von den Salomo-Inseln, traf es auch bis dahin ganz gut; . der
Wind schwankte zwischen NE. und SE in Stärke 3—5, mit gelegentlichen Böen
von. Stärke 6 und von starkem Regen begleitet. Die Strömung fanden wir in
den ersten Tagen nur gering, ca 6—8 Sm täglich westliche Versetzung.
Von 13° S-Br und 179° O-Lg bis zur Salomo-Gruppe hatten wir jedoch
täglich eine westliche Versetzung von durchschnittlich 20 Sm. Am 9 Mai in
11° 19‘ S-Br und 161° 45‘ O-Lg fanden wir in der Nähe von San Christoval so-
gar 43 Sm Strom nach S 83° W. : a .
Von diesem Tage an machte ich täglich einige Notizen, die ich hier dem
Wortlaute nach folgen lasse:
Mai 10 in 10° 36‘ S-Br und 159° 36‘ O-Lg. Schönes Wetter mit
leichten Regenböen, die See bedeutend ruhiger und Strömung S57° W 18 Sm,
nicht so bedeutend, wie am vorhergehenden Tage. Das Meer trieb voll von
Bimsstein von den kleinsten bis zu faustgrossen Stücken, welche schon einige
Monate getrieben haben mussten, da einige Stücke, die wir mit dem Schlepp-
netz fischten, mit einer dünnen Algenschicht überzogen und auch mit Muschein
besetzt waren. Wir hätten ganze Kisten voll davon fischen können. Der Wind
hielt sich bis zum Nachmittage frisch aus Ost; gegen 5* 30“ .p. m. hatten wir
eine steife Bö aus SE,. Stärke 7, worauf der Wind abflaute, in der Nacht
fast gänzliche Stille bei trübem Wetter mit Regen.
Mai 11 in 10° 3‘ S-Br und 158° 43‘ O-Lg. Morgens trübe, drohende
Luft, Nimbus-Wolken im Horizont, Von 8! bis 9 Uhr Morgens setzte eine
steife Bö aus ESE, Stärke 6, ein mit. starkem, bis gegen Mittag anhaltendem
Regen; nach der Bö war der Wind nur sehr flau und umlaufend.‘ Von Bimsstein
war heute nichts mehr zu sehen, dagegen umschwärmten Walfische Nachmittags
und Nachts das Schiff. Die See war rubig und das Wetter.am Nachmittage
und Abend angenehm.
Mai 12 in 9° 19‘ S-Br und 158° 5‘ O-Lg. Mit Tagesanbruch sahen wir
die Insel New-Georgia in weiter Ferne am nördlichen Horizont bei leichter
östlicher Brise und schönem Wetter; das Thermometer zeigte um 8 Morgens
schon 29,8° C, Wir passirten abermals Flächen dicht zusammengedrängten
Bimssteins. Mittags stieg die Insel New-Georgia, welche von Weitem wie zwei
einzelne Berge aussah, immer höher am Horizont empor. Nach Observation wurde
nur wenig Strom, nämlich N68°E 16 Sm, in den beiden letzten Tagen gefunden,
Mai 13 in 9° 3‘ S-Br und 157° 48‘ O-Lg. Fast den ganzen Tag und
die Nacht über hatten wir sehr leichten SE-Wind und sahen sehr viel Bimsstein
treiben, sowie in dem ruhigen Wasser ganze Rudel spielender Fische. Fanden
eine starke östliche Stromversetzung, S 88° E 25 Sm in 24 Stunden. ;
Mai 14 in 8° 59‘ S-Br und 157° 20‘ O-Lg. Wie gestern sehr leichte
Brise; den ganzen Tag in Sicht der in der Nähe von New-Georgia liegenden
Inseln, Nachmittags Gewitter im Norden, welches sich nach Westen hin verzog.
Bimsstein, mit Muscheln bewachsen, beim Schiffe treibend. Strömung S78° E, 24 Sm.