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Linie Darsserort— Falster scheidet in ausserordentlich scharfer Weise das eng
begrenzte westliche Becken der Ostsee von dem östlichen offeneren Gebiete
der Ostsee, in Bezug auf Salzgehalt und Temperatur und deren vertikale
Vertheilung. So fand man z, B. in der Neustädter Bucht, zwischen Travemünde
und Neustadt, in 22m Tiefe noch einen Salzgehalt von 2'/4 °/o (an der Ober-
Aäche etwas über 1%), wogegen östlich der Linie Falster—Darsserort selbst
in grösseren Tiefen stets ein Salzgehalt unter 2 °% (in vielen Fällen sogar
unter 1%) ermittelt wurde.
Im Allgemeinen stellt sich für die Vertheilung des Salzgehaltes des
Wassers der Ostsee in vertikaler Richtung heraus, 1. dass sich überall schwereres,
also salzreicheres Wasser in den unteren Schichten befindet, dass aber der
Unterschied zwischen Oberflächen- und Tiefenwasser im östlichen sälzärmeren
Becken geringer ist, als im westlichen Beckon; 2, dass ferner dieser Unterschied
im östlichen Becken im Laufe des Jahres nur unerheblich varlirt, dass dagegen
im westlichen Becken grosse Verschiedenheiten sowohl der Jahreszeiten (im
Herbst und Winter ist das Wasser der Ostseo salzreicher, als im Frühling und
Sommer), als in verschiedenen Jahren hervortreten (s. ad 3); 3. dass endlich
einerseits die jeweilig längere Zeit herrschenden Winde und andererseits un-
gewöhnlich hohen Niederschläge einen wesentlichen Einfluss auf die Intensität
und- Verbreitung des salzreicheren Tiefenstromes ausüben und ein Vordringen
desselben in der Tiefe weiter nach Osten (wie i. J. 1872), oder ein Zurück-
weichen nach Westen (wie 1874—1877) veranlassen können (vgl. „Ann. d.
Hydr. etc.“, 1878, pag. 118). Die Beobachtungen an den einzelnen 13 festen
Küstenstationen zwischen Hela im Osten und Sonderburg im Westen ergaben
für die Jahre 1874—1876 ein Anwachsen des specifischen Gewichtes und des
Salzgehaltes von Osten nach Westen, sowohl an der Oberfläche, wie in dor
Tiefe. Aus den in den Jahresberichten IV-—VI der Kieler Kommission,
pag. 258—270, von Prof. Dr. G. Karsten mitgetheilten Beobachtungstabellen
yeben wir für die beiden Grenzstationen nachstehende Werthe des specifischen
Gewichtes, wobei vorne überall 1,0 weggelassen ist.
Station
Hela.,..
Sonderburg
Tiefe
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ABS BD m lm S 15 s 515 ä|5 5 El
„SS | al R | 3 | a5 SE SS |SIS|E 315
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Ä Oberfläche - 038 | 059 ! 057 | 056 | 055, 055 |057 | 058 | 058 | 055 | 056 ' 057 058 | 056 | 058 | 056 | 057
* 91,9m 060060058 | 059 | 057 | 056 | 057 1060 , 059 | 057 | 058 059 |060 | 058 | 058 | 058 | 058
| 0bertäcne | 206100 14] 250! 1 106 [15/202 209] 0 00 og 0 [29 200 154 | 150
18,3m |173 166 | 161 | 160 | 155 | 151 | 155 | 163 | 168 | 167 | 161 ; 158 | 166 | 159 | 156 | 165 | 162
In Bezug auf die Temperaturvertheilung des Ostseewassers, an der Ober-
Jäche und in den allerdings nur geringen Tiefen unterhalb derselben, hat sich
aus den Beobachtungen seit 1871 zunächst herausgestellt, dass das Oberflächen-
wasser der jährlichen Periode der Lufttemperatur fast vollständig folgt, also im
Allgemeinen hohe Sommertemperaturen und niedrige Wintertemperaturen hat;
es bildet hierin einen Gegensatz zu dem Nordseewasser, welches im Sommer
niedrigere und im Winter höhere Temperaturen besitzt, als das Wasser der
Ostsee. Doch sind die Differenzen zwischen den wärmsten und kältesten
Monatstemperaturen für das Wasser geringer, als für die Luft, und fallen auf
einen Monat später (August und Februar).
Das Tiefenwasser der Ostsee lässt auch in Bezug auf die Temperatur
deutlich den Einfluss des in dem Unterstrom eindringenden Nordseewassers er-
kennen, ebenso ist in ihm dio Verschiebung der Jahreszeit für den wärmsten und
kältesten Monat eine stärkere, als an der Oberfläche. So ist in der tiefsten
Stelle des Kieler Hafens (29,3m) der Oktober der wärmste und der März der
kälteste Monat; die Temperatur-Differenz beträgt aber in dieser Tiefo nur 9,2°
yegen 17° im Öberflächenwasser und 22,2° in der Lufttemperatur. Aus den