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Ostsee.
Bei der Betrachtung der Tiefen- und Bodenverhältnisse der Ostsee folgen
wir hier der Darstellung, welche in dem I. Theil des von dem Hydrographischen
A „Segelhandbuch für die Ostsee“ gegeben ist (s. a. a, O.
pag. 50).
„Die Ostsee trägt in Folge des, sie von allen Seiten umschliessenden
Landes weniger den Charakter eines Meeres, als den eines grossen Binnensee’s,
der in seiner äusseren Form sehr unregelmässig, durch viele grössere und
kleinere Ausbuchtungen zergliedert, erscheint. Auch die Verbindung der Ost-
see mit dem Atlantischen Ocean ist nur eine indirekte, sie wird vermittelt durch
die Nordsee, das Skagerrak und das Kattegat, den Grossen und Kleinen Belt
und den Sund.“
„Die Ostsee ist von den europäischen Binnenmeeren das flachste, denn nur
an zwei Stellen von geringer Ausdehnung, im Osten und im Nordwesten der
Insel Gottland, erreicht die Tiefe 245 bezw. 320m, während sie sonst überall
200m nicht übersteigt. In demjenigen Theil der südlichen Ostsee, welcher west-
lich vom Meridian von Bornholm liegt, erreicht die Tiefe noch nicht 56m, erst
östlich von Bornholm nimmt dieselbe zu, hält sich sehr unregelmässig zwischen
60—100m und erreicht dann weiter im Nordosten 130—150m. Verschiedene
grössere und kleinere Bänke bilden Unterbrechungen, deren Bodenbeschaffenheit
der Art ist, dass sie dem Seefahrer eine grosse Hülfe für die Orientirung
bietet. Während nämlich auf den Tiefen, welche mehr als 50m betragen, in
diesem Theile der Ostsee der Boden fast durchgehend aus braunem und grauem
weichem Schlick oder hartem "Thon besteht, ergaben die Grundproben auf den
erwähnten Bänken und bei Annäherung an die flache Küste fast überall feinen
weissen, gelben oder braunen Sand mit kleinen Steinen.“ -
„Auch der Salzgehalt des Wassers der Ostsee ist ein bei weitem geringerer,
äls der des Wassers, anderer Meere, und in Folge dessen ist das erstere denn
auch specifisch bei weitem leichter, als das letztere. Dieser Unterschied in dem
specifischen Gewichte bildet, abgesehen von den Winden, die Hauptveranlassung
zu den in der Ostsee und den sie mit der Nordsee verbindenden Meeresstrassen
vorkommenden Strömungen,“ Ueber diese s. a. a, 0. pag. 51—60 und G. Karsten
im I. bezw. IV.—VI. Jahrg. der Jahresberichte der Kieler Kommission, 1873
und 1878. Wir heben hier aus diesen Quellen, und namentlich nach den
Beobachtungen auf S. M. Aviso-Dampfer „Pommerania“, Kapt.-Lieut. (jetzt
Korv.-Kapt.) Hoffmann, im Sommer 1871 ausgeführten Beobachtungen, nur
diejenigen Angaben hervor, welche sich auf das Verhalten des Salzgehaltes und
der Temperatur des Ostseewassers an der Oberfläche und in den allerdings nur
geringen Tiefen unterhalb derselben beziehen. Geht man von dem Salzgehalte
der Nordsee, der etwa 3!/ %/o beträgt, als Maximum aus, so findet man, dass
schon. im Skagerrak an der Oberfläche eine Abnahme stattfindet, die hier schon
auf etwas unter 3 °g herabsinkt, im nördlichen Theile des Kattegat auf etwas
über 2% und weiter südlich bis auf weniger als 1,75 °/o, im Grossen Belt, bei
Romsö auf 1,270 und endlich im Sunde bei Helsingör auf nur 0,925 %. Dagegen
wurde vor Arendal im Skagerrak und bei Marstrand, im Eingange des Kattegat,
im '"Tiefenwasser wiederholt noch ein Salzgehalt, ungefähr gleich dem des
Atlantischen Oceans, von mehr als 3,6 % gefunden und bis vor Marstrand fast
unverändertes Nordseewasser; selbst in den tieferen Theilen des Kattegat und
des Sundes zeigt sich das salzreichere Tiefenwasser der Nordsee; so ist z. B,
beim Kullen aus einer Tiefe von nur 28m Wasser mit 3,520 °%o und am Eingange
des Sundes vor Helsingör in: 36m Tiefe solches mit 3,354 °/o Salzgehalt geschöpft.
Im Grossen Belt wurden zwischen Korsör und Sprogö, woselbst die Wassertiefe
66m beträgt, bei starker Oberflächenströmung aus Süden ein Salzgehalt von
nur 1°%o beobachtet, der bis zu 19m Tiefe nur sehr wenig zunahm; zwischen
17—19m war Stromstille; io einer Tiefe. von etwas über 20m trat dio von
Norden kommende Tiefenströmung ein, innerhalb deren der Salzgehalt bis zum
Grunde, wo er 3,026 betrug, zunahm, Dieser Tiefenstrom mit grösserem Salz-
gehalt (über 2% o) setzt sich noch weiter fort bis an die holsteinische‘ und
mecklenburgische Küste, in die Kieler, Neustädter und Lübecker Bucht, und
findet sein Ende in der Cadetten-Rinne zwischen Darsserort und Gjedser. Die
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