accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 7 (1879)

261 
dar; aus diesem theilen wir hier diejenigen Ergebnisse.mit, welche uns einen 
Einblick in die allgemeine Bodengestaltung der Nordsee und in die Vertheilung 
der Temperaturen und des specifischen Gewichtes in der offenen Nordsee und 
an einigen ihrer Küstenpunkte gewähren können. 
Vom 21. Juli bis 9. September 1872 unternahm die erwähnte Kieler 
Kommission, bestehend aus den Herren Dr. H. A. Meyer, Dr. K. Möbius, 
Dr. G. Karsten, Dr. V. Hensen und Dr. C. Kupffer, auf dem ihr von Seiten 
der Kaiserlichen Marine zur Verfügung gestellten Aviso-Dampfer „Pommerania“ 
eine wissenschaftliche Untersuchungsfahrt in die Nordsee, bei welcher sie fast 
alle Küsten der Nordsee berührte, dieselbe im Norden von Bergen (Norwegen) 
bis Peterhead (Schottland) und im Süden von Yarmouth (England) bis Texel 
(Holland) durchkreuzte (s. Karte zu Jahresber..II u. III d. Kieler Komm., 1875) 
und in dieser Zeit 255 Beobachtungen über Tiefen, Temperaturen ete, des 
Wassers, Strömungen und Wind und Wetter ausführte. 
Tiefe und Bodengestaltung. Im Grossen und Ganzen ist die Nord- 
see ein sehr seichtes Meer. Ihr Meeresboden bildet einen Theil der grossen 
Bank, auf welcher u. A. die britischen Inseln liegen, und steigt von Norden 
nach Süden und Osten ziemlich regelmässig auf. Die südlichen und östlichen 
Küsten der Nordsee sind von einem viele Seemeilen breiten, aber weniger als 
40m tiefen Meeressaum umgebon; die. kleinere südöstliche Hälfte der ganzen 
Nordsee besitzt kaum irgendwo mehr, als 57m Wassertiefe. Diese flachere 
Hälfte der Nordsee kann man von der etwas tieferen nördlichen ziemlich scharf 
durch eine Linie trennen, welche von der Nordgrenze der Doggerbank bis in 
die Mitte des Skagerrak zwischen Skagen und der norwegischen Küste sich 
erstreckt, Die Doggerbank (Dogger heissen die holländischen Fischerboote) 
bildet ein langgestrecktes submarines Plateau, dessen Längenausdehnung etwa 
?/5 der Breite der Nordsee ausmacht; in der Nähe der englischen Küste steigt 
sie bis auf 15—17m unter dem Wasserspiegel empor, nach Osten sinkt sie bis 
auf 32m hinab. 
Auch der nördlich von der oben erwähnten Linie gelegene Theil des 
Meeresgrundes der Nordsee fällt nur allmählich nach Norden zu ab und erreicht 
nirgends eine Tiefe von 188m (100 rh. Fad.), ausser in der schmalen Rinne, 
welche sich dicht an der norwegischen Küste entlang zieht, sich im Skagerrak 
fortsetzt und dann plötzlich an der schwedischen Küste endet. Die grösste, in 
dieser Rinne von Dr. H. A. Meyer gelothete Tiefe betrug 687m (365-rh. Fad.) 
bei Neerstrand am Buken-Fijord an der Westküste von. Norwegen; weiter nörd- 
lich am Kors-Fjord bei Korsnaes (südlich von Bergen) wurden 635m (337 rh. Fad.) 
gelothet und weiter südlich (schon im Skagerrak) 48 Sm NWzW von Skagen, 
603m (320 rh. Fad.), 32 Sm NWzN von Hirshals 503m (267 rh. Fad.); ferner 
wurden während der Ostsee-Expedition der „Pommerania“ im Juni 1871 auf 
der Höhe vor Arendal (in ca 58!/2° N-Br und 9,3° O-Lg) Tiefen von mehr als 
600m gelothet und ca 20 Sm nördlich von Skagen Tiefen über 200m. 
Ebenso wie die norwegische Küste, fallen alle anderen nördlichen Küsten 
der Nordsee, die schottischen und die von Nordengland entweder schroff ab, 
oder haben doch schon in unmittelbarer Nähe wenigstens 38m (20 rh. End) 
Wassertiefe; dagegen verlaufen alle ‚südlich und östlich von der Doggerban 
gelegenen Küsten sehr flach.) N 
Temperatur-Vertheilung. In der nördlichen Hälfte der. Nordsee 
finden sich im Sommer Wasserschichten von sehr ungleicher Wärme vor, sowohl 
an der Oberfläche, als in allerdings geringen Tiefen unterhalb derselben, Die 
von der Wärme der Sommersonne durchdrungene Wasserschicht ist in dieser 
nördlichen Hälfte der Nordsee durchweg sehr dünn, nicht über 20m mächtig; 
der Uebergang von der überhitzten oberen Schicht in die zunächstliegende kalte 
untere tritt oft ganz plötzlich ein, sowohl im Osten, als im Westen der Nord- 
see. Wir führen als Beispiele an: 
Y Vel. u. A. die Deutschen Admiralitäts-Karten No. 44, 49, 50, 53, 56.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.