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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 7 (1879)

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Kleine hydrographische Notizen, 
li. Bemerkungen über einige Häfen an der Nordküste von Süd- 
Amerika. Der Kommandant S. M. S. „Hansa“, Korv.-Kapt. Hecusner, hat in 
seinen Reiseberichten nachstehende Angaben über die von ihm im Februar d. J, 
besuchten Häfen von La Guayra, Puerto Cabello und Curagao mitgetheilt: 
a) La Guayra.!) „In der Karte „La Guayra- Rhede“ (Tit. VIII, No. 18) 
sind die Wassertiefen nur von Land aus bis zu dem gewöhnlichen Ankerplatz 
angegeben. Es ist dies, besonders wenn man unter Segel ankommen will und 
schon mehrere Schiffe auf der Rhede liegen, — 8so dass man gezwungen ist, 
etwas weiter abzubleiben, — sehr unbequem, da ein Lothen mit dem Handloth 
bei Fahrt auf grösseren Tiefen sehr ungenau, und aus der Karte nicht zu 
ersehen ist, ob man schon in Wassertiefen sich befindet, welche ein Ankern 
gestatten. Die ganz offene Rhede gewährt gegen den östlichen Passat gar 
keinen Schutz, und da in den Wintermonaten der Passat am Tage fast aus- 
nahmslos frisch weht, so hat man fast stets eine hohe Dünung, die bisweilen 
selbst den Verkehr mit dem Lande unterbricht. Der Ankergrund ist gut, so 
dass man bei gutem Ankergeräth ein Treiben des Schiffes kaum zu befürchten 
braucht. Eine Kommunikation mit dem Lande mittelst der eigenen Boote ist 
unthunlich, weil an dem Landungsplatz selbst so hohe Dünung steht, dass stets 
Gefahr vorhanden ist, die Boote schwer zu beschädigen; nur mit den ganz 
leichten, im Hafen gebräuchlichen Booten kann man ohne Gefahr landen; aus 
diesem Grunde war ein derartiges Boot während der ganzen Dauer der An- 
wesenheit des Schiffes gemieihet. Das Laden und Löschen für Kauffahrteischiffe 
ist dadurch ermöglicht, dass einige Schuppen auf Pfählen derartig in die See 
ausgebaut sind, dass die Pfähle theilweise einen Wellenbrecher abgeben, so dass 
die eigens für die örtlichen Verhältnisse gebauten Leichterfahrzeuge hier Ladung 
einnehmen und löschen können. 
Der Ort hat hauptsächlich deshalb Bedeutung, weil er der nächste Hafen- 
platz an der Hauptstadt ist. Ks besteht ein lebhafter Handel mit Deutschland 
und Amerika, der hauptsächlich in deutschen Händen ist; die Haupthäuser sind 
in Curacao und unterhalten in Lo Guayra Filialen. — Es wird Kaffee, Kakao 
und rohe Häute exportirt. 
Für Ausrüstung eines Kriegsschiffes ist der Platz durchaus ungünstig; 
mit Ausnahme von Kaffee, welcher gut und billig ist, sind grössere Vorräthe nicht 
vorhanden. Erbsen, Bohnen und Butter sind überhaupt nicht zu haben. Zucker, 
Reis, Hartbrod und Thee sind theuer, ebenso frischer Proviant. Es besteht 
eine Wasserleitung von den naheliegenden Bergen nach dem Strande; eigene 
Boote können jedoch zum Wasserholen nicht benutzt werden, wegen der fast 
stets herrschenden hohen Dünung. Wasser, in Fässern längsseit gebracht, wurde 
zu 2,4 Pfennige der Liter offerirt. Kohlen, Inventar und Material sind hier nicht 
zu haben, ebensowenig sind irgendwie nennenswerthc Reparaturen auszuführen.“ 
b) „Puerto Cabello ist der bedeutendste Hafen an der Küste von 
Venezuela, hauptsächlich in Folge seiner günstigen Lage, die es den Kauffahrtei- 
schiffen gestattet, längsseit des Landes Ladung zu nehmen und zu löschen. Die 
Handelsartikel bestehen wie in La Gwuayra hauptsächlich aus Kaffee, Kakao 
und rohen Häuten für den Export, und aus fast allen übrigen Handelsartikeln, be- 
sonders viel Manufakturwaaren für den Import. Der Handel befindet sich zum 
allergrössten Theil in deutschen Händen. 
Für Ausrüstung eines Kriegsschiffes ist der Hafen fast ebenso ungünstig 
wie La Guayra. Kohlen, Inventar und Material sind hier nicht zu haben; Proviant, 
mit Ausnahme von Kaffee, ist sehr theuer bezw. nicht vorhanden. Das einzige, was 
gut und billig zu haben ist, ist Wasser. Es besteht eine Wasserleitung, welche 
in einem etwa 60m vom Bollwerk entfernten kleinen Bassin endigt; aus diesem 
wird das Wasser vermittelst des Druckwerks in die eigenen Boote gepumpt. 
Es wurden zu dieser Arbeit, um bei der Hitze die Gesundheit der Besatzung 
nicht zu gefährden, Arbeiter vom Lande angenommen zu einem Lohn von 
2 Dollar den Tag. — Es existirt eine kleine Eisengiesserei und Maschinenbau- 
Werkstatt; dieselbe soll leistungsfähig sein, aber schr hohe Preise haben.“ 
) Vel. „Ann. d. Hydr, ete.“, 1879, pag. 149.
	        
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