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das Schiff bis zum 3. Juli nach 41° N-Br in 12° W-Lg geführt hatten, erhielt
man schon hier östlichen Wind, der sich als der Anfang des NE-Passats aus-
wies. Von frischer Brise begünstigt, kreuzte die Bark hierauf 30° N-Br in
19,5° W-Lg am 8. Juli, 20° N-Br in 26,5° W-Lg am 11. Juli und 10° N-Br in
29° W-Lg am 18, Juli. In 14° N-Br endete der bis dahin kräftig wehende
Passat, nordwestliche Winde und Mallung folgten auf ihn, bis am 20, Juli in
8,8° N-Br und 28,2° W-Lg wieder frischer südwestlicher Monsun einsetzte. Es
wurde dann nach SO gesteuert, bis das Schiff am 27. Juli nach 3,7° N-Br
in 21° W-Lg gekommen war, wo bei rw Südwinde gewendet wurde, Sowie
man dann weiter nach Westen segelte, raumte der Wind allmählich, und am
29. Juli wurde in 27,5° W-Lg der Aequator überschritten. Die Dauer der Reise
von Lizard bis hierher betrug 34, von 30° N-Br her 22 Tage.
Auf der südlichen Halbkugel wehte der frische Passat anfänglich aus
einer sehr südlichen Richtung; das Schiff wurde dadurch gezwungen, so dicht
wie möglich am Winde zu halten, damit man der brasilianischen Küste nicht
zu nahe käme. „Bylgia“ gelangte nach 10° S-Br in 33,2° W-Lg am 3. August,
nach 20° S-Br in 35,7° W-Lg am 8. August und nach 30° S-Br in 29° W-Lg
am 11, August. Günstig war die ungewöhnlich weit nach Süden reichende Aus-
dehnung des Passatgebietes. Erst in 31,5° S-Br und 26° W-Lg lief der Wind
um nach NE, um später auch aus dieser Richtung noch für längere Zeit sehr
frisch zu wehen, Die ersten westlichen Winde erhielt man in 35,5° S-Br. Am
19. August, 20 Tage später, als die Linie überschritten worden war, ging „Bylgia“
in 36,5° S-Br von westlicher in östliche Länge über.
Den Breitenparallel von 40° S-Br. überschritt die Bark erst am 26. August
in 21,5° O-Lg, und nur sehr kurze Zeit hielt das Schiff sich südlich desselben
auf, denn schon in 32° O-Lg befand man sich wieder nördlich von 40° S-Br.
Zum Ablaufen der Länge wurde eine ziemlich günstige Gelegenheit angetroffen,
doch. wehten an einigen Tagen auch Gegenwinde. In 33,8° S-Br passirte am
12. September das, jetzt 24'% Tage in östlicher Länge befindliche Schiff den
Meridian von 80° Ost.
Ein besonders günstiger Westwind führte die Bark hierauf bis zum
16. September in 24° S-Br und 89,5° W-Lg an die polare Grenze des SE-Passats,
Der in dessen Gebiet angetroffene, sehr frische Wind brachte die Bark nach
20° S-Br in 89,8° O-Lg am 18. September und nach 10° S-Br in 89,9° O-Lg
am 21. September. In 2,5° S-Br und 90,1° O-Lg endete der Ostwind, um einem,
nach wenigen Stunden der Windstille einsetzenden, sehr lebhaften Westwinde
den Platz einzuräumen. Am 25. September wurde in 91,8° O-Lg bei heftigem
WNW-Wind der Aequator überschritten; am 27. September befand sich „Bylgia“
in 5,2° 'N-Br und 93° O-Lg und am 29. September wurde die Insel Great
Nikobar erblickt. Der letzte Theil der Reise nahm schliesslich einen etwas
langsameren Verlauf, man fand während desselben leichte umlaufende Winde,
doch gelang es, Penang am 5. Oktober zu erreichen. Die Reisedauer von Lizard
her betrug 100 Tage.
Reihentemperatur-Messungen im nördlichen Indischen Ocean,
genommen an Bord S.M. S. „Luise“, Korv.-Kapt. Schering.
Während, Dank den Expeditionen der „Gazelle“, des „Challenger“, der
„Tuscarora“ und des, Vöringen“, in den letzten Jahren die vertikale Temperatur-
vertheilung au zahlreichen Stellen des Atlantischen, Stillen, südlichen Indischen
und arktischen Oceanes von der Oberfläche bis zu mehr oder weniger grossen
Tiefen unterhalb derselben und in den meisten Fällen bis zum Meeresboden
selbst fostgestellt und daraus wichtige Schlüsse auf die Temperaturvertheilung
in den betreffenden Oceanen in vertikaler und horizontaler Richtung gezogen
werden konnten, fehlte es für den nördlichen Indischen Ocean an solchen
Reihentemperatur-Messungen mit zuverlässigen Instrumenten bisher noch fast
yänzlich. Ausser einigen wenigen von Blosseville (1827 und 1828), Pratt (1838),