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Während der Anwesenheit des Kanonenbootes auf der Rhede von Colombo
ankerten hier so viele Schiffe und Fahrzeuge, dass diese nur vertäut im fertigen
Hafen Platz haben würden. Der während der Anwesenheit des Fahrzeuges
herrschende Nordwind, von den dortigen Europäern „longh shore wind“ go-
nannt, soll freilich nur 14 Tage und gewöhnlich nur im December wehen. In
diesem Jahr trat er später auf und machte den Aufenthalt auf der dortigen
Rhede sehr unsicher und unangenehm. Die Schiffe stampften so sehr, dass bei
einigen sogar der ganze Vorsteven mit einem Theil des Kiels aus dem Wasser kam.
Als Ausrüstungs-Hafen ist Colombo nicht zu empfehlen. In Folge des
ziemlich starken Dampferverkehrs sind freilich Kohlen immer auf Lager, aber
aller sonstige Proviant ist nur sehr schwer und verhältnissmässig auch theuer
zu beschaffen, da Colombo in Bezug auf Ausrüstungs-Artikel für Schiffe fast ganz
auf fremde Plätze angewiesen ist.
Bei Beschaffung von Schiffsbedürfnissen dürfte es sich empfehlen, die-
selben durch in Pfund Sterling ausgestellte Wechsel zu bezahlen, anstatt in
englischem Golde, weil zur Zeit der Anwesenheit des „Wolf“ in Colombo das
Pfund Sterling in Gold nur zu 11'/% bis 12 Rupees unterzubringen gewesen wäre,
wogegen der Wechselkurs für ein Pfund Sterling 12,15 Rupees betragen hat.
Handelsschiffe, welche in der Zeit von Sonnabend 2* p. m. bis Montag
Morgen Ladungen löschen oder einnehmen, haben den Zolloffizieren für das
Aufgeben dieser ihrer sonst dienstfrei bleibenden Zeit eine besondere EKnt-
schädigung zu zahlen.“
2. Reise von Colombo bis Singapore. — Januar 1879.
„Am 20. Januar verliess ich um 11* a, m. die Rhede von Colombo. Unter
Dampf fuhr ich längs der Küste südwärts, passirte Abends um 7* den Hafen
von Point de Galle, dessen Leuchtfeuer gesehen wurde, und befand mich um
Mittag in der Nähe von Little Barras auf 6° 13,7‘ N-Br und 81° 36,5‘ O-Lg.
Ich hatte mir vorgenommen, unter Dampf so weit nördlich zu steuern, dass ich
später mit NE-Wind die Strasse von Malakka unter Segel erreichen könne, und
liess daher von diesem Mittagsbesteck aus NE steuern, was ‚um so leichter war,
da die See ganz ruhig und nur ganz leichter Wind, Stärke 0 bis 1, aus Ost
und ESE wehte. Das Wetter und auch grösstentheils der Wind blieben sich
gleich, und befand sich S. M. Kbt. „Wolf“ schon am 23. Januar Morgens auf
9° 33‘ N-Br und 86° 50‘ O-Lg. Der Wind war NE, Stärke 3 bis 4; das Mittags-
besteck an diesem Tage ergab 9° 27‘ N-Br und 86° 43,3‘ O-Lg. Der Wind hielt
jedoch nicht lange an, flaute vielmehr immer mehr ab, ging südlicher und starb
schliesslich am 27. Januar (5° 32‘ N-Br und 90° 56‘ O-Lg) ganz fort. Ich
setzte nun den Kurs auf die Südspitze der grossen Nicobar-Insel, die am Morgen
des 29. Januar mit Tagesanbruch in Sicht kam. Da der Wind immer recht von
vorne d. h. aus ENE wehte, der Strom täglich das Fahrzeug ca 30 Sm zurücksetzte,
so wurde die Reise hierdurch bedeutend aufgehalten. In der Nacht vom 29.
auf den 30. Januar lief ich in die Malakka-Strasse ein, bekam aber erst am
31. Januar Nachmittags das erste Land, die Insel Pulo Jarra, in Sicht, welche
ich ungefähr 2 Sm in NW'LN passirte. Abends 9* näherte ich mich den gefähr-
lichen Untiefen der Bank North Sand und liess hier jede halbe Stunde lothen.
Das Feuer der Ein Faden-Bank kam um 2° 30° p. m. in Sicht, doch war es so
dunkel geworden und der ganze Himmel so drohend, dass ich es vorzog, zu
ankern. Ich ankerte daher um 3% auf 21m Wassertiefo mit 110m Kette, das
Feuer in S0’'4S, 10 Sm Entfernung. Um die nächsten Untiefen bei Tage zu
passiren, blieb ich hier bis 10% a. m. am 1. Februar liegen, lichtete dann Anker
und erreichte am Abend des 2, Februar die Rhede von Singapore, wo ich um
Eh auf 11m Wassertiefe ankerte.
Ist die Reise S. M. Kbt. „Wolf“ hiernach auch gerade keine schnelle zu
nennen, so glaube ich dieselbe doch als eine recht günstige bezeichnen zu können.
Ganz gegen den herrschenden Monsun, der östlich von Ceylon fast nie NE, son-
dern ENE bis Ost wehte, — ein Strom, der vom 26. Januar ab mit wenigstens
1 Sm die Stunde das Schiff zurücksetzte, waren Hindernisse, die eine schnelle
Reise zur Unmöglichkeit machten.