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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 7 (1879)

AG 
Aus den Reiseberichten S.M.S. „Bismarck“, Korv.-Kapt. Deinhardt. 
Reise von Montevideo durch die Magellan-Strasse bis Valparaiso 
im Januar und Februar 1879, ; 
Am 27. November 1878 segelte S. M.S. „Bismarck“, Korv.-Kapt. Dein- 
hardt, aus Wilhelmshaven, um durch die Magellan-Strasse nach verschiedenen 
Inselgruppen des südlichen Stillen Oceans sich zu begeben, Die Korvetto 
berührte auf dieser Reise zunächst die Häfen von Plymouth, Funchal auf Madeira 
and Montevideo. Au letzterem Orte traf der „Bismarck“ am 12, Januar 1879 
ein und verweilte daselbst bis zum 21. Januar. An diesem Tage setzte das 
Schiff die Reise fort, passirte die Magellan-Strasse und die Fahrwasser an 
der Westküste von Patagonien und traf am 22. Februar in Valparaiso ein. 
Ueber diese letztere Reise berichtet Korv.-Kapt. Deinhardt, wie folgt. 
„Am 23, Januar trat bei stetigem nordöstlichem Wind Nebel ein und dieser 
hielt beinahe vier Tage mit kurzen Unterbrechungen an. Am 26. Januar Nach- 
mittags klarte es endlich auf, und ging der Wind auffrischend über Ost nach 
Süd, ohne dass das Barometer, welches seit Abgang von Montevideo langsam 
aber stetig gefallen war, dies durch eine Veränderung andeutete. Gegen 10 Uhr 
wehte schon voller Sturm aus Süden, so dass nur dicht gereeftes Grossmars- 
segel und Sturmfock geführt werden konnte. Der Wind war von sehr starkem 
Regen begleitet. Auf der Morgenwache endlich stieg das Barometer von 741 
um 4mm in zwei Stunden; der Wind lief südlich, wurde aber schwächer. 
Nachmittags ging der Wind auf SW, und auf der Mittelwache sogelte das Schiff 
wieder vor frischem nördlichem Wind. Es war während des Windes fast gar 
keine See aufgekommen und die gewöhnlich nach dem Sturm zurückbleibende 
Dünung blieb ganz aus. Am 28. Januar um 4* a.m. sprang der Wind plötzlich 
von NNW, Stärke 6, ohne jeglichen Uebergang mit einer sehr schweren Bö auf 
Süd um. Der Wind war so heftig, dass ich vor demselben abhalten musste, 
obgleich alle Segel bis auf Sturmfock und die Marssegel (Raaen auf der Kappe, 
Reeftaljen ausgeholt) geborgen waren, Wiederum hatte das Barometer keine 
Anzeichen hiervon gegeben, sondern war während der Mittelwache gefallen, 
Äng erst drei Stunden, nachdem die Bö umgeschlagen war, wieder an zu steigen. 
Der südliche Wind dauerte mit wechselnder Stärke bis zum 30. Januar Mittags. 
Die letzten 18 Stunden lag das Schiff wieder unter dicht gereeftem Grossmars- 
segel und Stagsegel bei. — Der Wind ging jetzt auf West und wurde dann wieder 
SW mit festem Barometerstand. Am Abend des 2. Februar war es vollständig still. 
Da ich nur noch etwa 200 Sm vom Kap Virgins ab war, machte ich in zwei 
Kesseln Dampf und ankerte am 4. Februar um 0* 15" a.m. östlich vom Kap 
Virgins, da die Nacht zu dunkel war, um die Sarmiento - Bank sogleich zu 
yassiren, und ausserdem der Strom auslief. Vom 28, Januar bis zum 2. Februar 
war eine Stromversetzung von durchschnittlich 36 Sm NNE den Tag beobachtet 
worden.) Am 4. Februar um 4" a. m, lichtete ich Anker und dampfte gegen 
starke westliche Brise in die Magellan-Strasse. Der Fluthstrom, der sonst auf 
3 bis 4 Knoten angegeben wird, zeigte sich sehr schwach, so dass ich den 
Aritten Kessel in Betrieb setzte, worauf das Schiff gegen die ziemlich schwere 
See auf der Bank 8 Sm Fahrt machte. Um 11% ankerte ich in der Possession- 
Bucht, lichtete um 4* wieder Anker, da der Wind etwas nachliess und um 5" 
die Fluth einsetzen musste, und dampfte in die Strasse. Der Strom war so 
schwach, dass er nicht bemerkbar war. Um 9* 20m ankerte ich wegen Dunkel- 
heit in der Gregory-Bucht und dampfte am folgenden Tage (5. Februar) nach 
Punta Arenas, wo ich um 10" a, m. ankerte. Ich nahm im Laufe des Tages 
Holz und Wasser, sowie frischen Proviant, der hier gut und preiswürdig ist, 
ein. Wasser ist an dem in der Karte und Segel-Direktion angegebenen 
„watering place“ nur sehr spärlich und nicht besonders, dagegen in dem Flusse 
nördlich der Stadt reichlich und sehr gut vorhanden. Der kleine Fluss fliesst 
über ein Bett von Kies und Steinen, so dass das Wasser krystallhell ist. Doch 
ist hier der Uebelstand, dass die Boote wegen der Brandung nicht in die Nähe 
‘) Hier läuft nach den Stromkarten der sogenännte brasilianische Küstenstrom nach SSW. 
A, dd, R.
	        
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