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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 7 (1879)

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die durch das Anstossen des fliessenden Wassers an Unebenheiten des Bodens 
durch Wind u. s. w. erzeugten partiellen transversalen Strömungen mitbestimmend 
auf den Ort der grössten Geschwindigkeit einwirken, worauf weiterhin noch 
zurückgekommen werden wird. Die Differenz der spezifischen Gewichte ist eine 
vom Grade der Niederschläge und der Verdunstung abhängige variable Grösse, 
und so wird die Tiefe der grössten Stromgeschwindigkeit — namentlich bei 
der Fluth — ebenfalls variabel sein. So haben wir eine Erklärung dafür, dass 
die grösste Geschwindigkeit bei dieser nicht selten selbst in 5 und 10m Tiefe 
gemessen worden ist und dass bei den Messungen in 4m Tiefe, die hier nicht 
weiter diskutirt worden sind, auffallend oft — d. h. im Verhältniss zur 
Beobachtungszahl weit öfter als in 5 und 10m Tiefe — eine grössere Ge- 
schwindigkeit, als an der Oberfläche gefunden wurde. Es braucht wohl kaum 
noch erwähnt zu werden, dass diese Theorie eine absolut grössere Geschwindig- 
keit in der Tiefe, als an der Oberfiäche keineswegs verlangt; die relative Be- 
schleunigung in der Tiefe wird — vielleicht sogar in den meisten Fällen —- 
nur dadurch in die Erscheinung treten, dass das Wasser in der Tiefe der 
Oberfläche gegenüber etwas weniger zurückbleibt, als es für ganz homogenes 
Wasser gesetzmässig ist. Dies kommt nun durch Tabelle VI zum Ausdruck. 
Bei der Ebbe wird etwas Analoges, aber doch nicht genau in entgegen- 
gesetztem Sinne stattfinden. Während nämlich das schwerere Wasser der Fluth 
beim Zusammentreffen mit leichterem sinkt und dadurch die Erscheinung erst 
ermöglicht, braucht das leichtere Wasser der Ebbe nicht zu steigen, da es ge- 
wöhnlich bereits oben sein wird, Wir müssen uns hier die Sache vielmehr so 
denken, dass, wenn der Wasserspiegel in Folge des Eintritts der Ebbe in See 
{vor der Jade-Mündung) sich gesenkt hat, zunächst das obere leichtere Wasser 
der Jade ins Abfliessen geräth und das untere schwerere ihm erst allmählich 
nachfolgt. Während also bei einem Flusse das Gefälle der Sohle die alleinige 
Ursache der Strömung ist, spielt hier die ja auch stattfindende Bodensenkung 
nach dem Meere hin nur eine Nebenrolle, und es ist das Fallen des Meeres- 
apiegels die Hauptursache der Bewegung. Dass die Ebbe wirklich zuerst an 
der Oberfläche zu strömen beginnt, dafür liegt übrigens auch eine Anzahl von 
Beobachtungen vor, bei denen oben bereits 0,13 bis 0,35m Strom lief, während 
in der "Tiefe noch völlig stilles Wasser war. 
Es kann nun freilich vorkommen, dass das Ebbewasser spezifisch schwerer 
wird als das Fluthwasser. Letzteres hat — als vorzugsweise aus Seewasser 
bestehend — im Allgemeinen eine sehr gleichmässige und verhältnissmässig 
hohe Temperatur. Die Temperatur der Niederschläge kann sehr gering werden 
und das Ebbewasser ebenfalls sehr abkühlen. Die Temperatur übt aber einen 
sehr erheblichen Einfluss auf das spezifische Gewicht, und so könnte auch das 
Ebbewasser in einzelnen Fällen bei der Bewegung eine sinkende Tendenz an- 
nehmen. Auch der Wind mag häufig das Oberflächenwasser derart aufrühren, 
dass Theile davon eine abwärts gerichtete Bewegung annehmen. So erklären 
sich vielleicht die wenigen Fälle, in denen auch bei Ebbe eine raschere Be- 
wegung in der "Tiefe, als an der Oberfläche gemessen worden ist, soweit die 
Ursache hierfür nicht etwa eine allgemeine, auch für Flüsse gültige ist, worauf 
wir am Schlusse zurückkommen. 
Wenn nun endlich — wie es nach Tafel VI den Anschein hat — ein Abnehmen 
der Beschleunigung der Fluth in den unteren Schichten mit den Stunden der- 
selben und ein Zunehmen der Verlangsamung der Ebbe mit ihrer Dauer statt- 
findet, so wäre dies bei der Fluth dadurch erklärlich, dass das in den letzten 
Stunden zuströmende Wasser an der betreffenden Stelle kein oder wenig Wasser 
mit geringerem specifischem Gewichte mehr vorfindet, während bei der Ebbe 
das letzte Wasser am wenigsten salzig, also am leichtesten deshalb sein wird, 
weil das aus dem Abwässerungsgebiet der Jade zuströmende Süsswasser im 
Verhältniss zu dem im Jadebusen in den letzten Stunden der Ebbe, wo sich 
derselbe zur Hälfte bereits entleert hat, noch vorhandene Salzwasser ja eine 
erheblich grössere Quantität vorstellt, als in den ersten Stunden.
	        
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