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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 7 (1879)

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Die vorstehende Tabelle zeigt beim Vergleich mit Tabelle IV ‚zunächst, 
dass das Voreilen des Fluthstroms und das Zurückbleiben des Ebbestroms in 
der Tiefe — wie dies auch schon aus den vorangegangenen Erörterungen folgte 
— nur in geringem Massse auf die Windwirkung zurückzuführen ist, denn es 
tritt dasselbe hier ja fast in derselben Stärke auf, wie dort. Es verschwindet 
in Tabelle VI allerdings ein Theil des so bedeutenden Zurückbleibens des 
Tiefenwassers in der letzten Ebbestunde der Tabelle IV, und dieser Theil des 
Zurückbleibens der Tiefe oder, was dasselbe ist, des Voreilens der Oberfläche 
zu einer Zeit, wo die Ebbe nur noch sehr schwach läuft, ist daher sicher auf 
Rechnung des vorherrschenden Südwindes zu setzen. WUeberhaupt werden die 
grösseren Unregelmässigkeiten, welche Tabelle IV im Vergleiche mit Tabelle VI 
zeigt, als durch den Wind erzeugt, angesehen werden können. - 
Die stündliche Vertheilung der procentlichen Abweichungen hat aber 
auch in dieser Tabelle noch kein regelmässiges Bild angenommen, was nament- 
lich an der Gestaltung der Strömung auf der 10m-Tiefe liegt. Wendet man 
das sub 2 in Bezug auf den Einfluss der Bodengestaltung Gesagte auf die be- 
treffenden Rubriken der Tabelle VI.an, so ergäbe sich, dass bei der Fluth die 
Beschleunigung in den ersten beiden Stunden und bei der Ebbe die Verlang- 
samung in den ersten beiden Stunden in der Tabelle etwas zu gross erscheint. 
Man erhält dann sogleich ein etwas regelmässigeres Bild, was sich ganz fest 
freilich nicht gestalten lässt, weil es dafür ja an den genauen Daten fehlt. Im 
Allgemeinen scheint aber bei der Fluth mit den Stunden derselben eine allmäh- 
liche Abnahme der Beschleunigung, bei der Ebbe eine allmähliche Zunahme der 
Verlangsamung übrig zu bleiben. . 
4. Für diese Erscheinungen, d. h. also für die Beschleunigung der 
Wasserbewegung des Fluthstroms in der Tiefe und die Abnahme dieser Be- 
schleunigung beim Vorschreiten der Fluth und für die Verlangsamung des 
Ebbestroms in der Tiefe und die Zunahme derselben mit den Stunden der Ebbe 
haben die bisher herangezogenen Erklärungsgründe einen Aufschluss nicht 
gewährt und es scheint daher angezeigt, nunmehr auch noch die physikalische 
Konstitution des Wassers der Jade in Rechnung zu ziehen. Die Fluth führt 
stark salzhaltiges Meerwasser die Jade aufwärts in das grosse Jade-Bassin; das 
Wasser trifft auf seinem Wege aber überall bereits Wasser an, welches weniger 
salzhaltig ist. Der Ebbestrom führt das Meerwasser zurück — jedoch nicht 
blos dieses Wasser, sondern mit demselben auch das süsse Wasser, welches 
der Jade während der Fluth und Ebbe aus ihrem Entwässerungsgebiete fort- 
gesetzt zugeführt wurde, und welches daher spezifisch leichter sein muss als 
das Wasser, welches der Ebbestrom auf seinem Wege antrifft. Man kann also 
im Allgemeinen annehmen, dass das durch die Fluth zugeführte Wasser schwerer 
ist als dasjenige, auf welches es bei der Fortbewegung stösst, und daher das 
Bestreben haben wird, nach unten zu sinken, und dass das Umgekehrte in Be- 
zug auf die Ebbe gilt. An anderen Orten angestellte Beobachtungen, z. B. die 
von 8. M. S. „Gazelle“ in der Congo-Mündung gemachten, haben durch Messungen 
des specifischen Gewichtes und des Stromes das Zutreffende dieser Annahme 
auch ganz klar ergeben, indem das leichtere Ebbewasser hier vorzugsweise an 
der Oberfläche ausströmte, das schwere Fluthwasser aber vorzugsweise in der 
Tiefe einströmte. ; 
Es ist dann ganz natürlich, dass das salzigere Wasser, welchem durch 
die in See entstandene Fluthwelle die erste Bewegung ertheilt worden ist, wenn 
es in Folge seiner Schwere beim Zusammentreffen mit dem in der Mulde bereits 
vorgefundenen leichteren Wasser hinabsinkt, die unteren Schichten in relativ 
grössere Bewegung versetzt, Dem wirkt aber die nach dem Boden in Folge 
vermehrten Einflusses der Reibung zunehmende Tendenz der Hemmung direkt 
entgegen. Diese entgegengesetzten Kräfte werden nun die Erscheinung hervor- 
bringen, dass die grösste Geschwindigkeit bei der Fluth gewöhnlich nicht den 
Wasserschichten an der Oberfläche, sondern denjenigen in irgend einer Tiefe 
unterhalb derselben zukommt. Wo diese Tiefe liegt, wird — da die Reibung 
im Allgemeinen als ein konstanter Faktor angesehen werden kann’ und stets 
dahin wirkt, den Ort der grössten Geschwindigkeit an die Oberfläche zu ver- 
legen — wesentlich von der Differenz der specifischen Gewichte der zusammen- 
treffenden Wassermassen abhängen; freilich werden in gewissem Maasse auch
	        
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