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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 7 (1879)

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Wir geben vorstehend zunächst diese Reihentemperaturmessungen (°C) des 
„Challenger“}) während der zweimaligen Durchkreuzungen des Golfstromes und 
die kurz vor und nachher genommenen zum Vergleich mit jenen. 
Die beiden ersten Temperaturreihen vom 29. April und 1. Mai 1873 und 
die gleichzeitig ausgeführten Strommessungen zeigen, dass der Golfstrom, in 
dem engeren Sinne des Wortes genommen, nämlich als die Masse von warmem 
Wasser, welche aus der Strasse von Florida austritt, und bis zu einer geringen 
Entfernung von der nordamerikanischen Küste eine nordöstliche Richtung ver- 
folgt, im Beginn des Mai 1873 an der Stelle, wo der „Challenger“ ihn durch- 
kreuzte, ungefähr 60 Sm breit, 180 Faden (183m) tief war, und eine Geschwindigkeit 
von 3 Sm die Stunde besass (s. Wyv. Thomson: „The Atlantic“, I, pag. 371). 
Ohne Zweifel schwankt das Volumen und die Geschwindigkeit des Golfstromes 
je nach den Jahreszeiten und meteorologisehen Zuständen zwischen nicht sehr 
engen Grenzen hin und her, welche erst durch spätere systematische Unter- 
suchungen bestimmt werden können. Bis dahin muss man sich an dieser 
an Ort und Stelle gewonnenen Schätzung der Mächtigkeit und Stärke des 
Golfstromes in diesem Theile desselben begnügen. Jedenfalls ist aber durch 
die Tempoeraturreihen vom 29. April bis 2. Mai die von der amerikanischen 
Küstenvermessung schon früher nachgewiesene Thatsache bestätigt, nämlich 
die; dass der kalte Labradorstrom, welcher durch den Golfstrom gegen die 
amerikanische Küste hingedrängt ist und bis nahe an die Oberfläche reicht, unter 
den Golfstrom bis zu einer gewissen Tiefe hinabtaucht. . 
Vergleicht man die beiden Reihen vom 29. April und 1. Mai, so findet 
man, dass in einer Tiefe von 183m (100 Faden) die Temperatur an beiden 
Stellen nahezu dieselbe ist (18,1° u. 18,3°);. in 366m (200 Faden) sind die 
Temperaturen schon sehr verschieden, nämlich 17,4° in der ersteren (ausserhalb 
des Golfstromes) und 11,1° in der zweiten (unterhalb des Golfstromes); in 
550m (300 Faden) ist der Temperaturunterschied noch bedeutender, nämlich 
8,8° (17,0° und 8,2° Temperatur an den betreffenden Stellen); in 730m 
(400 Faden) sind die Temperaturen 13,7° und 6,6°; in 914m (500 Faden) 8,7° 
und 5,7° und in 1100m (600 Faden) Tiefe war der Unterschied noch geringer, 
nur 1°, nämlich zwischen 5,3° und 4,3°. Die dritte Temperaturreihe vom 2. Mai 
stellt die Temperaturvertheilung nach der Tiefe im sogenannten „kalten Wall“ 
zwischen den Küsten der Vereinigten Staaten und dem Golfstrome dar und 
zeigt die auffallenden Temperaturunterschiede des Wassers der oberen Schichten, 
sobald man aus dem Golfstrome in das Gebiet des „kalten Walles“ gelangt. 
Die abwechselnd warmen und kalten Streifen des Golfstromes zwischen 
Halifax und den Bermudas durchkreuzte der „Challenger“, wie erwähnt, vom 
23. bis 26. Mai, und zwar den ersten warmen Streifen am 23. Mai 8'/" a, m., 
den zweiten um 1*a. m. am 24., den dritten um 8* a, m., den vierten um Mitter- 
nacht vom 24, zum 25. Mai und den fünften um 1* 30” p. m. am 26. Mai; während 
des ganzen Tages am 25. Mai durchschnitt der „Challenger“ einen breiten 
Streifen kälteren Wassers. Die drei in der obigen Tabelle gegebenen Tempe- 
raturreihen beziehen sich auf die Messungen innerhalb der warmen Streifen; 
leider besitzen wir keine Messungen für die kalten Streifen. Der Golfstrom 
erreicht in diesem breiteren und durch kalte Streifen gespaltenen Theile eine 
grössere Tiefe, als weiter südwestlich in dem schmaleren Theile bis zur Nähe 
von Sandy-Hook, und nähert sich in seinem thermischen Charakter mehr dem- 
jenigen des grossen Gebietes der wärmeren Wassermasse zwischen 30°— 
40° N-Br und 70°—40° W-Lg (s. sub 6). . 
ad 6. Für dieses oben erwähnte Gebiet liefert der Diagonalschnitt des 
„Challenger“ zwischen Bermuda und New York (April 1873) und der Querschnitt 
zwischen Bermuda und den Azoren bis Madeira (Juni und Juli 1873) einigen 
Anhalt, leider bis jetzt den einzigen; wiederholte und in engere Zonen 
gedrängte Reihentemperaturmessungen in diesen Gebieten und zu verschiedenen 
Jahreszeiten vorgenommen, würden uns über die Wärmevertheilung des Wassers 
im nordatlantischen Ocean bis in das Polarmeer hinein, erst den richtigen Auf- 
schluss geben können. Die nachstehenden Reihentemperaturmessungen des 
„Challenger“ vom April bis Juli 1873 zeigen indessen das Vorhandensein dieser 
relatir warmen Wassermasse in einer Zone zwischen 38°—32° N-Br und 
70°—40° W-Lg. ; 
4) Wir folgen hierbei den Zahlenangaben in Sir Wyv. Thomson’s „The Atlantic“, Voll, mit 
theilweiser Ergänzung aus den "Tabellen der Reihentemperaturen im Nordatlantic in „Chall. Rep.“ No. 7
	        
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