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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 7 (1879)

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bewegung nach NO bis nach Norwegen und noch weiter hinauf den Namen 
Golfstrom-Trift erhalten, obwohl sie ihren Ursprung nicht im Golfstrom selbst, 
sondern höchst wahrscheinlich in der Fortführung des durch fortgesetzte Inso- 
Jation stärker erwärmten tropischen Wassers unter der Oberfläche in hohe 
Breiten und in der durch die Erd-Rotation bewirkten Ablenkung desselben nach 
NO hat. 
7. In den tropischen Theilen des Atlantischen Oceans ist die Temperatur- 
Abnahme von der Oberfläche bis zu den geringen Tiefen von 91m (50 Faden) 
am bedeutendsten und auffallendsten und heträgt in manchen Fällen 13° bis 
14° C., namentlich in den Monaten März und April, in welchen auch das Ober- 
flächen-Wasser die höchste Temperatur, bis zu 29°, hat. Ebenso ist in der 
kalten Rinne im südwestlichen Theile des Atlantischen Oceans die Abnahme der 
Temperatur von der Oberfläche bis zu 91m sehr bedeutend. 
8. Die Tiefen-Isothermen oder Isothermobathen!) von 4° bis 5° (ca 40° F.) 
bilden die Grenzen zwischen dem relativ wärmeren oberen und dem kalten 
unteren Wasserder Meerestiefen. Letztereshatseinen Ursprung in dem antarktischen 
Oceanbecken und in dem Südocean zwischen dem Parallel von 50° S-Br und 
dem südlichen Polarkreise. Die verschiedene Tiefe dieser Isothermobathen 
unter der Meerosoberfläche vermag das grössere oder geringere Empordrängen 
des kalten antarktischen Wassers bis in die Nähe der Oberfläche anzuzeigen 
(vergl. sub 2). 
Die hier vorgeführten allgemeinen Sätze mögen durch nachstehende Ein- 
zelnheiten in einigen Punkten näher erläutert werden. . 
ad 1. Durch die Messungen des „Challenger“ im Februar und März 1876, 
auf seiner Heimreise von den Falkland-Inseln bis Montevideo und von da quer 
durch den Süd-Atlantie bis Tristan d’Acunha, ist die schon auf der Ausreise 
im August und September 1873 von Sir G. Nares zwischen St. Paul’s Rocks, 
Fernando Noronka und der nahen Küste von Südamerika, also in der Nähe des 
Aequators, nachgewiesene kalte Wasserrinne weiter nach Süden hin bis 35° 
.—42° S-Br und 55°—33° W-Lg verfolgt und festgelegt. In 41° 54‘ S-Br 
und 54° 48' W-Lg betrug die Bodentemperatur in einer Tiefe von 4435m 
(2428 Faden) — 0,4° und zwischen 36° bis 38° S-Br und 48° bis 33° W-Lg 
zeigten 7 Messungen Bodentemperaturen von — 0,3° bis — 0,6° in Tiefen von 
4500—5300m (ca 2500 — 2900 Faden). Auch die „Gazelle“ hat im Februar 
1876 zwischen 34°—35° S-Br und 42°—32° W-Lg in Tiefen von 4480 und 
3950m niedrige Bodentemperaturen von 0° und 0,4° gefunden. (s. „Ann, d. 
Hydr.“, 1876, pag. 368.) Nach Norden zu lässt sich dieses kalte Bodenwasser 
in dem westlichen Becken des Süd-Atlantie noch durch einige Messungen des 
„Challenger“ und der „Gazelle“ weiter verfolgen. Auf der Route zwischen 
Bahia und dem Kap der guten Hoffnung fand im Oktober 1873 zwischen 20° 
-—30° S-Br und 35°—28° W-Lg Kapt. Nares in Tiefen von 3900—4300 m 
Bodentemperaturen von 0,6° bis 0,8°, und Frhr. von Schleinitz auf der Heim- 
reise der „Gazelle“ im März 1876 zwischen 22°—14° S-Br und 25°—26° 
W-Lg solche von 0,4° bis 0,7°. In der Nähe des Aequators, südlich und 
nördlich von demselben bis zu der — allerdings nicht direkt durch Lothungen, 
sondern lediglich durch Temperaturmessungen bis zum Meeresgrunde nach- 
gewiesenen — unterseeischen Bodenerhebung, welche das güdwestliche Tiefsee- 
Becken des Atlantischen Oceans von dem nordwestlichen trennt, sind von Sir 
G. Nares im August 1873 und von Kapt. Frank T. Thomson im April 1876 
zwischen 5° S-Br—1° N-Br und 34°—14° W-Lg Bodentemperaturen von 0,4° 
bis 0,9° gemessen worden. — Diese niedrigen Bodentemperaturen in dem 
bezeichneten Gebiete des Süd-Atlantischen Oceans berechtigen zu der Annahme, 
dass dasselbe ein Ausläufer der durch keine unterseeische Barriere gehemmten 
kalten antarktischen, in Folge der allgemeinen oceanischen Cirkulation”) äquator- 
wärts gedrängten Wassermasse ist, welche sich wie eine Zunge zwischen das 
Festland von Süd-Amerika und die unterseeische Bodenerhebung zwischen 
1) Sir Wyville Thomson unterscheidet /sofhermobathen, d. h. die Linien durch Punkte 
gleicher Wärme innerhalb eines vertikalen Schnittes, und /sobathythermen, d.h. Linien durch Punkte 
gleicher Tiefe mit einer gegebenen Temperatur. Erstere werden graphisch durch Diagramme der 
vertikalen Vertheilung der Temperaturen der Meerestiefen für irgend einen vertikalen Schnitt darg estellt. 
2) Ueber die allgemeine oceanische Cirkulation s. Schlussabschnitt dieser Artikel.
	        
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