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Schlammgrund, gelothet. Diese beiden Lothungen befanden sich 103 Sm von
der erwähnten unterseeischen Erhebung, von deren Spitze Basaltstücke und
andere schwarze, vulkanische, scharfkantige Gesteine heraufgebracht wurden.
In 59° 40’ N-Br und 29° 30‘ W-Lg hatte der „Bulldog“ eine ähnliche unter-
seeische Erhebung von 1368m (748 Faden) zwischen zwei tieferen Stellen
2136 m und 2303m (1168 und 1260 Faden) gefunden, gleichfalls mit vulkanischen
Gesteinen. In derselben Richtung mit diesen beiden unterseeischen Erhebungen
liegen die beiden vulkanischen Inseln /sland und Jan Meyen,
Für das von dem offenen Atlantischen Ocean durch die zahlreichen
Strassen zwischen den Westindischen Inseln mehr oder weniger abgeschlossene
Antillen- oder Karaibische Meer lassen sich nach neueren Lothungen folgende
Hauptgrundzüge ihrer Tiefen- und Bodenverhältnisse aufstellen.
Die grösste Tiefe zwischen der Westspitze von. Cuba (Kap San Antonio)
und der Ostspitze von Yucatan (Kap Catoche) beträgt 2130m (1167 Faden),
zwischen Cuba und Jamaika im Westen 5048m (2760 Faden), im Osten aber
nur 2276m (1244 Faden). Oestlich von Jamaika, längs der Südseite von Haiti,
sind Tiefen zwischen 2750—3300m gelothet worden, und südlich von Jamaika
und Portorico zeigt die B. A. K. No. 2060b (korr. bis Mai 1876) Tiefen von
4571 bis 4900m (2500 bis 2680 Faden). Zwischen der Virginischen Bank und
Santa Cruz befindet sich die bedeutende Tiefe von 4728m (2580 Faden).
Eine Lothungslinie von der Südseite von Jamaika und östlich der Pedro-
Bank, quer durch das Karaibische Meer bis Colon oder Aspinwall (eine Linie
von ca 550 Sm Länge), zeigt die bemerkenswerthe Thatsache, dass mit unbe-
trächtlichen Ausnahmen der Seeboden von Jamaika ab nach der Küste des
Isthmus von Panama hin allmählich abfällt: ungefähr 60 Sm von Manzanilla Pt,
entfernt beträgt die Tiefe 2117m (1157 Faden); von da ab steigt der Meeres-
boden vergleichsweise schnell auf, indem ca 40 Sm von Aspinwall die Tiefe
1237m (677 Faden) und in 20 Sm Abstand nur 415 (227 Faden) beträgt.
Bodenbeschaffenheit. Abgesehen von den Küstenablagerungen, welche
— wie in diesen Annalen, 1879, pag. 52 und 53 erwähnt — in der Nähe der
Kontinente und Inseln den Meeresboden bilden und aus verschieden gefärbten
und zusammengesetzten Schlamm- (mud) und Sandmassen, den hauptsächlich
durch die Flüsse und Ströme in das Meer geführten Trümmern der anliegenden
Festländer bestehen, wird der Meeresboden des offenen Atlantischen Oceans
nach den Untersuchungen der Naturforscher der „Challenger“- und „Gazelle“-
Expeditionen von zwei nicht immer scharf von einander geschiedenen Ablagerungen
bedeckt: von dem kalkigen Gobigerinenschlamm oder „globigerina 0oze“ und dem
kieselhaltigen durch Eisenoxyd roth gefärbten Tiefseethon oder „red clay“ (s. pag.
53 und 54). Zwischen diesen beiden Bodenablagerungen sind vom „Challenger“
an verschiedenen Stellen des Atlantischen Meeresbodens Grundproben genommen
worden, welche einen Uebergang aus der kalkigen Masse des Globigerinen-
Schlammes in den rothen Thon, und umgekehrt, deutlich darstellen. Sie wurden
anfänglich ‚von Sir Wyville Thomson als „grey ooze“, später richtiger als
grauer Thon oder „grey clay“ bezeichnet.)
Der Globigerinenschlamm des Atlantischen Oceans wird vorzugsweise ge-
bildet aus den mehr oder weniger zerbrochenen und verwitterten Schalen von
Arten der pelagischen Foraminiferen, aus den Genera Globigerina, Orbulina,
Pulvinulina, Pullenia und Sphaeroidina, und breitet sich über die unterseeischen
Bergrücken und Plateaus in Tiefen von ca 1000 bis über 4000m aus.?) Der
rothe und graue Thon bedeckt dagegen die tieferen Einsenkungen des östlichen;
nordwestlichen und südwestlichen Beckens des Atlantischen Oceans von 4200
bis 5800m Tiefe.
Sehr charakteristisch in dieser Beziehung sind die beiden ost—westlichen
Schnitte (genommen vom „Challenger“ imJahre 1873) zwischen Teneriffa (Canarische
Inseln) und Sombrero (bei St, Thomas) und zwischen den Bermudas über die
Azoren bis Madeira,
%) Vgl. Wyv. Thomson: The Atlantic, I, pag. 224, und J. Murray: On the oceanic
deposits ete, in Proc. of the R. Soc., Vol. XXIV (1875/76), pag. 482 ff, und 527,
2) Die tiefsten Stellen mit Globigerinenschlamm wurden westlich von Madeira zwischen
34° und 35° N-Br in 20° bis 21° -W-Lg gefunden, nämlich 4850 bis 4890m tief.