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das arktische Becken von dem des Atlantischen Oceans; sie setzt sich weiter
nach Süden als das sogenannte Telegraphen-Plateau zwischen Irland und
Neufundland fort und bildet südlich von den Azoren den schon früher bekannten
„Dolphin rise“, In seinem weiteren südöstlichen Verlaufe wird dieser unterseeische
Höhenzug bis zu den St. Paul’s Rocks, unter dem Aequator, immer schmaler und
biegt alsdann nach Osten um, dem Laufe des Aequators folgend, bis zum
Meridian der Insel Ascension in 14° W-Lg; von hier an verläuft er, wieder
breiter werdend, direkt nach Süden über die Inseln Ascension, St. Helena und
Tristan d’Acunha bis zur Insel Gough in 40° S-Br. Ob dieser unterseeische
Höhenzug, dessen Tiefe unter der Oberfläche zwischen 2000—3700m beträgt,
sich noch weiter nach Süden zu fortsetzt und mit dem antarktischen Plateau
zusammenhängt oder nicht, lässt sich für jetzt bei dem Mangel an vorhandenen
Lothungen nicht entscheiden.
Fast alle Inseln, welche sich auf diesem unterseeischen Plateau über die
Meeresoberfläche erheben, sind vulkanischen Ursprunges, so die 2600m hohe
einsame Felseninsel Zristan d’Acunha, ferner Ascension, 800m hoch, und die
Azoren, auf welchen der Pico sich bis zu 2350m erhebt.
Ungefähr in 10° N-Br bei der südöstlichen Beugung des unterseeischen
Höhenzuges zweigt sich von diesem nach SW zu eine untersecische Erhebung
ab, welche denselben mit der Küste Süd-Amerika’s bei Kap Oranje verbindet und
die westliche Seite der atlantischen Tiefen in zwei Theile trennt: in ein nordwest-
liches Becken zwischen den Antillen und den Bermudas und nordwestlich und nord-
östlich von diesen mit einer durchschnittlichen Tiefe von 5500m und den grössten
Tiefen des Atlantischen Oceans überhaupt, zwischen St. Thomas und Bermuda,
und in ein südwestliches Becken mit einer fast eben so grossen durchschnittlichen
Tiefe zwischen dem unterseeischen Höhenzuge und der ganzen Ostküste von
Süd-Amerika, längs welcher die sogenannte kalte Rinne mit Bodentemperaturen
unter 0° aus dem Antarktischen Ocean bis zum Aequator sich erstreckt. Oest-
lich von dem centralen unterseeischen Höhenzug erstreckt sich ein tiefes Becken
vom Westen /rlands bis nahe zum Kap der guten Hoffnung mit einer durch-
schnittlichen Tiefe von ca 4600m. Zwischen der Küste Portugals und Madeira
befinden sich einige unterseeische Erhebungen, welche die schon früher auf-
gestellte Idee eines unterseeischen Zusammenhanges von nicht zu grosser Tiefe
zwischen Portugal und Madeira wahrscheinlicher machen. Im November 1876
fand der amerikanische Lieutenant-Commander H. H. Gorringe, Kommandant
des V. St. D. „Gettysburg“, auf der Reise von den Azoren nach Güraltar
130'/ Sm rw S 75° W vom Kap St. Vincent eine bis dahin nicht bekannte Korallen-
bank auf (s, „Ann, d. Hydr. ete.“, 1877, pag. 128). Eine sorgfältige Vermessung
dieser Bank, welche Gorringe-Bank benannt worden ist, und ihrer nächsten Um-
gebung hat gezeigt, dass zwischen den Parallelen von 36° 29‘ und 36° 35‘ N-Br
und den Meridianen von 11° 31‘ und 11° 39’ W-Lg nur geringe Wassertiefen
vorhanden sind — die flachste Stelle ist nur 32 Faden oder 59m tief in
36° 30‘ 8“ N-Br und 11° 35‘ 20“ W-Lg — und dass die Gorringe-Bank selbst
der Gipfel einer isolirten unterseeischen Erhebung ist, welche aus den, in einem
Gebiet von 20 Sm Radius vom Ankerplatz der „Gettysburg“ aus, 1 Sm in SW
von der flachsten Stelle gefundenen Tiefen von 4023 bis 5031m aufsteigt. Der
Gipfel dieser Erhebung, auf welcher sich weniger als 180m Wasser befinden,
ist von unregelmässiger Form, in der Richtung NNW—SSO ungefähr 7 Sm
lang und durchschnittlich 5 Sm breit. Der Meeresboden scheint hier, wie aus
dem Zustande der Korallenstücke zu schliessen ist, in verhältnissmässig neuer
Zeit heftigen Erschütterungen unterworfen gewesen zu sein. Hierauf weisen
auch einige früher vorhanden gewesene, neuerdings aber nicht wieder anf-
gefundene Untiefen in der Nähe von Kap St. Vincent hin.
Zwischen dieser Erhebung, auf welcher auch die schon früher bekannte
Josephine-Bank liegt, und dem Festlande von SW-Europa und NW-Afrika er-
streckt sich durch die tiefe Rinne zwischen Madeira und den Canarischen Inseln
ein Ausläufer des östlichen Tiefseebeckens des Atlantischen Oceans mit Tiefen
von 4000 bis 4600m. Die grössten Tiefen in diesem östlichen Tiefseebecken
des Atlantischen Oceans schwanken zwischen 5200 und 5800m. In dem nörd-
lichen Theile wurde als grösste zuverlässige "Tiefe vom „Challenger“ 5761m
(3150 Faden) am 26. Februar 1873 in 23° 23‘ N-Br und 35° 11‘ W:Ley auf der