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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 7 (1879)

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6—7 Sm weit in das Land hineinreicht und am Eingange 4—5 Sm breit ist. 
Diese Bai wird von dem Handelsagenten Port Weber!) genannt und findet sich 
in keiner mir zu Gesicht gekommenen Karte angegeben. Ich habe dieselbe von 
Kabakadai aus mit einem Boote besucht und fand sie breit und geräumig 
genug, um mit einem Schiffe bequem darin kreuzen zu können. Sie hat gute 
Ankerplätze und ist schon von verschiedenen Handelsfahrzeugen besucht worden.“ 
Erd- und Seebeben. — Da Erd- und Seebeben auf und in der Nähe 
von Neu-Britannien nicht selten zu sein scheinen, so mögen einige darauf be- 
zügliche Notizen, die Kapitän Wendt an Ort und Stelle von einem dort lebenden 
Europäer erfuhr, hier Erwähnung finden. 
. In dem der Seewarte eingelieferten Tagebuche des Herrn Kapt. Wendt 
heisst es: 
„In der Nacht vom 4, auf den 5. Februar 1878 wurden die Anwohner 
der Blanche-Bai von einem starken Erdbeben heimgesucht, welches sich am 
Morgen des 5. Februar, von einer Fluthwelle begleitet, wiederholte, während 
gleichzeitig zwei neue Ausbruchstellen entstanden.“‘) Von einem Augenzeugen, 
der als Handelsagent seine Station auf der kleinen Insel Matupi in der Blanche- 
Bai hatte, also in unmittelbarer Nähe des Phänomens sich befand, erfuhr ich, 
dass man in der Nacht vom 4. auf den 5. Februar 1878 ein starkes Erdbeben 
verspürte, welches sich am Morgen des 5. wiederholte. Gegen 6 Uhr Morgens 
erhob sich eine Fluthwelle, welche fünfmal wiederkehrte und ungefähr 4m 
Höhe erreichte; zu gleicher Zeit bildete sich ein neuer Vulkan (Ausbruchskrater) 
auf dem Festlande der Insel Newu-Britannien, und ungefähr 3 Sm von diesem 
erhob sich eine neue vulkanische Insel in der Blanche-Bai. Soviel ich erfahren 
konnte, soll die neue Insel sich auf einem Korallen-Riff erhoben haben; die un- 
gefähre Lage derselben ist 4° 16‘ S-Br und 152° 9’ O-Lg. 
Wahrscheinlich haben die beiden vulkanischen Eruptionskrater eine enge 
Beziehung zu einander, denn es soll sich, wie mir erzählt wurde, von ersterem ein 
Feuer in Schlangenwindungen nach der Küste zu bewegt haben, in und über 
dem Wasser in der Bai entlang bis zu jeher Stelle, wo die neue Insel entstand. 
Beide Vulkane sollen dann einen Hagel von Bimstein ausgeworfen haben, welcher 
die ganze Blanche-Bai anfüllte; im St. Georgs-Kanal fand man das Meer stellen- 
weise in einer Schicht bis zu Meterdicke mit Bimstein bedeckt, In der Blanche- 
Bai sind in den ersten Tagen nach diesem Ausbruche die Eingeborenen bis zu 
einer Entfernung von 300 bis 400 Schritt vom Ufer auf dieser Bimsteinschicht 
herum gegangen, wie man bei uns im Winter auf dem Eise geht. Ungefähr vier 
Tage nach dem Ausbruche erlosch das Feuer auf der Insel in der Blanche- 
Bai, der Vulkan am Festlande war noch drei Wochen in Thätigkeit und erlosch 
dann gänzlich. 
Soweit mein Gewährsmann, dessen Aussagen der Hauptsache nach auch 
von dem auf Duke of York lebenden Handelsagenten und dem Missionär Mr. 
Brown von Hunter-Hafen bestätigt wurden, nur konnte letzterer nicht angeben, 
wie hoch die Fluthwelle gewesen und wie oft dieselbe wiedergekehrt sei. Ich 
glaube, dass dieselbe wohl nur in. dem Becken der Blanche-Bai bemerkbar 
gewesen ist. 
Erdbeben erlebten wir während unseres dortigen Aufenthaltes zweimal, und 
zwar das erste, während wir in der Ratavul-Bai in 4° 10‘ S-Br und 152° 0‘ O-Lg vor 
Anker lagen, In der Nacht vom 23, auf den 24. Juli 1878, 11'/ Uhr, wurde ich 
plötzlich aus dem Schlafe gerüttelt; da ich auf Deck schlief, sah ich sofort nach der 
Uhr und dem Kompass, die Erschütterung erfolgte in der Richtung ONO nach 
WSW und dauerte etwa 5 bis 10 Sekunden, die Ankerketten rasselten und das 
Ruder rüttelte gewaltig. Der Mann, welcher die Wache hatte, erzählte, dass 
er kurz vorher ein starkes Rauschen im Wasser hörte, als wenn sich ein Schwarm 
das Wasser peitschender Fische dem Schiffe näherte. - 
Diesem Erdbeben gingen am Tage vorher keine besonders auffallenden 
Störungen in der Atmosphäre voran, der Luftdruck betrug am 23. Juli Abends 
6 Uhr 758,0mm, die Luftwärme 31° C., der Himmel war klar, und am westlichen 
‘Auf der neuesten engl. Admiralitäts-Karte vom 28. Februar 1878, die nach den Aufnahmen 
von S. M.S. „Gazelle“ berichtigt ist, findet sich Port Weber, jedoch nicht als Bai, angegeben, 
2 Vol, „Ann. d. Hydr, etc.“, 1878, pag. 372,
	        
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