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Bremer Schiffe „Spica“ und „Anton Günther“, In der Java-See hielt „Lima“
sich nahe an der Sumatra-Küste und gewann dadurch bedeutend gegen mit-
segelnde Schiffe. Die Strömung setzte indessen auch hier vorherrschend südlich;
die angetroffenen Winde waren zuerst meistens nordöstliche, später südliche.
21 Tage nachdem Anjer passirt worden war, konnte man auf der Rhede von
Singapore den Anker fallen lassen.
. Die Reisedauer von Scilly bis zum Eingange der Sunda - Strasse betrug
84 Tage, die Strecke war also mit einer mittleren stündlichen Schnelligkeit von
6,1 Sm zurückgelegt worden.
Von Singapore versegelte die Bark nach Rangoon, wurde dort beladen
und trat am 21. Juni die Rückreise nach dem Kanale an. Mit dem in mässiger
Stärke wehenden SW-Monsun segelte das Schiff süidwärts, von Zeit zu Zeit diesen
Kurs unterbrechend, um nach NW überzuliegen. Am 4. Juli, als das Schiff in
7,4° N-Br und 94,7° O-Lg stand, also etwa 120 Sm Nord vom Kap Atschin,
wurde es windstille, und nach kurzer Zeit kam hier Wind durch aus NE. Man
steuerte dann südwestlich bis 3,4° N-Br in 91,7° O-Lg erreicht war, wo wieder
westlicher Wind einsetzte, und mit diesem wurde am 9. Juli in 91,7° O-Lg der
Aequator überschritten. So lange, wie der östliche Wind geweht hatte, war
westliche Strömung beobachtet worden, dagegen begleitete den Westwind ein
vorherrschend östlicher Strom.
In 3° S-Br und 92,3° O-Lg setzte südöstlicher Wind ein, der aber wenig
regelmässig wehte; am 17. Juli in 7,5° S-Br und 87,5° O-Lg hatte das Schiff
stürmisches Wetter durchzumachen, welches ganz die Erscheinungen eines Orkanes
zeigte. Schon am Tage vorher wehte der Wind stürmisch aus Süd bei ab-
nehmendem Luftdrucke; am 17. Juli war die Windrichtung SSE, es traten
orkanartige Böen auf, die von gowitterhaften Erscheinungen und heftigem Regen
begleitet waren. Der Seegang war ausserordentlich unregelmässig und sehr hoch;
gegen Mittag drehte sich der Wind durch S und SW nach NW, auch aus letzterer
Richtung noch in orkanartigen Böen wehend. Der Luftdruck, welcher während
dieser Zeit 8mm weniger als am vorhergehenden und folgenden Tage betrng,
hatte um 10* p. m. mit 746,4mm seinen niedrigsten Stand erreicht. Während
des 18. und 19. Juli drehte der Wind sich durch N und NE nach SE zurück,
und jetzt schien endlich der in der Folge aber auch nur höchst unregelmässig
wehende Passat erreicht zu sein. Die Bark schnitt im Verlaufe der Reise
über den Indischen Ocean 10° S-Br in 85,5° O-Lg am 19. Juli, 20° S-Br in
69,7° O-Lg am 25. Juli und 30° S-Br in 45,2° O-Lg am 8. August. Der Meridian
von 60° Öst wurde am 3. August in 23,7° S-Br überschritten. Sich in der Nähe
des Parallels von 30° Süd haltend, segelte das Schiff nach Westen weiter;
die Winde waren hier vorherrschend ungünstig, und in Folge davon der Fort-
schritt des Schiffes nur ein sehr langsamer. Dagegen traf man bei der Um-
segelung des Kap der guten Hoffnung günstigere Winde, und ohne dass hier ein
Sturm angetroffen worden war, passirte „Lima“ am 25. August den Meridian
jenes Kaps. Am 30, Augüst wurde 30° S-Br in 9,1° O-Lg wieder überschritten,
22 Tage nachdem diese Breite zuerst gekreuzt worden war.
In 21,0° S-Br und 3,4° O-Lg lag am 5. September die polare Grenze des
SE-Passats, mit welch letzterem, nachdem noch 10° S-Br in 12,4° W-Lg am
11. September gekreuzt worden war, die Linie am 18. September in 23,6° W-Lg
erreicht wurde.
Auf nördlicher Breite nahm der beständig wehende Wind bald eine süd-
westliche Richtung an, und als man noch nördlicher segelte, drehte derselbe
sich durch NW und N nach. NE. So fand der Uebergang des SE- in den
NE-Passat durch eine langsam erfolgende rechtlaufende Drehung statt, ohne dass
dabei auch nur für kurze Zeit Windstille eintrat. Der westliche Wind war auch
hier von östlicher Strömung begleitet gewesen, ebenso wie der Passat von
westlicher. ;
Mit dem in Hinsicht der Stärke nur wenig befriedigenden NE-Passat
erreichte die Bark 10° N-Br in 25,3° W-Lg am 25. September, 20° N-Br in
32,0° W-Lg am 2. Oktober und 80° N-Br in 35,5° W-Lg am 7. Oktober. Bis
zu letzterem Orte erstreckte sich jener Wind; hier angelangt, traf das Schiff
für kurze Zeit Windstille, und bald nachher kam südwestlicher Wind durch.
Mit umlaufenden Winden legte man den letzten Theil der Reise zurück; am