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Den von Kapt. Heusner eingesendeten ‚Reiseberichten entnehmen wir
nachstehende Notizen.
l. Windverhältnisse während der Reise von Funchal (Madeira)
nach St. Thomas im December 1878.
„Am 2. December 1878 verliess die „Hansa“ die Rhede von Funchal
mit südöstlichem Winde, welcher im Laufe des Tages allmählich südlich und
südwestlich wurde; er blieb in letzterer Richtung bis zum 5, December Morgens
in ca 30° N-Br und 21° W-Lg; im Ganzen war er sehr schwach und nur durch
gelegentliche Gewitter unterbrochen, wobei häufig Regen auftraten. Am
5. December wehte der Wind aus Süd und nahm an Stärke zu bis zum Sturm
(10—11), bei schnell fallendem Barometer und heftigem Gewitter mit Regen.
Am Nachmittag des 6. December war der Wind wieder ganz leicht, Stärke 4.
Bis zum 15. December wehten fortwährend leichte südliche und südwestliche
Winde mit hoher Dünung aus West und NW, obgleich sich die „Hansa“ schon
lange in der Passat- Region befand. Vom 6. bis 10. December (zwischen
30°—29° N-Br und 21°—22° W-Lg) stand das Barometer ungewöhnlich niedrig:
750—753 mm; häufig zogen Gewitter auf, die aber nur selten zum Ausbruch
kamen und sich meistens nur durch ununterbrochenes Wetterleuchten kundgaben.
Am 15. December in 252° N-Br und 19'%° W-Lg drehte endlich der
Wind nach NE, am Anfange mit geringer, später mit grösserer Stärke. Am
17. December flaute der Wind ganz ab und gegen Mittag war der Wind wieder
südlich, von Stärke 1; dabei war schwere Dünung aus NW. Am 18. December
ging der Wind westlicher, und es trat fast vollkommene Windstille ein, mit
hoher Dünung aus NW, und blieb so bis zum 20. December. An diesem Tage,
in 20° N-Br und 31° W-Lg, setzto endlich der NE-Passat ein, aber sehr schwach;
er blieb in der Richtung zwischen NNE und EzS in der Stärke 2—5 bis zum
Eintreffen bei St. Thomas am 2. Januar 1879,“
2. Bemerkungen über den Hafen von St. Thomas.*)
Der Kommandant der „Hansa“ berichtet, dass grösseren Schiffen unter
Segel das Einlaufen in den Hafen von St. Thomas ohne Lootsen nicht anzurathen
ist, weil in den meisten Fällen der Raum in dem Hafen so beschränkt ist,
dass man über den noch freien Ankerplatz schon vorher orientirt sein muss,
und dass es, ohne dies gethan zu haben, kaum möglich ist, diesen Ankerplatz
unter Segel zu gewinnen.
St. Thomas hat seine hauptsächlichste Bedeutung als Centralstation aller
Postdampfer in Westindien. Zwischen hier und HKuropa bestehen regelmässige
Linien der „Hamburger Packetfahrtgesellschaft“, der englischen „Royal mail
Packet company“ und der französischen „Compagnie generale transatlantique“,
Alle diese Linien vermitteln auch durch kleine Dampfer den Verkehr zwischen
den einzelnen Plätzen in Westindien. Ferner gehen monatlich einmal, jeden 25.,
Dampfer von Liverpool nach St. Thomas, treffen zwischen dem 12. und 14. des
folgenden Monats dort ein und gehen über Haiti, Jamaica weiter nach Mexico.
Ferner verbinden zwei Dampforlinien, eine englische und eine amerikanische,
Canada resp. die Vereinigten Staaten und St, Thomas.
In Folge dieses regen Dampferverkehrs finden sich immer grössere
Quantitäten von Schiffsbedürfnissen vorräthig, und ist Charlotte Amalia einer
der geeignetsten Plätze in Westindien zur Ergänzung von Material und Proviant,
Die hierauf bezüglichen Verhältnisse wurden, wie folgt, gefunden:
Proviant. Es soll nach den eingezogenen Erkundigungen Proviant aller
Art zu jeder Zeit und in jeder Quantität vorhanden sein. Doch waren Konserven
nur in geringeren Quantitäten zu hohen Preisen vorräthig. Frisches Brod und
Fleisch ist reichlich und gut vorhanden, doch ist beides theurer, als Hartbrod
und Salzfleisch.
Wasser. Es giebt auf der Insel nur Regenwasser, das in grossen Cisternen
aufgefangen und bewahrt wird. Es können täglich 35—40 000 Liter geliefert
werden, für ! Cent per Gallon, frei längsseit. Das Wasser ist nach der
chemischen Untersuchung sehr rein, trotzdem ist beim Genuss desselben für
Personen, welche nicht daran gewöhnt sind, grosse Vorsicht geboten.
‘) Vgl. „Hydr. Mitth.“ 1874, pag. 181; „Ann, d.Hydr. etc.“ 1877, pag. 305; 1878, pag. 178.