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Der Wind blieb während der nächsten Tage zwischen SW und Süd und
frischte, je nördlicher wir kamen, umsomehr auf, so dass das Schiff am 29. Januar
mit Oberbramsegel, Ober- und Unterleesegel eine Geschwindigkeit von 11,5 Sın
die Stunde erreichte.
Am 30. Januar Morgens kam Land in Sicht, die Schraube wurde hinunter-
gelassen, die Maschine mit zwei Kesseln in Thätigkeit gesetzt und um 1* 30" p. m.
in der Bucht von Valparaiso geankert.“
3. Aufsuchung einer vermeintlichen Insel (Eisberg) hei der Ostküste
von Patagonien,
Der Führer des Deutschen Schiffes „Gerhard & Adolph“, Kapt. Jork,
hatte am 26. December 1878 dem deutschen Konsul zu Montevideo, Herrn Carl
W. Diehl, mitgetheilt, dass er auf seiner Reise von Port Gallegos nach Montevideo
am 15. December in 42° 15‘ S-Br und 57° 19‘ W-Lg eine Insel entdeckt habe,
welche auf ihrer östlichen Seite die Form eines abgestumpften Kegels, auf der
westlichen die eines steilen Felsens zeigte; der Durchmesser der Insel wurde
auf ca 5 Kblg, die Höhe des Kegele auf ca 80m geschätzt. In einem Abstande
von 3 Sm von der Insel fand Kapt. Jork bei einer von ihm ausgeführten
Lothuug keinen Grund.
In Folge dieser Mittheilung entschloss sich Kapt. z. See Mac Lean, mit
S.M.S. „Prinz Adalbert“ auf der Reise nach der Magellan - Strasse den That-
bestand an Ort und Stelle klarzulegen. Am 7. Januar 1879 erreichte er die
oben für die vermeintliche Insel angegebene Stelle und kreuzte mehrmals die-
selbe, die zwischen 42° 8‘—42° 16‘ S-Br und 57° 14'—57° 24' W-Lg_ aus-
geführten Lothungen ergaben bei 360m Tiefe keinen Grund. Bis 2 Uhr Nach-
mittags war die Luft diesig, dann aber klar und sehr durchsichtig, so dass eine
80m hohe Insel in einem Kreise von 15 Sm Radius hätte gesehen‘ werden
müssen, wenn sie wirklich existirte. Kapt. Mac Lean bemerkt hierzu: „Die
Fata Morgana ist in diesen Gegenden eine häufige Erscheinung, wie ich mich
am Abend des 8, Januar zu überzeugen Gelegenheit hatte. Kurz vor Sonnen-
untergang bemerkten wir im Westen einen langgestreckten hohen Küstensaum,
der täuschend natürlich aussah, aber allmählich in Dunst zerfloss. Wahrschein-
lich ist auch der deutsche Kapitän durch eine ähnliche Luftspiegelung getäuscht
worden,“
Es ist mit Bezug hierauf zu bemerken, dass der britische Packet-Dampfer
„Black Hawk“ am 15. December 1878 auf seiner Reise von Montevideo nach
den Falkland-Inseln in 43° 30‘ S-Br und 58° 10‘ W-Lg einen grossen KEisberg
von 2 Sm Länge und 152m Höhe angetroffen hat. I. Br. M.S. „Alert“, Kapt.
Sir G. Nares, sichtete auf derselben Route diesen Eisberg. Es scheint daher
wahrscheinlich, dass Kapt. Jork einen anderen Eisberg angetroffen und für
eine Insel gehalten hat. .
Zwischen den Meridianen von 40° und 60° West im Südatlantie ist diese
Breite von 43!/2° Süd die nördlichste, also dem Aequator nächste, welche bis
jetzt für einen Eisberg nachgewiesen ist, deren Vordringen nach Norden durch
Strömungen verhindert zu werden scheint, während im mittleren Theile des
Südatlantie die antarktische Strömung die Eisberge bis zwischen 30°—40° S-Br
vordringen lässt.
Aus den Reiseberichten S. M. S. „Hansa“, Korv.-Kapt. Heusner.
S. M.S. „Hansa“ trat unter dem Kommando des Korv.-Kapt. Heusner
am 17, Oktober 1878 von Kiel aus die Reise nach Westindien und Südamerika
an, berührte auf dieser Route die Häfen von Plymouth und Funchal und traf
am 3. Januar 1879 zu St. Thomas ein, von wo sie im Januar und Februar
mehrere Häfen an der Küste von Venezuela besuchte (vgl. Ansegelung von
La GCuayra diese Annalen pag. 149).