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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 7 (1879)

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strom, wie z. B. die Gulneaströmung nach ihrem Anprall an die afrikanische 
Küste, eingeengt durchwindet, wo nur immer freies, d. h. nicht in entgegen- 
gesetzter Strömung begriffenes Meer sich darbietet. Zwischen der Küste und 
dem vom Aegquatorialstrom eingenommenen Gebiete des Südost-Passates bleibt 
dem südöstlichen Arme des Guineastromes nur das Gebiet der veränderlichen 
Küstenwinde übrig, durch das er seinen Weg nehmen kann, bis endlich seine 
Oberfläche unter den Einfluss des Südost-Passates geräth und zuerst die Ober- 
fläche, weiterhin immer tiefere Schichten in den Aequatorialstrom hineingezogen 
werden. 
Il. Ueber Windstau. 
Wenn über einem See oder Meeresbecken, das durch eine geradlinig ver- 
laufende Küste begrenzt ist, längere Zeit ein senkrecht gegen dieselbe gerichteter 
Wind weht, so erhebt sich stets das Niveau des Wassers an dieser Küste höher, 
als zuvor, und wenn der Wind mit unveränderter Stärke anhält, erreicht der 
Wasserstand eine gewisse Maximalstauhöhe, welche konstant bleibt, so lange 
der Wind dauert. In geschlossenen Seebecken, wo meist eine seitliche Zusammen- 
pressung der Wasser mit ins Spiel kommt, erreicht dieser Stau oft eine beträcht- 
liche Höhe und nöthigt bisweilen Flüsse, die an der vom Winde getroffenen 
Küste münden, ihre Stromrichtung auf beträchtliche Strecken hin umzukehren. 
Nach anhaltendem heftigem Südwestwind wird z. B. das Frische Haff so stark 
aufgestaut, dass man unter den Königsberger Brücken, 9 bis 10km oberhalb 
der Mündung des Pregel in das Haff, diesen Fluss mit mehr als 1m Geschwindig- 
keit in der Sekunde aufwärts strömen sieht. Aber auch an verhältnissmässig 
offenen Meeresküsten kann der Windstau sehr erheblich werden, wie die unter 
der zerstörenden Mitwirkung des Wellenschlags erzeugten furchtbaren Sturm- 
fluthen bezeugen, von denen so oft die holländischen Küsten und erst vor 
wenigen Jahren die neuvorpommerische Ostseeküste heimgesucht waren. 
Denkt man sich, um die physikalischen Umstände möglichst zu verein- 
fachen, ein Meer von gleichmässiger Tiefe einseitig durch eine geradlinige 
vertikale Wand begrenzt, sonst aber unbegrenzt, und den Wind überall mit 
yleicher Stärke senkrecht gegen diese Küste wehend, so ist es eine wichtige 
Aufgabe der Geophysik, die Bewegung oder den Gleichgewichtszustand des 
Wassers unter diesen Umständen zu bestimmen. Die exakte Lösung dieser 
Aufgabe ist leider nicht möglich; wohl aber lässt sich beweisen, dass die Vor- 
stellungen, die manche Autoren über die hier stattfindenden Bewegungen ge- 
bildet und veröffentlicht haben, 
sicherlich unrichtig sind. Herr 
Carpenter!) hat z. B. für den 
Fall, dass das Wasser noch durch 
eine zweite parallele Wand be- 
grenzt ist, die Bewegung durch 
die Pfeile in beistehendem Dia- 
gramm darstellen zu können 
zeglaubt. 
Die allgemeine Analyse der Bewegungen im Inneren einer Flüssigkeit 
führt nämlich zu dem Resultat, dass ein Theilchen, welches einmal nicht der 
Oberfläche des Körpers angehört hat, bei stetig bleibender Bewegung niemals 
derselben angehören kann, und umgekehrt, dass ein Punkt, der einmal der Ober- 
fläche angehört hat, immer in derselben verbleibt. Da an den Geofässwänden 
längs abcd keine Bewegung stattfindet, weil die Wände ebenso wie der Boden 
von Wasser benetzt, also mit einer unbeweglichen Schicht bedeckt sind, so 
müssten aber die auf der Oberfläche herangetriebenen Theilchen ins Innere der 
Flüssigkeit eindringen, um einen Kreislauf in der Richtung der Pfeile machen 
zu können, Nach dem eben ausgesprochenen Satze wäre dies höchstens in 
unstetiger Weise möglich, d. h. so, dass sich ein Strahl bildete, der in die 
Tiefe dränge. Es ist aber nicht wohl einzusehen, wie und in welcher Aus- 
dehnung ein solcher zu Stande kommen und warum er gerade in der Richtung 
) „Proceedings of the R. Geographical Society“, Vol. 18, pag. 302.
	        
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