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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 7 (1879)

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über den Strand nach dem Flusse leiten muss, kann man bei gewöhnlichem 
Wetter stets Wasser erhalten. Vielfach findet man gute Enten, auch ist das 
Land in der Ebene sehr fruchtbar und leicht zu bebauen; wildes Zuckerrohr, 
dann wieder 'Taro- und Yams-Plantagen stehen zu beiden Seiten des auf 1 Sm 
weit schiffbaren Jordan, der die Grenze zwischen zwei mächtigen, mit einander in 
Krieg lebenden Stämmen bildet, welche dem Fremden aber freundlich entgegen 
treten. Eigenthümlich ist den hässlichen Weibern die Bemalung mit Holzkohle, 
sowie das Ausstossen der zwei oberen Vorderzähne; die Männer sind durchweg 
schöne, muskulöse Gestalten, die Geschick zu Allem haben, wie denn auch Zspiritu 
Santo die einzige Insel der Neu-Hebriden ist, auf der irdene Töpfe fabricirt werden, 
die auf den übrigen Inseln hoch geschätzt und in der That verhältnissmässig sauber 
und schön gearbeitet sind. Der Boden der Insel producirt nahezu Alles, ausser- 
dem findet sich im Meere die Perlmuschel in beträchtlicher Zahl, deren Gewinnung 
sich entschieden bezahlt macht. Als Haupthandelsartikel sind von den Ein- 
geborenen Messer und Beile geschätzt. !) 
Die Nordostspitze von Espiritu Santo ist niedrig, mit ca 24m hohen Kokos- 
nussbäumen besetzt, und hat bis zur Stelle ihrer Erhebung eine Längenausdehnung 
von ungefähr 3 Sm. Die Insel vor der NO-Spitze ist ungefähr 152m hoch und 
hat mit dem Kap Quiros viel Aehnlichkeit, einen steil abfallenden Abhang im 
Norden und eine niedere, augenscheinlich sich vom Abfalle nach Süden hin aus- 
Sreitende Spitze. Die Ostküste ist namentlich Nachts mit grosser Vorsicht an- 
zulaufen, da alsdann die Berge meistens in Dunst gehüllt sind; hinter zahlreichen 
Inseln finden sich mehrere Ankerplätze, doch ist über dieselben nichts Genaueres 
oekannt; die Südostspitze liegt auf der britischen Admiralitäts-Karte No. 1380 
(Tit. XII, No. 129) verkehrt; Kapt. Michelsen berichtet hierüber u. A.: „Die 
ganze SO-Seite Espiritw Santo’s besteht aus einer Inselwelt, in der ich mich 
mehrere Tage aufhielt; ein breiter und tiefer Kanal führt nördlich von der 
Westspitze der Insel St. Bartholemew weit in’s Land; bei der Mündung eines 
ziemlich bedeutenden Flusses verankerte ich mein Schiff und ging mit Booten 
ca 6 bis 7 englische Meilen stromaufwärts in nordwestlicher Richtung. Die 
Vegetation an den Ufern war wahrhaft überwältigend. Mächtige Bäume wechselten 
mit Bambusrohr, Schilf ete. Nirgends waren Eingeborene sichtbar. Auf dem 
Rückwege fand ich einen anderen Kanal, der geradeüber der SW-Spitze von 
Leners mündete.“ 
3. Die nördlichen Neu-Hebriden oder Banks-Gruppe. 
Diese Gruppe ist von Quiros 1606 entdeckt, dann 1789 von Bligh und 1838 
von d’Urville genauer bestimmt, jedoch erst von Lieut. Tilly 1864—66 erforscht 
worden. Auf keiner dieser Inseln konnte sich bis jetzt die Mission niederlassen; 
man griff daher dazu, Eingeborene derselben nach Norfolk zu bringen, dort 
christlich ausbilden zu lassen und bei der nächsten Fahrt des Missionsschiffes 
wieder auf die Heimathsinsel zurückzuführen. Diese Methode hat natürlich sehr 
zweifelhaften Erfolg, denn die Mehrzahl ist bald wieder zu den alten Gebräuchen 
zurückgekehrt und weiss schon nach kurzer Zeit nichts mehr von dem Gott 
der Weissen. 
Meralava (Bougainville’s Pic de V’ötoile, auch Star genannt) liegt der 
Insel Espiritu Santo am nächsten und steigt in Form eines kegelförmigen Berges 
(Mitte in 14° 27‘ S-Br und 168° 3‘ O-Lg gelegen), der nur an der Nordseite 
etwas sanfter abfällt, bis zu 884m regelmässig empor. Die Abhänge des früheren 
Vulkans sind bis zur Spitze mit Wald bedeckt, am Fusse finden sich jedoch 
gute Anpflanzungen; obschon keine geeignete Erde vorhanden ist, gedeiht doch 
Alles prächtig in der von dem abfallenden Laub ete. gebildeten Schicht. Wasser 
findet sich nicht vor, Die zahlreichen Eingeborenen, in kleinen schmalen Kanoes, 
bieten namentlich Yams an. An der Nordostseite liegt noch eine kleine Insel 
aahe dem Lande. 
1) In der schlechten Jahreszeit, von Ende November bis Ende März, ist abzurathen, in die 
St, Jago-Bucht zu laufen, da es schon an und für sich schwierig ist, bei nördlichem Winde aus der- 
selben herauszukreuzen. 
Ann. d. Hydr.. 18979. Heft 11T (März)
	        
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