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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 7 (1879)

Obgleich zu jener Zeit kein Wind wehte und die Seo ruhig war, so war 
es doch schwierig zu landen, da sich längs des, aus runden, glatten Steinblöcken 
bestehenden Strandes eine starke Widersee fühlbar machte. Voraussichtlich 
setzt mit westlichen Winden eine schwere See in die Bucht ein. Am Kap 
Lisburn lebt ein Missionair, Rev. Goodwill; einzelne Yams- und Taro- 
Pflanzungen, sorgfältig eingehegt, künden die Nähe menschlicher Wesen. 
Nördlich vom Kap ist die unregelmässig verlaufende Westküste zerrissen 
und steigt steil empor; hie und da unterbrechen Schluchten die wilden Felsen. 
Berge steigen von 305 bis 914m empor; an ihren Seiten brausen Bäche her- 
nieder, theils über die von Bäumen entblössten Stellen schäumend, theils, wie 
an den dichtbewaldeten Nord- und Südseiten, in der üppigen Pflanzenwelt 
verrauschend. 
Auf der ganzen Entfernung zwischen Kap Lisburn und Kap Cumberland 
fanden sich keinerlei vorliegende Untiefen, obgleich kurze Riffe von hervor- 
ragenden Spitzen auf die Entfernung von 1 höchstens 2 Kblg hinausragen. 
Ueber die in 15° 24‘ S-Br und 166° 30‘ O-Lg auf der Karte bezeichneten 
Untiefe passirte 1876 das britische Kriegsschiff „Conflict“, und. fand über dem 
nördlichen Theile derselben 16,5m Wassertiefe. 
Die Nordspitze der Insel, das vulkanische Kap Cumberland, erstreckt 
sich vom Hochlande der Insel als niedere Landzunge ungefähr 2 e. M. weit. Nahe 
demselben finden sich seltsamerweise Ruinen mächtiger Bauten von grosser 
Ausdehnung; Pfeiler von sehr regelmässiger Form, aus gewaltigen Steinblöcken, 
Theile einer Mauer, Spuren von Verkittung durch cementartige Masse, und das 
Alles dehnt sich über ein Terrain von nahezu 3 e. M. aus. Aehnliche geheimnissvolle 
Reste finden sich auch im NO, etwa 5 e. M. vom Kap bei einer Ausiedelung. 
Mit heiliger Scheu erzählen die Eingeborenen davon; für sie sind diese Stätten 
„tabu“ und der Sage nach vor Zeiten von Weissen gebaut. Interessant wäre 
cs zu erfahren, welches Material zu diesen Bauten verwandt ward, ob die 
Mauern hohl sind, d. h. an der Aussenseite Basalt- oder auch Grapnitblöcke, 
innen aber Korallen-Schutt enthalten (von der See gesehen, scheinen für die 
Wälle gewaltige Basaltblöcke benutzt zu sein). 
Die Küste biegt nun wieder entschieden nach SO in die St. Phillip- oder 
St. Jago-Bucht, die in dem Hafen Vera Cruz ihr Ende erreicht. Die westlichen 
Ufer dieser Bucht scheinen vulkanischen Ursprungs zu sein und bestehen aus 
hohen Gebirgsketten, die von 305m Höhe bis zu 1219m zunehmen, je mehr sie 
sich der Mitte der Insel nähern. In dem inneren Theile der Bucht bildet das 
Gebirge eine Hochebene von ungefähr 244m Seehöhe, welche in verschiedenen 
Abstufungen in dem Maasse abnimmt, als sich dasselbe dem Kap Quiros, dem 
aus Korallenfelsen bestehenden Ende des östlichen Ufers, nähert. Das Wasser 
ist im Innern der Bucht tief (nahe der Küste finden sich jedoch mehrere Un- 
tiefen, die namentlich in der Südwest-Ecke weiter hinausragen); vor der „Pearl“ 
wurden auf 2 Kblg vom Strande unregelmässige Wassertiefen von 36,6 bis 55m 
gefunden, Eine Ausnahme macht der Theil unmittelbar vor dem im Grunde 
mündenden Jordan-Fluss (von den Eingeborenen „Yona“ genannt), wo sich eine 
Sandzunge ausbreitet, welche bis auf 1 Kblg Entfernung 9m Wassertiefe ober- 
halb hat, die auf 1,5 Kblg Entfernung allmählich bis zu 31m zunimmt. Hier 
ist der einzig benutzbare Ankerplatz; von ihm wird der senkrechte Absturz des 
die Hochebene bildenden Gebirges im Innern der Bucht SO5/0 gepeilt, doch 
muss sehr vorsichtig zu Werke gegangen werden. Die „Pearl“ ankerte auf 
40m und hatte beim Schwaien gegen das Land 24m und beim Schwaien nach 
der See hin 88m. Die Ankerpeilungen waren: 
Das Kap Quiros . ... ... . N22°0O 
Das NO-Ende des West-Ufers . . . N22°W 
Lieutenant Tilly giebt die Mündung des Jordan in 15° 9’41“ S-Br und 
166° 53‘ 15“ O-Lg an. Ankergrund ist ca !/s Sm vom Ufer auf 183m Wasser, Sand- 
grund, den rechten Abhang des Tafelberges (Table Hill) am östlichen Theil der Bucht 
in S0z01/40. (Der Tafelberg hat eine hutförmige Form und an seiner Oberfläche 
mehrere weisse Stellen, aller Wahrscheinlichkeit nach ehemalige Korallenklippen, 
die, sobald die Sonne scheint, in grosser Entfernung zwischen dem Grün des 
Blätterwerkes sichtbar sind.) Die Barre vor dem Jordan ist veränderlich und 
zuweilen für grosse Boote unpassirbar. Mit Hülfe eines Schlauches, den man
	        
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