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3. „Die Insel Jebel Zukur,') an deren Nordküste S. M. Kbt. „Wolf“ in
den Nachmittagsstunden des 22, December ankerte, besteht‘ aus nackten und
grösstentheils sehr zerklüfteten vulkanischen Gesteinen, untermischt mit Lava-
feldern, die so wirr durcheinander geworfen sind, dass ein Passiren derselben
fast zu den Unmöglichkeiten. gerechnet werden muss. Zwischen den Bergen
und auch auf dem nordöstlichen Punkte der Insel sind saftige Grasflächen, die
wohl dazu geeignet sind, als Weideplätze zu dienen. In Folge dessen kommen
auf dieser und den benachbarten Inseln auch Gazellen vor, von denen drei
gesehen wurden; Holz existirt in den höheren Regionen der Berge und in den
Thälern, doch nur in unbedeutenden Quantitäten und von schlechter Qualität.
Als Ankerplatz wurde der im „Red Sea Pilot“, pag. 27, angegebene
gewählt und auch genau nach den dort angegebenen Peilungen geankert. Die
Peilungen waren: Südspitze von High Island in Linie mit der höchsten Spitze
von der Insel Quoin (Abu-Ail-Tnseln) und 1'/a Sm westlich von der NO-Spitze
der Insel. Diese Spitze bildet eine Sandfläche und ist nicht zu verkennen,
Die Wassertiefe soll hier nach dem „Red Sea Pilot“ 31m betragen, doch wurde
diese Tiefe gefunden, lange bevor diese beiden Inseln in Peilung kamen, Die
Wassertiefe, auf der ich ankerte, ungefähr 1!% Sm vom Lande entfernt, betrug
vielmehr genau 14m, Die in nächster Nähe angestellten Lothungen ergaben,
dass die Wassertiefe nach Land zu langsam abnahm, und dass der Boden aus
Steinen und Korallen bestand. An der Nordküste soll nach der Karte noch eine
kleine Insel liegen, die aber in Wirklichkeit nicht existirt. Vielmehr zieht sich
auf '/4 Sm Entfernung von der Küste eine aus Steinen und Sand bestehende
Barre längs derselben hin, die vom Lande durch 2 bis 3m tiefes Wasser getrennt
ist, Diese Barre war beim Ankern S. M. Kbt. „Wolf“ nicht zu sehen und
wurde erst beim Lothen gefunden. Da aber gerade Ebbe lief, so war dieselbe
nach einigen Stunden, als der „Wolf“ seinen Ankerplatz verliess, grössten-
theils trocken und bildete jetzt, bei niedrigem Wasser, eine längs der ganzen
Küste sich hinziehende trockene Bank.
__ Beim Verlassen wählte ich den Kanal zwischen der Insel Jebel. Zukur
und High Island und fand in diesem zwischen 30 und 40m Wassertiefe.“
4, Zusätze zu der Beschreibung von Aden.?) Der innere oder eigentliche
Hafen von Aden ist bei Hochwasser von Nord nach Süd 3—4 Sm lang und
2 Sm breit, verliert aber bei Niedrigwasser beträchtlich an seiner Ausdehnung;
der Eingang zum Hafen ist ca 400m breit und, in Folge einer Barre, nur für
Schiffe von weniger als 6m Tiefgang zugänglich. Auf der Barre selbst liegt
ein Feuerschiff, welches allen einkommenden Schiffen die Wassertiefen signalisirt.
Zur grösseren Bequemlichkeit für Schiffe — besonders für Postschiffe —, und
um in dem engen Hafen Raum zu gewinnen, sind Bojen verankert, an welche
die Schiffe mit dem Heck festmachen, nachdem sie geankert haben, Deshalb
ist es erforderlich, dass einkommende Schiffe einen Lootsen nehmen, welcher
ihnen eine Boje zum Festmachen anweist. Es ist hier gebräuchlich, dass
SS eSsiRe stets einen Lootsen nehmen und demselben eine Gratifikation von
Z geben. .
Trinkwasser besitzt Aden nicht; man ist hier auf einige am Meeresufer
aufgestellte Destillations-Apparate angewiesen; das Wasser ist aber sehr theuer,
Für Schiffsausrüstung ist der Hafen von Aden überhaupt nicht zu empfehlen.
2, Reise von Aden bis Colombo auf Ceylon im December 1878
und Januar 1879.
„Am 27, December Morgens lichtete ich Anker und dampfte, um die Halbinsel
herum, in den Golf von Aden hinein. Der Wind war flau und mir recht entgegen.
Da ich, nach in Aden eingezogenen Erkundigungen, sowie nach den „Ann. d.
Hydr. ete.“, 1876 pag. 499, einen nördlichen Kurs als den günstigsten ansehen
musste, so dampfte ich längs der arabischen Küste nord- und ostwärts. Ich
') S. „Red Sea Pilot“, 1878, pag. 27.
2) Vgl. „Ann. d. Hydr. etc.“, 1875, pag. 164—166, 420; „Red Sea Pilot“, 1873, pag..226;
Taylor-Horsburgh’s „India Directory“, I, 1874, pag. 198; Findlay’s „Sailing Directions of
Ihe Indian Ocean“, 1876, pag. 722 ff.