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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 7 (1879)

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Zu diesen praktischen und wissenschaftlichen Errungenschaften haben die 
Naturforscher der letzten grossen wissenschaftlichen See-Expeditionen durch 
ihre Sammlungen von Thieren der verschiedensten Arten und aus verschiedenen 
Meerestiefen theils in den offenen Oceanen selbst, theils bei und in der Nähe 
der Küsten der Festländer, theils in den Binnenmeeren, und durch die spätere 
Bearbeitung derselben gemeinschaftlich beigetragen. 
. Wir können hier, der uns gesteckten Aufgabe nach, nicht die einzelnen 
Forscher und ihre hervorragenden Leistungen auf diesem Gebiete der Tiefsee- 
forschung aufzählen; es sei uns jedoch hier gestattet, eines Mannes zu gedenken, 
welcher die „Gazelle“ auf ihrer Weltumsegelungsreise als Naturforscher be- 
gleitete, und dessen erste zoologische Arbeiten in dieser Zeitschrift zuerst ver- 
öffentlicht worden sind (s. „Hydr. Mitth.“, 1874, pag. 297—300 und „Ann. d. 
Hydr. etc.“, 1876, pag. 54), des Dr. Studer, jetzt. Professor der Zoologie 
in Zürich, 
Die Hauptergebnisse der Forschungen über das Thierleben in den Meeres- 
tiefen sind von Prof. L. K. Schmarda in Behm’s „Geogr. Jahrb.“, Bd. VII, 
1878, pag. 87, in folgenden Sätzen niedergelegt: 
„1. Thierisches Leben ist gegenwärtig am Seegrund in allen Tiefen, 
2. Es ist am reichsten in mässigen Tiefen; es hängt ab von der An- 
wesenheit des Sauerstoffes, der Kohlensäure und des phosphorsauren Kalkes. 
3. Die Fauna ist am reichsten in zwei Zonen, die eine an, oder nahe 
der Oberfläche des Meeres, die zweite auf, oder nahe über dem Grunde; in dem 
dazwischen liegenden Raume fehlen nahezu alle Thiere. 
4, In grossen Tiefen sind Spongien (Schwämme) und Echinodermen 
(Stachelhäuter) vorherrschend. 
5. In Tiefen über 900m hat die Fauna überall dieselben Grundzüge, 
Tiefsee-Genera sind kosmopolitisch, Tiefsee-Species sind an entfernten Orten 
identisch, oder vikariirende Formen. 
6. Die Tiefsee-Fauna zeigt eine grössere Aechnlichkeit, als die des seichten 
Wassers, mit den Formen der (geologischen) Tertiär- und Sekundärzeit. Bis 
jetzt ist aber erst eine verhältnissmässig kleine Anzahl von Typen, die man für 
ausgestorben hielt, in den Tiefen des Meeres entdeckt worden. 
7. Die Hauptcharakterformen der Tiefe, und solche, welche den erloschenen 
Typen am nächsten stehen, scheinen in grösster Zahl und hervorragender Grösse 
in den südlichen Oceanen zu leben. 
8, Der allgemeine Charakter der Tiefsee-Fauna gleicht am meisten dem 
des seichten Wassers der hohen nördlichen und südlichen Breiten, weil die 
Temperaturverhältnisse die gleichen sind.“ 
Bevor wir nach dieser Uebersicht über die allgemeinen Ergebnisse 
der neueren Tiefseeforschungen zu einer näheren Darstellung :der in den 
einzelnen Oceanbecken der Erde durch dieselben aufgedeckten Thatsachen 
hinsichtlich der Tiefen- und Bodengestaltung der Oceane und der Vertheilung 
der Temperatur und des specifischen Gewichtes des Meerwassers von der Ober- 
fläche bis zum Meeresgrunde übergehen, sei es uns gestattet, eine gedrängte 
Uebersicht über die hervorragendsten Tiefsee-Expeditionen und Tieflothungen der 
letzten 10 Jahre zu geben, die jene die neuere Tiefseeforschung begründenden 
Ergebnisse geliefert haben, welche der Gegenstand dieser Abhandlung sind. 
I. Alle drei grossen Oceane der Erde, den Atlantischen, 
Stillen und Indischen Ocean, umfassende Expeditionen, 
1. I. Br.M.S. „Challenger“, Kapt. Sir G. Nares (bis Januar 1875), und 
Kapt. Frank Thomson, von 1872 December 7 (Sheerness) bis 1876 Mai 27 
(Sheerness). 
2. S.M.S. „Gazelle“, Kapt. z. See Freiherr von Schleinitz, von 1874 
Juni 21 (Kiel) bis 1376 April 27 (Kiel).
	        
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